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Samstag, 6. April 2013

"Notes From a Big Country" von Bill Bryson

Zum Inhalt: Das Buch ist eine Zusammenfassung von allen Geschichten, die Bill Bryson in seiner Kolumne über das Leben in den USA für die britische Zeitung "Mail on Sunday" geschrieben hat. Hier geht es unter anderem um die verrückte Bürokratie der amerikanischen Einwanderungsbehörde, über den Wahnsinn des Telefonanbieters AT&T, die Kuriositäten der amerikanischen Lebensmittelindustrie und natürlich auch um Brysons "ganz normale amerikanische Familie".

Infos zum Buch: "Notes From a Big Country", Black Swan, Taschenbuch, 416 Seiten, 9,10 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Es wurde endlich mal wieder Zeit für eine Runde Bryson-Humor. Er schafft es einfach wie kein anderer, die Kuriositäten und die Eigenheiten verschiedener Länder und dessen Menschen einzufangen und auf unheimlich witzige Art und Weise zu beschreiben.

Während die meisten anderer seiner Bücher eher Reiseromane sind, die ihm bei Roadtrips und Wandertouren folgen, ist "Notes From a Big Country" eine Zusammenfassung von Kolumnen. Diese hat er geschrieben, nachdem er nach zwei Jahrzehnten Leben in England in die USA zurückgekehrt ist. Einerseits macht das das Lesen natürlich viel schneller, denn die einzelnen Kolumnen sind sehr kurzweilig und nicht miteinander verbunden. Andererseits gibt es so natürlich auch keine wirkliche Handlung und zumindest ich war froh, danach wieder ein Buch mit einer Geschichte zu lesen, der man folgen kann.

Durch die lange Abwesenheit bekommt Bryson hier natürlich eine ganz andere Sichtweise auf sein Heimatland und dessen Eigenarten. Vieles ist ihm unbekannt und kommt ihm im direkten Vergleich kurios vor, andererseits ist er aber auch nicht völlig unbedarft, wie z.B. ein Tourist es wäre. Bereits in vorigen Büchern hat er sich ja ausgiebig mit diesem Land beschäftigt und kennt es mittlerweile sehr gut. Und doch schaffen seine Mitbürger, besonders seine neuen direkten Nachbarn, es immer wieder, ihn noch zu überraschen und häufig auch in den Wahnsinn zu treiben.

Sein Schreibstil ist wie immer satirisch übertrieben mit trockenem Humor und viel Selbstironie. Ich liebe das ja. Seine Bücher erinnern mich immer auch ein bißchen an Ephraim Kishon, dessen Bücher damals in der Schule die einzigen waren, die ich sogar freiwillig außerhalb des Unterrichts gern gelesen habe. Schön finde ich vor allem, dass er sich nicht einfach nur über "die Amis" lustig macht, wie es so viele gern tun. Sicherlich gibt es in diesem riesigen Land vieles, worüber wir alle nur den Kopf schütteln können, aber Bryson erklärt auch immer wieder, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Dadurch kann man beherzt lachen und lernt auch noch was dazu.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der gern etwas über die USA lernen und sich dabei amüsieren möchte.

Bewertung:

Freitag, 22. Februar 2013

"Paper Towns" von John Green

Zum Inhalt: Quentin wohnt schon seit er denken kann neben Margo. Früher waren die beiden auch dicke Freunde, doch in der High School gehen sie getrennte Wege. Margo gehört zu den coolen Kids und ist sogar irgendwie deren Anführerin. Quentin dagegen ist ein Außenseiter und mit dieser Rolle auch ganz glücklich, denn er hat seine Freunde und seine Routine. Eigentlich vermisst er auch Margo nicht bewusst. Bis diese plötzlich eines Abends bei ihm am Fenster steht und ihn dazu drängt, mit ihr eine verrückte Nacht durchzumachen, in welcher die beiden jede Menge Illegales unternehmen. Am nächsten Tag verschwindet Margo plötzlich und während sich alle um ihn herum damit abfinden, dass dieses verrückte Mädchen ihrem alten Leben eben einfach den Rücken gekehrt hat, kann Quentin sie nicht vergessen. Und mehr noch, er ist davon überzeugt, dass Margo von ihm gefunden werden will und nur ihm Hinweise hinterlassen hat. Und so beginnt für ihn eine Art Schnitzeljagd, bei der er die wirkliche Margo erst kennenlernt.

Infos zum Buch: "Paper Towns", Speak, Taschenbuch, 320 Seiten, 7,90 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Hachja, John Green! Mein neuer Held der Jugendbücher!

Vorab muss ich gleich ehrlicherweise sagen, dass "Paper Towns" mich nicht ganz so packen konnte wie "Will Grayson, Will Grayson" zuvor. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich auch, dass bei den beiden Büchern einfach die Erwartungshaltung anders war. Hier wusste ich jetzt schon, wie wunderbar der Schreibstil und der Ideenreichtum von John Green sind.

Natürlich hat auch "Paper Towns" wieder eine ganz wunderbare Geschichte. Es geht wieder um eigentlich ganz normale Jugendliche. Der ein oder andere der Charaktere wirkt auch hier skurril, aber nicht so über die Maßen, dass man selbst nicht auch so jemanden in der Art kennen würde. Da ist zum Beispiel Quentins Freund Ben, der auf geradezu tragische Art und Weise von den Mädchen besessen ist. In seinem Kopf ist er selbst ein ganz schöner Aufreißer, er nennt die Mädchen "Honeybunnies" und alles dreht sich bei ihm darum, endlich eine Freundin und vor allem eine Begleitung für den Abschlussball zu finden. Aber gleichzeitig ist er auch grandios erfolglos und unbeliebt bei den Mädels. Das macht ihn schon wieder liebenswert und knuffig. Zumal er seine Situation ja auch noch selbst mit Humor nimmt.

Quentin selbst war mir stellenweise zu ernst und verbissen für sein Alter. Natürlich passt das auch wieder zu der Geschichte, denn jeder "normale" Jugendliche in seinem Alter wäre so kurz vorm Abschlussball wohl mit allem anderem beschäftigt als mit seiner verrückten Nachbarin, zumal diese ja auch schon eine ganz gehörige Summe an seltsamen Geschichten gebracht hat und mehr als einmal für längere Zeit von zu Hause ausgerissen ist. Kein Wunder also, dass kaum jemand ihrem erneuten Verschwinden besonders viel Bedeutung beimisst. Da braucht es schon einen so sensiblen Charakter wie Quentin, der dann auch aus den kleinsten Sachen einen Hinweis herauslesen kann.

Sehr gut gefallen hat mir hier, dass John Green in der Geschichte auch die Unterschiedlichkeit der Charaktere aufgreift. Es kommt zu häufig vor, dass die Protagonisten als die Helden dargestellt werden und die Nebencharaktere in all ihrer Skurrilität eigentlich nur albern und manchmal sogar nervtötend wirken. Ich will hier nicht spoilern, aber genau das wird kurz angesprochen und auf tolle Weise von Quentins Freund Radar zerschlagen. Genau das liebe ich jetzt schon an John Green. Bei ihm wirkt einfach alles sympathisch. Jeder Charakter, jede Szene, jede Geschichte sorgen irgendwie dafür, dass man sich mit seinen Büchern einfach wohl fühlt.

Der Grund, weshalb mich das Buch nicht ganz packen konnte ist einfach, dass die Spannung immer wieder unterbrochen wird. Sicherlich ist es auch toll, mehr über die Freundschaft zwischen Quentin, Ben und Radar zu erfahren und mitzubekommen, was alles so kurz vor ihrem Abschluss bei ihnen abgeht. Aber eigentlich will man unbedingt wissen, was denn jetzt mit Margo ist. Und immer wenn es gerade richtig spannend wird und Quentin einen weiteren Schritt gemacht hat, hakt es wieder und man möchte am liebsten 10-15 Seiten überspringen, um zu sehen, wie es weitergeht. Erst im letzten Viertel entwickelt sich die Suche dann richtig rasant.

Ohne zuviel zu verraten möchte ich auch noch kurz das Ende ansprechen. Denn in den Enden liegt scheinbar ein weiteres Talent von John Green. Sie sind immer weit weniger spektakulär als man sie sich vorstellt und doch immer so besonders. Auch hier hat mir das Ende wieder so viel besser gefallen als alles, was ich mir vorher vorgestellt hatte.

Bewertung:

Dienstag, 11. September 2012

"Das Leuchten der Purpurinseln" von Doris Cramer

Zum Inhalt: Es ist das Jahr 1520. Mirijam und ihre Schwester Lucia werden von ihrem todkranken Vater von Antwerpen nach Spanien geschickt. Dort soll Lucia heiraten, damit die Mädchen auch nach dem Tod des Vaters versorgt sind. Doch während der Überfahrt von Belgien nach Spanien wird das Schiff von Piraten angegriffen und die Mädchen werden verschleppt. Für Mirijam beginnt damit eine aufregende Reise an Orte, von denen sie vorher nichtmal zu träumen gewagt hatte. Sie lernt Wüsten, das Meer und ihr völlig fremde Kulturen kennen.

Infos zum Buch: "Das Leuchten der Purpurinseln", Blanvalet Taschenbuch Verlag, Taschenbuch, 672 Seiten, 9,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich hatte das Buch lange im Voraus vorbestellt, als ich es bei einer Empfehlung bei Amazon gesehen hatte. Der Grund dafür lag auf der Hand: Ich liebe historische Bücher, die einen Hauch von Abenteuer haben und versuche dabei auch immer wieder solche zu lesen, die in neuen, für mich unbekannten Gegenden spielen. Nordafrika, Spanien, Belgien...das alles war für mich literarisch noch relativ neu.

Zunächst einmal schreckt natürlich die enorme Dicke des Buches ab. Doch bei genauerem Betrachten ist alles halb so schlimm. Das Buch ist in mehrere Abschnitte unterteilt, die zusätzlich auch noch in Kapitel aufgeteilt sind. Dabei wechselt die Geschichte ab zwischen Mirijam / Lucia und Mirijams Jugendfreund Cornelisz. Beide, bzw. alle drei, erleben unabhängig voneinander völlig ungeplant die Abenteuer ihres Lebens. Bei dieser Erzählweise bin ich immer etwas skeptisch, weil man dann so plötzlich aus der Geschichte herausgerissen wird. Hier wird es auch nicht aus der jeweiligen Perspektive der Personen, sondern von der eines stillen Beobachters beschrieben. So ist es also auch nicht so, dass man ähnliche Situationen aus unterschiedlichen Blinkwinkeln sieht, sondern zu einem Großteil des Buches wechselt man einfach von einer spannenden Handlung zur nächsten. Ich persönlich kann mich jetzt nicht wirklich entscheiden, ob ich das in diesem Fall gut oder schlecht fand. Einerseits ist es blöd, wenn man aus einer spannenden Handlung rausgerissen wird, andererseits freut man sich aber auch zu erfahren, was mit der anderen Person passiert.

Völlig überflüssig fand ich dagegen den Prolog. In unserer Leserunde bei Lovelybooks hatten sich viele beschwert, dass er zu viel vorweggenommen hat. Das fand ich persönlich jetzt nicht wirklich, was aber auch daran lag, dass ich den Bezug zu der Geschichte erst dann hergestellt hab, als es jemand erwähnt hat. Bis zu dem Punkt, wo überhaupt erst die im Prolog erwähnte Situation in Betracht käme, sind es mehrere hundert Seiten und bis dahin habe ich schon gar nicht mehr an ihn gedacht. Ich muss dagegen sagen, dass er für mich keinen wirklichen Einstieg in die Geschichte gegeben hat. In der Leserunde hatte die Autorin erklärt, dass sie ihn unter anderem deshalb eingebaut hat, damit die Geschichte nicht gleich so negativ mit dem todkranken Vater losgeht. Unter dem Aspekt finde ich das natürlich ganz nett, hätte das aber auch nicht unbedingt gebraucht.

Die Stärke des Buches liegt für mich ganz eindeutig in den Charakteren. Da ist jeder für sich so einzigartig und fast sofort liebenswert. Die Einzige, die mir absolut nichts gesagt hat, war Lucia, aber das ist angesichts des geringen Einflusses, den sie auf die Geschichte hat, wohl auch nicht überraschend. Bei Mirijam habe ich einen Moment gebraucht, um sie einschätzen zu können. Da sich die Ereignisse am Anfang überschlagen und sie verständlicherweise eingeschüchtert ist, konnte ihr eigentlich recht forscher Charakter gar nicht richtig durchscheinen, weshalb ich sie erst später richtig packen konnte. Dann hat sie mir aber sehr gut gefallen. Mein erklärter Liebling war jedoch der Abu, der zwar erst später in der Geschichte erscheint, dafür aber durch seine Herzlichkeit sofort ein Stein bei mir im Brett hatte.

Auch sehr schön sind die Beschreibungen der verschiedenen Länder und Umgebungen. Die Farben, die ja schon im Titel aufgegriffen werden, sind einfach wunderbar beschrieben, ebenso Gerüche, Wetter und auch sonst all das, was wir unbewusst an unserem Heimatort kennen und lieben und an neuen Orten sofort bemerken. Das fand ich persönlich sehr beeindruckend, wenn auch manchmal etwas langatmig.

Diese Langatmigkeit ist es dann auch, die da Buch für mich letztendlich leider nur auf drei Kittens gebracht haben. Die spannenden und schönen Stellen waren wirklich richtig toll, aber die vielen Wiederholungen, die langen Beschreibungen von Mirijams Gefühlsleben...manchmal wurde mir das einfach zu langweilig. Da hätten es ein paar Seiten weniger auch getan.

Bewertung: