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Donnerstag, 18. April 2013

"The Selection" von Kiera Cass

Zum Inhalt: America lebt in den ehemaligen USA, doch dort ist nun alles anders. Es gibt ein Klassensystem, bei welchem eigentlich nur die obersten drei Klassen gut wegkommen. America selbst ist eine Fünf, doch obwohl ihre Familie ständig mit dem Mangel an Geld und Nahrung zu kämpfen hat, ist sie glücklich. Das größte Problem stellt für sie ihre Liebe zu Aspen dar, denn der ist eine Sechs.

Doch dann erhält sie ihre Einladung zur "Selection", bei welcher unter allen geeigneten jungen Damen im Königreich die passende Braut für den jungen Prinzen Maxon ausgewählt werden soll. Es handelt sich um eine Art Casting und ohne es wirklich zu wollen, bekommt America tatsächlich die Einladung zur Teilnahme. Obwohl es niemals ihr Traum war, Königin zu werden, reist sie zum königlichen Palast und tritt dort gegen die anderen Kandidatinnen an und muss lernen, dass ihre Vorstellungen vom Leben im Palast, von der obersten Klasse und besonders von Prinz Maxon ganz anders sind als die Realität.

Infos zum Buch: "The Selection, Bd. 1", Harper Teen, Taschenbuch, 336 Seiten, 7,50 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich muss wirklich sagen, dass ich sehr überrascht bin, wie wenig Kitsch diese Geschichte enthält. Obwohl mich die Idee beim Stöbern im Kindle Shop sofort angelacht hat und ich mir daher das Buch gleich geladen habe, hatte ich doch wesentlich mehr  "Disney" erwartet. Die Geschichte bietet tatsächlich sehr viel Potenzial dafür. Junges armes Mädchen trifft auf reichen, gutaussehenden Prinzen. Und dann noch die Dreiecksgeschichte mit dem zweiten, viel ärmeren Jungen... Neu und innovativ ist die Story ja jetzt wirklich nicht, da beisst die Maus keinen Faden ab.

Trotzdem schafft Kiera Cass es, dass die hier nichts zu platt rüberkommt. Ein wenig unglaubwürdig wirkt Americas Verhalten zwar schon, aber das gehört irgendwie auch zu dieser Geschichte dazu. Es war sehr schön zu sehen, wie sie sich weder von den plötzlichen Möglichkeiten umhauen lässt, noch dass diese sie völlig kalt lassen.

Ich fand es auch gut, dass sich das Buch nicht nur um die vermeintliche Dreieckskiste von America, Maxon und Aspen bezieht, sondern dass es hier auch um viel mehr geht. Man erfährt viel vom Leben in den einzelnen Klassen, die politischen Zustände und das Familienleben der einzelnen Charaktere. Die Versuche, echte Spannung aufzubauen, kamen zwar doch etwas schwach auf der Brust daher, bringen aber immerhin Abwechslung zu der eigentlich recht klassischen Liebesgeschichte rein.

Etwas enttäuschend fand ich das Ende. Zwar weiß ich jetzt, das das Buch erst Band 1 ist, aber gerade dafür ging es mir einfach zu still zu Ende. Kaum ein Cliffhanger, kaum Spannung. Da hätte ich mir dann doch etwas mehr erhofft.

Was vielleicht auch noch zu erwähnen wäre, ist, dass die ganzen Dystopien sich vom Ausgangspunkt mittlerweile sehr ähneln. Finde ich zumindest. Das Klassensystem hier ist jetzt auch nicht so viel anders, als bei den Cassia & Ky-Büchern, die wiederum dem in der Panem-Reihe ähneln. Sicherlich liegt das auch daran, dass die Autoren sich echte Klassensysteme wie die Kasten in Indien und historische Gesellschaftsformen angeschaut haben. ich würde hier also nicht so weit gehen wollen, irgendwem zu unterstellen, man habe voneinander abgeschrieben. Aber langsam wird es für mich halt doch auch langweilig, wenn die Ausgangssituationen sich so sehr ähneln.

Bewertung:

Donnerstag, 7. Februar 2013

"Ready Player One" von Ernest Cline

Zum Inhalt: Es ist das Jahr 2044. Die Menschen haben die Erde so gut wie zugrunde gewirtschaftet. Es gibt kaum noch Öl oder sonstige Ressourcen. Nur wenige ganz Reiche haben noch ein angenehmes Leben. Alle anderen leben in heruntergekommenen, völlig überladenen Vierteln. Doch zum Glück gibt es die OASIS, eine virtuelle Welt. Dort kann sich jeder völlig kostenfrei eine neue Identität erschaffen. Man kann heissen, aussehen und sein, was oder wer man will.

Auch Wade ist einer dieser Menschen. Im realen Leben ist er Waise, der von seiner Tante nur irgendwie geduldet wird. Er ist schüchtern, zu dick, hat kein Geld. Aber in der OASIS ist er Parzival. Zwar kann er es sich auch dort nicht leisten, seinen Charakter groß auszurüsten, aber er ist weniger schüchtern und er hat Freunde. Außerdem ist er ein Gunter, einer der Charaktere, die sich der Aufgabe verschrieben haben, das "Easter Egg" zu finden, welches der verstorbene Erschaffer der OASIS hinterlassen hat. Wer die geheimen Schlüssel findet und schwierigen Aufgaben löst und somit am Ende das "Easter Egg" findet, der erbt das gesamte Vermögen des Verstorbenen. Nach mittlerweile sechs Jahren glauben die meisten Gunter kaum noch daran, dass sie der Glückliche sein könnten, und auch Wade hat diese Hoffnung eigentlich nicht mehr wirklich. Doch dann gelingt ihm das Unglaubliche: Er findet den ersten Schlüssel. Und damit beginnt ein verrücktes Abenteuer, das Wade quer durch die ihm so lieb gewordene virtuelle Welt und durch die 1980er Jahre mit allen ihren Arcade-Spielen, ihrer wilden Gitarrenmusik und ihren Cartoonserien führt.

Infos zum Buch: Deutsche Version: "Ready Player One", Penhaligon Verlag, gebundene Ausgabe, 512 Seiten, 19,99 € | Bei Amazon kaufen
Englische Version: "Ready Player One", Arrow, Taschenbuch, 384 Seiten, 7,95 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Was für ein krankes und gleichzeitig wunderbares Buch! Mein Kopf dreht sich immer noch von dieser wilden Reise und vielleicht sollte ich mir ein bis zwei Tage Zeit lassen, bevor ich eine Rezension dazu schreibe. Aber ehrlich gesagt, habe ich Angst, dass ich dann plötzlich alles wieder vergesse. Also, nicht alles, aber wichtige Teile. Obwohl...so richtig sicher kann ich mir auch jetzt gar nicht sein, ob ich da jetzt alles verstanden habe.

Aber mal langsam. Fangen wir von vorne an...

Die Lobeshymnen, die auf und in dem Buch abgedruckt sind, versprechen nicht zuviel: Absolute Nerds und Computerfreaks kommen hier voll auf ihre Kosten. Von den Anfängen der Computer, wie wir sie kennen, irgendwann Ende der 70er bis zu der neuesten Technologie (selbstverständlich der von 2044!) ist hier alles vertreten. Hardwarekomponenten, Spieledetails, Charakterskills...all solche Sachen werden bis ins kleinste beschrieben. Und ja, mein Kopf hat sich nicht nur einmal wild gedreht und ich habe nur noch irgendwelche Zahlen vor meinem inneren Auge vorbeihuschen gesehen. Aber komischerweise stört das kein bißchen. Klar, manche Stellen werden halt überflogen, weil man sich unter den einzelnen Bezeichnungen gerade nichts vorstellen kann. Aber meistens schafft es Ernest Cline tatsächlich, alles auch für absolut technikphobe "Noobs" (hehe!) sinnvoll zu erklären. Selbst am Ende des Buches, bei welchem die Handlung wirklich rasant wird, hatte ich nicht das Gefühl, dass ich jetzt nicht mehr folgen kann. Im Gegenteil fand ich es sogar wahnsinnig beeindruckend, mit wie viel Fantasie er diese beiden Welten erfunden und aufeinander aufgebaut hat.

Dabei fand ich besonders beeindruckend, wie realistisch diese Zukunft wirkt. Klar, dass unsere Gier, was Öl und Energie betrifft, irgendwann mal ein böses Ende nimmt, haben viele Bücher und Filme als Ausgangspunkt. Aber darüber hinaus hat Ernest Cline bis ins Detail beschrieben, wie die Welt dann aussehen könnte. Ein Beispiel dafür sind die "Stacks", übereinander getürmte Wohnwagen und mobile Häuser, in welchen die Menschen nun leben, da sie keine Möglichkeit mehr haben, mit dem Auto weitere Strecken zu überbrücken und somit alle geballt in Zentrumsnähe der großen Städte wohnen müssen. Die OASIS selbst hat er dann auf den 1980er Jahren aufgebaut, der Ära, in welcher der Erschaffer, James Halliday, selbst aufgewachsen ist. Auch hier wird alles so umfangreich beschrieben und so perfekt aufeinander aufgebaut, dass man wirklich glaubt, die OASIS wäre bereits in der Mache. Und so gesehen ist auch das wieder realistisch. Zwar gibt es bisher nichts, was auch unser reales Leben miteinbezieht, wie im Buch z.B. Wade's Schule, aber große virtuelle Welten gibt es schon als soziale Netzwerke wie Second Life oder Spiele wie World of Warcraft. Es fällt einem also nicht schwer zu glauben, dass man selbst sein Leben im Jahr 2044 auch hauptsächlich online verbringt.

Mit Wade selbst wurde ich auch sofort warm. Klar, er ist natürlich ein klein wenig der Cliché-Held für so ein Buch. Einsam, entspricht nicht dem Schönheitsideal, hat wenig Geld...der geborene Außenseiter eben. Aber eben auch in einer Welt voller Außenseiter, denn eigentlich flüchten sich ja fast alle in diese perfekte virtuelle Welt, weil ihnen das reale Leben nichts bietet. Im Gegensatz zu vielen anderen geht er damit auch erfrischend ehrlich und mit einer gehörigen Menge Sarkasmus um, was ihn schon wieder ganz herzlich und offen wirken lässt. Ebenso ergeht es einem mit seinen Freunden, welche man nach und nach besser kennenlernt. Besonders sein bester Freund Aech wächst einem wirklich ans Herz und sorgte zumindest bei mir am Ende auch für einen wirklich herzlichen Lacher.

Was jetzt wie eine Art SciFi-Buch für Nerds klingt...naja, ist genau das, stellenweise. Aber darüber hinaus bietet das Buch auch noch so viel Abenteuer, Spannung und, ja, sogar Romanze, dass man es einfach lieben muss und kaum aus der Hand legen will! Definitiv mein erstes Highlight dieses Jahr.

So...und jetzt entschuldigt mich, ich geh mal eben eine Runde virtuelle Monster töten. Vielleicht finde ich da auch irgendwo ein paar Billiönchen, die jemand irgendwo versteckt hat. ;)

Bewertung:

Dienstag, 16. Oktober 2012

[Hunger Games #2] "Catching Fire" von Suzanne Collins

Zum Inhalt: Es sind ein paar Monate vergangen seit Katniss und Peeta gemeinsam als Gewinner der Hunger Games die Arena verlassen haben. Seitdem genießen sie die Vorteile, die den Siegern bis an ihr Lebensende zustehen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sie nicht nur den Ruhm aller Sieger genießen, sondern vom Volk in den einzelnen Districts regelrecht als Helden und Anführer einer Revolution gefeiert werden.

Schon bald müssen sie feststellen, dass der Regierung im Capitol, allen voran Präsident Snow, das natürlich gar nicht gefällt. Und so sehen sie sich einer Reihe von Intrigen gegenüber, die nicht nur ihnen, sondern auch ihren vermeintlichen Anhängern zeigen sollen, dass es keinen Sinn macht, eine Revolution zu starten. Und tatsächlich scheint es so, als ob sie diesen Kampf nur verlieren können.

Infos zum Buch: "Catching Fire", Scholastic UK, Taschenbuch, 472 Seiten, 8,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Zunächst mal muss ich sagen, dass ich keine Ahnung habe, weshalb ich so eine schlechte Meinung vom ersten Teil der Trilogie hatte. Ich habe ihn zwar jetzt nicht noch einmal gelesen, kann mir aber nicht vorstellen, dass er so viel schlechter war als dieser hier. Vermutlich lag es wirklich daran, dass ich damals extrem krank war (ich bin ja auch kurz danach im Krankenhaus gelandet) und mich nicht richtig konzentrieren konnte.

Egal, "Catching Fire" gefiel mir jedenfalls sehr, sehr gut.

Die klare Schwäche ist für mich leider weiterhin Katniss selbst. Ich finde sie als Heldin einfach nicht besonders sympathisch. Obwohl das vielleicht auch das falsche Wort ist. Natürlich ist es toll, wie sehr sie sich um ihre Freunde und Familie Gedanken macht, dass sie immer noch willens ist, sich für sie zu opfern. Aber sie wirkt an vielen Stellen auch sehr weinerlich und zu negativ. Selbst bei den wenigen schönen Dingen kann sie diese gar nicht richtig wahrnehmen und sich auch einfach mal darüber zu freuen. Natürlich ist das auch nicht leicht, wenn man eine so schwere Last trägt. Aber wie sie manchmal geradezu sauer zu sein scheint, wenn ihr jemand etwas Gutes tut, finde ich einfach irgendwann nicht mehr sehr sympathisch.

Dafür haben mir die anderen Charaktere so richtig Spaß gemacht. Allen voran natürlich Peeta, der auch im Laufe dieser Geschichte wieder einen riesigen Sprung zu machen scheint. Man glaubt eigentlich ständig, dass man ihn schon wieder unterschätzt hat und kann gar nicht glauben, was er jetzt wieder geleistet hat.

Was die Darstellung der Charaktere angeht, haben mir besonders die aus dem Capitol gefallen. Immer wieder wird erwähnt, wie verschwenderisch, oberflächlich und dekadent dort alle sind, aber an vielen Stellen wird von Suzanne Collins dann doch auch wieder eine unerwartete Tiefe eingebracht. Dadurch wirkt nichts platt und es wird auch keine zu offensichtliche Schwarz-Weiß-Malerei betrieben.

Sehr gut fand ich auch die Entwicklung der Geschichte. Im Gegensatz zum ersten Teil wird hier nicht in einer geraden Linie Spannung aufgebaut. Im Gegenteil gab es auch Momente, in welchen ich mich beruhigt gefühlt habe und sicher war, den weiteren Verlauf der Geschichte vorhersagen zu können - und dann kam es doch jedes Mal wieder ganz anders. Auch Katniss ist stellenweise erleichtert, meint, dass alles wieder gut wird, und wird dann doch immer wieder von den Ereignissen erschüttert.

Das Ende kam dann natürlich auch als besonderer Knaller. Völlig unerwartet und mit weniger Antworten als noch mehr Fragen, die hoffentlich dann vom dritten Teil beantwortet werden. Hier hätte ich mir lediglich gewünscht, dass sich die Ereignisse nicht ganz so überschlagen. Für einen solchen Hammer wurden hier erstaunlich wenig Seiten genutzt. Besonders, wenn man bedenkt, dass sich die Autorin vorher so viel Zeit für genaue Beschreibungen genommen hat.

Bewertung:

Dienstag, 7. August 2012

[Cassia & Ky #2] "Crossed" von Ally Condie

Zum Inhalt: Auch im zweiten Teil der Trilogie um Cassia & Ky sehen die beiden sich mit der harten Realität konfrontiert, dass die "Society" sie nicht zusammen sein lässt und ihnen auch sonst vorschreibt, wie sie ihr Leben zu leben haben.

Nachdem Ky in die Outer Provinces geschickt wurde, um dort im Krieg gegen die Gegner der "Society" zu kämpfen, versucht Cassia, ihn dort zu finden. Dort hört sie von einer Art Rebellion gegen die von ihr mittlerweile so verhasse "Society" und neben dem Wunsch, endlich ihren Ky wiederzufinden, schmiedet sie auch den Plan, sich dieser Rebellion anzuschließen. Unabhängig voneinander flüchten beide in die "Carvings" eine Art Felsenformation, wo sie sich nicht nur vor der "Society", sondern auch vor dem für sie vorgeschriebenen Leben zu verstecken versuchen. Doch werden sie sich auch gegenseitig finden?

Infos zum Buch: "Crossed", Puffin, Taschenbuch, 384 Seiten, 11,60 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich war ja schon vom ersten Teil der Reihe recht begeistert. In "Matched" wurde zunächst einmal das Leben innerhalb der "Society" beschrieben und schon damals habe ich mich gefragt, ob mir dieses behütete und dadurch sichere Leben gefallen oder ob ich mich auch dagegen aufgelehnt hätte. Doch schon damals ließ Ally Condie ja erkennen, dass da auch vieles mehr Schein als Sein war.

In "Crossed" kommt dieses Bild von der schönen, sicheren Welt auch völlig zum Zusammenbruch. Die gesamte Stimmung des Buches ist von Anfang an komplett anders als es noch in "Matched" der Fall war. Während sich da der Leser auch noch schon eingelullt gefühlt hat von dieser schönen durchstrukturierten Welt, in der jeder seinen Platz zu haben scheint, wird er hier gleich mit der Realität von Cassias und Kys neuer Umgebung konfrontiert: Raue Natur, wenig Komfort, überall um sie herum Tod und Angst vor dem nächsten Angriff, Krieg halt. Schon allein diesen krassen Gegensatz, den man fast greifen konnte, fand ich sehr beeindruckend.

Der Erzählstil ist immer aus der Ich-Perspektive geschrieben, wechselt jedoch zwischen Kys und Cassias Sicht. Das ist auch gut so, denn einen Großteil des Buches verbringen sie unabhängig voneinander. Sie erleben und sehen ähnliche Dinge, welche man dann aus beiden Sichten geschildert bekommt. Auch hier war ich recht beeindruckt davon, wie Frau Condie die unterschiedlichen Sichtweisen darstellt. Beide sind komplett unterschiedliche Charaktere, Cassia ist wohlbehütet aufgewachsen und das raue Leben dort draußen ist für sie völlig neu, während Ky schon früh im Leben genau daran gewöhnt wurde. So nehmen sie die Umgebung natürlich auch unterschiedlich wahr und arrangieren sich auf völlig verschiedene Art und Weise damit.

Die Charaktere selbst fand ich auch wieder gerade so schön kompliziert, dass man sie noch verstehen und ihre Entscheidungen nachvollziehen kann, aber nicht so sehr, dass sie stellenweise unnatürlich wirken. Dadurch kam es eigentlich auch an keinem Punkt dazu, dass ich sie übertrieben fand. Auch die Nebencharaktere wirken gut durchdacht und haben ihre eigene Geschichte, spielen dadurch nicht nur Cassia und Ky in die Hand. Dadurch konnte ich zumindest zu jedem eine Beziehung aufbauen, ob positiv oder negativ.

Einziges Manko war hier eindeutig der Handlungsstrang. Klar, 384 Seiten sind nicht so besonders viel, aber selbst dafür muss ich im Nachhinein sagen, dass sie relativ wenig Handlung beinhalten. Teilweise passiert mehrere Seiten lang gar nichts, es werden nur Sachen beschrieben oder kleine, teilweise unbedeutende Details werden zu sehr aufgebauscht. Blicke ich zurück, muss ich sagen, dass ich die eigentliche Handlung des Buches, inklusive des Endes, in 3 Sätzen zusammenfassen konnte. Insgesamt habe ich so den Eindruck bekommen, als ob Frau Condie hier das Hauptaugenmerk auf die Charaktere gelegt hat, denn auf deren Entwicklung und Geschichte wird hier wirklich gut eingegangen. So könnte ich mir vorstellen, dass der dritte Teil dann vollgeladen ist mit jeder Menge Action, für welche aber dieses Hintergrundwissen zu Cassia, Ky und ihren Freunden von großer Bedeutung ist. Mal sehen...

Insgesamt hat mir "Matched" ein kleines bißchen besser gefallen als "Crossed", aber schon allein der eingangs erwähnte richtig krasse Stimmungswechsel hat das Buch für mich auf jeden Fall lesenswert gemacht.

Bewertung:

Dienstag, 13. März 2012

Matched von Ally Condie

Zum Inhalt: Endlich läuft in der Welt alles in geordneten Bahnen! Partner werden aufgrund ihrer Gene füreinander ausgewählt und zeugen so gesunde, schöne Kinder. Die Menschen können sich voll und ganz auf ihre Führer verlassen, die für sie den geeigneten Beruf aussuchen, ihre Mahlzeiten zusammenstellen, sie durch mangelnden persönlichen Besitz vor Neid und Missgunst bewahren und die für sie den Tagesablauf planen. Alles ist perfekt und, vor allem, sicher.

In dieser Welt ist Cassia aufgewachsen. Sie ist jetzt siebzehn und steht kurz vor dem bisher wichtigsten Ereignis ihres Lebens: Ihr Match Banquet. Bei diesem Ereignis bekommen Siebzehnjährige ihren zukünftigen Partner zugeteilt. Und für Cassia könnte es auch gar nicht besser laufen, denn ihr Match ist Xander, der Junge, der schon ihr ganzes Leben lang ihr bester Freund ist.

Doch als Cassia sich die Microcard anschauen möchte, welche die Daten ihres Matches enthalten soll, erscheint dort nicht Xander, sondern Ky. Ky ist ein Junge aus ihrer Nachbarschaft, doch eigentlich ist er dazu verdammt, als Single zu leben. Kurz darauf entpuppt sich dies auch als Fehler des eigentlich unfehlbaren Systems. Cassia erfährt, dass Xander weiterhin ihr Match ist und alles ist wieder gut. Oder? Alles könnte so schön sein, doch dieses Ereignis bringt Cassia dazu, sich für Ky zu interessieren. Mehr und mehr kommt sie zu dem Schluss, dass ihre Welt doch nicht so perfekt ist, dass ihr Leben so viel mehr zu bieten hätte, als das, was ihr die Gesellschaft erlaubt. Doch das System anzuzweifeln, ist streng verboten und wenn jemand von Cassias Zweifeln erfährt, bedeutet das nicht nur für sie eine Gefahr, sondern für ihre ganze Familie.

Meine Meinung: Jetzt stellt euch mal vor, man müsse sich um nichts mehr kümmern. Ständig diese Entscheidungen und Versuchungen! Ich will abnehmen, aber wer schützt mich vor dem ganzen leckeren Süßkram? Welchen Beruf soll ich annehmen und wo führt mich das hin? Werde ich später vielleicht arm und arbeitslos sein? Und wie finde ich den richtigen Partner? Oder besser noch: Wer ist denn der richtige Partner für mich? Da wäre es doch viel, viel besser, wenn da jemand wäre, der sich für mich darum kümmern würde, oder? Der mir genau aufzeigen würde, welcher Weg zu welcher Zeit der richtige für mich ist und der mir gleichzeitig völlige Sicherheit garantieren würde. Selbst, wenn ich einen unschönen und harten Beruf habe, besitze ich am Ende des Tages das gleiche wie meine Nachbarn, habe in meinem Haus den gleichen Komfort. Und ich muss mich auch nicht um meine eigene Attraktivität kümmern, darf das sogar gar nicht, denn mein Partner wird ja sowieso nach rein wissenschaftlichen Aspekten für mich ausgewählt. Und das ist auch gut so, denn so bekommen wir zusammen perfekte Kinder und müssen uns nie um deren Gesundheit sorgen, denn wirklich schlimme Erbkrankheiten gibt es so gut wie keine mehr.

Eigentlich klingt das doch super, oder?

Aber jetzt überlegt euch auch, was ihr dafür aufgebt. Zusammengefasst kommt dabei dann ein Wort raus: Freiheit. Die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, das eigene Leben selbst zu gestalten und sich so schließlich von anderen Menschen zu unterscheiden. Wie Cassia auch sehr treffend im Buch beschreibt, gibt die Gesellschaften den Bürgern immer einen Geschmack dessen, was das Leben so bietet, nie aber das Leben selbst.

Dabei bekommt man von Ally Condie auch gleich die gesamte Wucht einer solchen Gesellschaft entgegen geschleudert. Für einen Moment lässt mich das zweifeln, denn immerhin ist das ja ein Jugendbuch. Jetzt behaupte ich nicht, dass Jugendliche dumm und oberflächlich sind (auch wenn ich es mit 15 / 16 sicherlich war), aber vieles in diesem Buch klingt fast schon wie eine wissenschaftliche These. Das ist natürlich für eine Dystopie gar nicht so ungewöhnlich, eigentlich sogar wünschenswert. Ich persönlich liebe Condies Schreibstil und die vielen Details, die Beschreibungen der einzelnen Aspekte von Cassias Alltag. Aber ich glaube, als Jugendliche hätte mir die Geschichte stellenweise dadurch zu sehr gestockt. Ich hätte mir wahrscheinlich gewünscht, dass die Dreiecksgeschichte um Cassia, Xander und Ky schneller entwickelt, dass mehr passiert. Wahrscheinlich hätte ich viele Stellen, die z.B. den Ablauf des Alltags betreffen einfach übersprungen.

Durch diese vielen Beschreibungen schafft Condie es aber auch, eine Stimmung zu schaffen, die einer solchen Dystopie absolut angemessen erscheint. Man spürt förmlich, wie geradlinig und steril Cassias Welt ist. Durch den Mangel an Besitztümern sind die Häuser der Menschen natürlich alle nur zweckmäßig eingerichtet. Schaue ich mich bei mir zu Hause um, fällt mir erst jetzt auf, wie wichtig der ganze Kram ist, der sich hier so angehäuft hat. Ich stelle mir meine Regale ohne Inhalt vor (hätte ich dann überhaupt Regale?), meine Schränke nur gefüllt mit den wenigen einheitlichen Kleidungsstücken, nirgendwo Blumen, Bilder oder andere Dekoration. Das schafft eine traurige, fast depressive Stimmung, die nur durch die Anwesenheit der von Cassia so geliebten Menschen unterbrochen wird. Vielleicht ist es diese leere, trübe Umgebung, aber die Menschen wirken dadurch umso farbfroher. Es wird einem beim Lesen immer mehr bewusst, wie unterschiedlich sie sind und dass auch jeder von ihnen anders mit den Gegebenheiten umgeht. Manche sind absolut glücklich mit ihrer Situation, vielleicht auch, weil sie sich nicht mehr vorstellen können. Andere wiederum rebellieren im Stillen gegen die Regeln und wünschen sich mehr vom Leben. Doch eins haben alle gemeinsam: Ihnen geht die eigene Familie über alles.

Mir hat "Matched" richtig gut gefallen. Ich mag Bücher, die mich in eine bestimmte Stimmung versetzen können und das war hier definitiv der Fall. Das Thema war auch absolut meins. Deshalb bekommt es von mir auch die Höchstwertung.

Bewertung: