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Dienstag, 26. März 2013

"Das Lächeln der Frauen" von Nicolas Barreau

Zum Inhalt: Aurélie hat sich gerade erst mit dem Tod ihres Vaters abgefunden und damit, dass sie nun Chefin des kleinen Familienrestaurants "Les Temps des Cérises" ist, da bekommt ihr nun wieder perfekt erscheinendes Leben einen neuen Knacks: Ihr Freund Claude macht plötzlich und ohne Vorwarnung Schluss mit ihr, weil er sich in eine andere Frau verliebt hat. Und das sagt er ihr auch noch mit einem kleinen kurzen Abschiedsbrief. Völlig aus der Bahn geworfen spaziert Aurélie durch das herbstliche Paris und landet irgendwie in einer kleinen Buchhandlung, wo sie mehr aus Verlegenheit ein Buch kaufen möchte. Doch das ist nicht irgendein Buch, den schon beim Lesen der ersten paar Sätze wird ihr klar, dass dieses Buch irgendwie mit ihr verknüpft ist. Und plötzlich zählt für sie nur noch eins: Sie muss diesen mysteriösen Autor kennenlernen. Doch zwischen ihr und ihm steht dessen Lektor André, der sie immer nur abzuwimmeln scheint.

Infos zum Buch: "Das Lächeln der Frauen", Piper Taschenbuch, 336 Seiten, 9,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich habe sicherlich noch nicht genug Bücher von französischen Autoren gelesen, um das sicher beurteilen zu können. Aber bisher fand ich alle, die ich lesen konnte, irgendwie "besonders". Da scheint immer so ein ganz kleiner Hoch des Besonderen mitzuschwingen.

Bei "Das Lächeln der Frauen" hatte ich irgendwie das Gefühl, dass sich die Geschichte als alter Film aus den 50ern oder 60ern in meinem Kopf abspielt. Die Dialoge konnte ich regelrecht in der damals oft überzogenen Betonung und mit dem leichten Rauschen im Hintergrund hören. Vielleicht lag es daran, dass Französisch, wie ich finde, eine sehr höfliche Sprache ist. Und diese wurde hier auch in der Übersetzung fantastisch umgesetzt. Viele Ausrufe und Zitate blieben in der Originalsprache, aber keine Angst, man muss kein Sprachenexperte sein. Ich selbst hab auch eher holpriges Schulwissen im Französischen und habe trotzdem alles verstanden bzw. konnte mir einen Reim draus machen. Auch die Ansprachen (Monsieur, Mademoiselle, etc.) sind im Original gelassen worden. Ich finde das ganz bezaubern und das gibt dem Buch irgendwie Persönlichkeit. Ich mag es, wenn Bücher ihre Herkunft nicht in der Übersetzung (oder manchmal leider schon im Original) verlieren.

Die einzelnen Kapitel werden abwechselnd aus Aurélies und aus Andrés Sicht geschrieben, aber auch hier verliert sich der Autor nicht daran, gestelzt feminin oder maskulin zu schreiben. Man merkt schon, dass beide eine unterschiedliche Herangehensweise an die Situationen haben, aber nichts wirkt hier übertrieben und Nicolas Barreau spielt auch nicht die sonst so beliebte Mann-Frau-Karte aus. Trotzdem konnte ich mit beiden nicht ganz warm werden. Mit Aurélie nicht, weil sie mir eigentlich in jeder Situation ein anderer Mensch zu sein schien. Mal ganz tough, mal ganz klein und verloren. Klar hat jeder Mensch unterschiedliche Seiten, aber bei ihr kommt das irgendwie sehr extrem rüber. So ganz weiß ich bis jetzt noch nicht, was für eine Person sie letztendlich ist. Bei André wiederum habe ich das Problem, dass ich ihn einfach sehr unsympathisch finde. Zunächstmal mag ich keine Menschen, die meinen, dass der eigene Stress eine Entschuldigung dafür ist, andere schlecht zu behandeln. Wenn man das dann regelmäßig macht und immer alles auf den Stress im Job schiebt, hat man halt den falschen Job. Und wenn man dann sogar noch während man sich entschuldigt durchblicken lässt, dass der andere ja aber auch wirklich empfindlich ist, finde ich das wirklich nicht mehr lustig.

Insgesamt war die Geschichte für mich aber stimmig, wenn natürlich auch hier und da überzogen. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber vieles war sehr vorhersehbar, was ich dann schon wieder schade fand. Die wenigen spannenden Stellen, bei denen man nicht wusste, was jetzt kommt, waren aber auch wirklich gut und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Überhaupt liest es sich sehr schnell und flüssig und ich hätte es wohl in zwei Tagen ausgehabt, wenn ich nicht nebenbei noch ein anderes Buch gelesen hätte. Trotz vieler Schwächen also ein unterhaltsames Buch für den (hoffentlich jetzt kommenden) Sommer.

Bewertung:

Dienstag, 29. Januar 2013

[Crossfire #2] "Reflected In You" von Sylvia Day

Zum Inhalt: Auch im zweiten Teil von Sylvia Day's "Crossfire"-Trilogie dreht sich wieder alles um Eva und ihren gutaussehenden, reichen, einflussreichen Lover Gideon. Kaum haben die beiden es geschafft, sich endlich als Paar zusammenzuraufen, da kommen auch schon die nächsten Probleme auf sie zu. Es scheint, als ob alle gegen sie sind. Und dann verhält sich Gideon auch noch so mysteriös. Ständig ertappt Eva ihn dabei, wie er Zeit mit seiner Ex-Flamme Corinne verbringt. Und anstatt es ihr zu erklären, verhält er sich auch noch höchst verdächtig. Da dauert es nicht lang, bis Eva das alles nicht mehr ertragen kann.

Infos zum Buch: "Reflected In You", Penguin, Kindle eBook, 353 Seiten, 5,49 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich muss sagen, dass es mir diesmal unglaublich schwer gefallen ist, eine Zusammenfassung des Buches zu schreiben, weil es einfach keine wirkliche Geschichte gibt. Eigentlich dümpelt das Buch so vor sich hin. Es beschreibt den Verlauf einer nicht ganz so normalen Beziehung. Verfilmt à la "Sex and the City" in einzelnen Episoden könnte ich es mir sogar sehr gut vorstellen, weil es so viele kleine Handlungen hier gibt. Als Buch, dass ja, ob Teil einer Reihe oder nicht, auch in sich Sinn ergeben und abgeschlossen sein sollte, fand ich es aber sehr enttäuschend.

Eva und Gideon, die mir in "Bared to You" ja noch richtig gut gefallen haben, wurden mir während der Lektüre hier zunehmend zuwider. Schließlich habe ich mich einfach gezwungen, mir irgendwelche wirklich gutaussehenden Schauspieler in ihren Rollen vorzustellen, damit zumindest die Sexszenen noch halbwegs amüsant waren. Wobei ich sogar die hier wirklich nicht mehr so spannend fand wie noch im ersten Teil. Das lag auf gar keinen Fall am Schreibstil von Sylvia Day. Den finde ich nach wie vor richtig gut, und das nicht nur bei diesen Szenen. Was mich hier einfach wahnsinnig gestört hat war, dass jeder, aber wirklich ausnahmslos jeder, der Charaktere auf einmal einen tiefen psychischen Knacks hatte. Und bei fast allen war Sex dann Teil der Lösung. Und sämtliche Therapeuten, die die Charaktere nunmal alle so haben, nicken das ab. Man möge es mir verzeihen, ich bin sicherlich keine Expertin, aber ich kann es mir nicht vorstellen, dass irgendein ernstzunehmender Psychologe völlig begeistert zustimmt, wenn seine Patienten mit ausgiebigem Matratzensport selbst zu therapieren versuchen.

Aber es war ja nicht nur das, was hier schließlich völlig unrealistisch wirkte. Dazu kam noch der mittlerweile einfach nicht mehr glaubwürdige Charakter von Eva. Einerseits Karrierefrau, total ambitioniert und tough, schleppt sich noch halbtot ins Büro. Andererseits so naiv und gutmütig, dass ihr jeder alles verkaufen kann. Das macht weder Sinn, noch lässt es sie besonders liebenswert wirken. Ganz im Gegenteil.

Sicherlich kann man jetzt hier argumentieren, dass das Buch doch eigentlich nur als kleines erotisches Literaturabenteuer für zwischendurch gedacht ist und dass man bei dieser Art Bücher doch auch besser das ein oder andere Auge zudrückt. Das geht aber nur dann, wenn die Autorin nicht selbst versucht, mit aller Macht noch einen tieferen Sinn in die Story zu bringen und ernste Themen wie Kindesmissbrauch anzusprechen. Dann darf man als Leser wohl auch erwarten, dass das angemessen ausgearbeitet wird.

Aber ich will das Buch auch gar nicht komplett verreissen. Wie gesagt, die "leichten" Momente des Buches, seien es Sexszenen oder glückliche Momente in Eva und Gideons Beziehung, sind wirklich schön und gut beschrieben und laden dazu ein, als Leser auch mal den ein oder anderen Tagtraum zu erleben. Denn schließlich ist das Leben der beiden doch auch schon ein kleiner Traum. Leben in Penthäusern, spontane Trips quer durch die USA, Übernachtungen in luxuriösen Strandhäusern, Wellnesstage zu Hause...das könnte ich mir schon auch gefallen lassen. Deshalb bekommt das Buch von mir dann auch eine mittlere Bewertung. Denn in dem Genre gibt es sicherlich auch noch zahlreiche Beispiele, wie man es wirklich schlecht macht.

Bewertung:

Sonntag, 27. Januar 2013

"Why We Broke Up" von Daniel Handler

Zum Inhalt: Kaum einen Monat waren Min und Ed ein Paar, aber das war genug, damit Ed Mins erste große Liebe wurde. Jetzt, nachdem ihre Beziehung zu Ende ist, kann und will Min das nicht einfach so ausklingen lassen. Stattdessen packt sie all seine Geschenke und Andenken an ihre Beziehung in eine Kiste und gibt ihm diese zusammen mit einem Brief, in welchem sie die gemeinsame Zeit noch einmal Revue passieren lässt.

Infos zum Buch: "Why We Broke Up", Little, Taschenbuch, 354 Seiten, 10,00 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich habe das Buch bei einer der Leserunden für englische Jugendbücher auf Lovelybooks gelesen. Da haben wir per Abstimmung entschieden, welches Buch wir als nächstes lesen wollten. Andernfalls hätte ich mich wohl auch nie für "Why We Broke Up" entschieden. Als die Entscheidung gefallen war, hatte ich mir sogar kurzfristig überlegt, doch nicht teilzunehmen. Eigentlich interessieren mich die Herzschmerz-Geschichten für Jugendliche nur selten. Trotzdem habe ich mich schließlich entschieden, das Buch zu lesen, weil ich die Grundidee für die Geschichte und den Aufbau des Buches eigentlich doch ganz gern mochte. So im Nachhinein muss ich sagen, dass ich diese Entscheidung fast bereue. Selten hat mich eine Protagonistin so sehr genervt wie Min und selten fand ich einen Schreibstil so furchtbar.

Das Buch ist in einzelne Kapitel aufgebaut, die wieder an die jeweiligen Gegenstände angebunden sind, um die es in ihnen geht. Von Kapiteln kann man hier auch nur bedingt sprechen, denn das Buch ist im Stil eines Briefes geschrieben, den Min an Ed schreibt. Hierbei geht sie in jedem Abschnitt auf einen bestimmten Gegenstand ein, erzählt nochmal, was dieser mit den beiden zu tun hat und wie sie ihn bekommen haben.

Ganz, ganz schlimm fand ich dabei den Schreibstil. Dass man in einem Brief nicht so sehr auf Wortwiederholungen, Spannungsaufbau und Satzbau achtet, ist klar. Aber ich denke, die wenigsten von uns schreiben ganz genau so wie sie sprechen. Bei Min hätten nur noch Füllwörter wie "Ähm..." gefehlt. Dazu besteht die Hälfte des Buches aus genauen Wiedergaben von Gesprächen, wobei sie jedes Mal mit dem Zitat beginnt, nach ein zwei Worten "you said" oder "she said" einbaut und danach das Zitat fortführt. Dadurch wirkt es nicht nur holprig, sondern unmöglich, das Buch flüssig zu lesen. Um ehrlich zu sein, wollte ich schon allein deshalb das Buch nach zwei Abschnitten in die Ecke werfen.

Dazu kam noch, dass ich es unerträglich fand, wie überheblich Min wirkt. Im Nachhinein kann ich zumindest verstehen, wie wütend sie auf Ed ist. Dennoch kommt in fast jedem Teil raus, dass sie ihn und seine Hobbies heimlich ja auch ein wenig belächelt und z.B. sein großes Hobby, den Basketball, nur so halb ernst nimmt. Ihr Hobby, Filme, ist natürlich geistig viel anspruchsvoller. Wäre ich Ed, ich hätte den Brief niemals zu Ende gelesen, sondern mir einfach "Good Riddance" gedacht.

Gut gefallen hat mir eigentlich nur, wie leidenschaftlich sie ihrem Hobby nachgeht. Zwar hat es mich auch da genervt, dass sie jede Situation mit irgendeiner Filmszene vergleichen musste und dass sie ihr umfangreiches Fachwissen Ed auch immer aufdrängen musste, aber insgesamt fand ich es sympathisch, dass sie Filme so sehr liebt

Insgesamt musste ich mich doch zwingen, das Buch zu beenden und war froh, als es endlich soweit war. Trotzdem ich generell nicht so begeistert von der Geschichte war, hatte ich mich doch auf diesen originellen Aufbau gefreut und bin jetzt sehr enttäuscht. Gerade auch, weil ich das Ende jetzt kenne, muss ich sagen, dass ich noch nichtmal verstehe, was Min mit diesem Brief genau bezweckt. Ich glaube, dass Ed sich genauso wenig dafür interessiert, was sie zu sagen hat, wie ich.

Was mir gut gefallen hat, waren die vielen Illustrationen von Maira Kalman, die sich wirklich Mühe gegeben hat, die Gegenstände, die Min Ed zurückgibt, sehr detailverliebt zu zeichnen. Ich habe das Buch zwar als eBook gelesen, aber selbst da konnte man die Details gut sehen. Und wenn ich meinen Mitlesern glauben darf, sind sie in den Hardcover- und Taschenbuchversionen richtig schön. Aber das kann natürlich auch die schwache Story an sich nicht retten.

Naja, ich hoffe, das nächste Buch, das wir lesen werden, wird mir wieder besser gefallen...

Bewertung:

Montag, 10. Dezember 2012

"The Night Circus" von Erin Morgenstern

Zum Inhalt: Celia und Marco wachsen getrennt voneinander auf. Trotzdem sind ihre Leben seit ihrer frühesten Kindheit miteinander verbunden. Denn ihre beiden Mentoren, Celias leiblicher und Marcos Adoptivvater, haben einen Pakt geschlossen. Jeder hat seinen Zögling als Kontrahent in einem magischen Wettkampf angeboten. Die Arena hierfür ist der "Zirkus der Träume" und weder Celia noch Marco können sich diesem entziehen. Sie müssen kämpfen und ihre Kräfte unter Beweis stellen, bis einer der beiden unterliegt. Dabei kennen sie nur grob die Regeln und wissen auch nicht, wie genau Sieg oder Niederlage definiert sein werden. Trotz diesem erbitterten Kampf fühlen sich beide immer mehr zueinander hingezogen.

Infos zum Buch: "The Night Circus", Anchor, Taschenbuch, 512 Seiten, 5,70 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: So ein schönes Buch! Hier hatte ich wirklich ganz oft den Eindruck, dass Erin Morgenstern selbst schon im "Zirkus der Träume" war. Sonst muss ich wirklich den Hut vor ihr ziehen. Denn dass man sich so viele Details so genau vorstellen und diese so toll beschreiben kann, dass sogar der Leser meint, mitten in einem Zirkuszelt zu stehen, ist schon wirklich eine tolle Leistung.

Das Buch ist aufgeteilt in vier große Teile, die sich meinem Eindruck nach hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass die Handlung an Geschwindigkeit und Spannung gewinnt. Diese Teile sind noch einmal in kleinere Kapitel unterteilt. Anfangs erscheint die Aufteilung ein wenig verwirrend, denn die Kapitel springen nicht nur zwischen den einzelnen Orten und Personen hin und her, sondern auch in der Zeit. Insgesamt zieht sich die Geschichte über mehrere Jahrzehnte, die Kapitel springen jedoch von der Anfangszeit des Zirkusses bis zum Ende der Geschichte. Man meint zunächst, dass man da nicht mehr mitkommt, aber ich fand es im Gegenteil sogar spannend. So bekam man Hintergrundinformationen immer genau zum richtigen Zeitpunkt. Wäre die Geschichte dem chronologischen Ablauf gefolgt, hätte man einige Sachen zu früh erfahren oder zu schnell wieder vergessen. Immer wieder gibt es auch kleine "Kapitel" in denen Morgenstern einfach nur den Eindruck beschreibt, den ein Besucher bekommen würde, die Eindrücke, die man sammelt, die Gerüche, Geräusche, etc.

Der Schreibstil von Erin Morgenstern wirkt dabei auch fast magisch. Dadurch würde ich das Buch natürlich niemandem empfehlen, der in der englischen Sprache noch nicht ganz zu Hause ist, aber zum Glück gibt es dafür ja auch bereits die deutsche Version. Ob diese sprachlich genauso schön ist, kann ich natürlich nicht sagen. In die englische Version habe ich mich allerdings verliebt. Ich würde sagen, dass die Sprache stellenweise wirklich altbacken ist, was aber super zum Buch passt, da die Geschichte am Ende des 19. Jahrhunderts spielt. Da wundert es einen natürlich auch nicht, dass die Leute in Scharen zum Zirkus strömen, doch auch in der heutigen Zeit wäre dieser Zirkus wohl absolut besonders und würde jeden bezaubern, der sich die Zeit nimmt, auf die großen und kleinen Details zu achten.

Schön finde ich auch, dass der Leser kaum mehr erfährt als Marco und Celia. Bis zum Ende des Buches bleiben viele Dinge im Unklaren und eigentlich bekommt man nur das Nötigste erklärt. Der Rest bleibt ein Mysterium und dadurch behält die Geschichte auch ihre Magie.

Obwohl Celia und Marco den Kern der Geschichte bilden und es hier natürlich auch zu einer Liebesgeschichte kommt, setzt Erin Morgenstern den Fokus nicht zu sehr darauf. Jeder auch noch so kleine Charakter in dieser Geschichte bekommt die Möglichkeit, im Scheinwerferlicht zu stehen, wie eben auch im Zirkus selbst. Die Hintergrundgeschichten werden zumindest kurz erwähnt und jeder Charakter und dessen Entwicklung werden liebevoll und nachvollziehbar dargestellt.

Ich war absolut begeistert von diesem Buch, auch wenn ich lange daran lesen musste, weil es aufgrund der vielen Details stellenweise doch auch anstrengend war.

Bewertung:

Sonntag, 25. November 2012

"I Heart New York" - Lindsey Kelk

Zum Inhalt: Angela führt eigentlich ein recht einfaches Leben. Seit Jahren ist sie in einer festen Beziehung mit Mark, der ihr mittlerweile sogar einen Heiratsantrag gemacht hat, sie hat einen ganz komfortablen Job als Kinderbuchautorin, sie wohnt im schönen London, behütet und von wenigen Problemen geplagt. Doch dass ihr auch irgendwas fehlt im Leben, merkt sie erst, als sie auf der Hochzeit ihrer besten Freundin ihren Verlobten mit einer anderen Frau erwischt. Völlig geschockt erfährt Angela noch am gleichen Abend, dass alle davon wussten und dass ihr Leben keinesfalls so toll und perfekt war, als sie es angenommen hatte.

Eine Kurzschlussreaktion bringt Angela dazu, dass sie sich plötzlich keine 24 Stunden später in New York wiederfindet. Sie hat kaum Gepäck, nur das Geld, was sie und Mark noch gespart hatten, und weiß auch sonst eigentlich nicht, was sie eigentlich in New York will. Doch wenn man sowieso schon bei Null anfängt, kann man das doch gleich richtig tun, oder? Und so beginnt Angela einen absoluten Neustart mit neuem Look, neuem Wohnort, neuem Job und natürlich auch neugefundener Lust auf Dating. Kann das gut gehen?

Infos zum Buch: "I Heart New York", Harpercollins UK, Taschenbuch, 307 Seiten, 8,30 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Um das Buch bin ich ja doch schon einige Zeit rumgeschlichen. Bei Chick Lit dieser Art habe ich aber auch schnell das Problem, dass es mir zu kitschig und zu mädchenhaft wird. Bei diesem Titel und diesem Cover lag diese Vermutung ja nahe. Doch die Inhaltsangabe und die guten Kritiken zu der Reihe haben mich schließlich doch überzeugt.

Angela war von Anfang an für mich sehr sympathisch und zugänglich. Sie wirkt sehr bodenständig und auch unsicher. Ihr Glück war es daher bisher, dass ihr Leben ja nun einmal schon so geordnet war. Sie musste sich gar keine ernsthaften Gedanken um ihre überflüssigen Pfunde machen. Oder darüber, dass sie von Schminke und Styling wenig weiß. Und auch nicht über ihre beruflichen Aussichten. Zwar geht sie darin nicht gerade auf, aber es ist ein sicherer Job, Mark verdient gut und so muss man sich ja auch nicht gerade der stressigen Jobsuche aussetzen. In ihr habe ich mich zu einem großen Teil wiedererkannt. Wenn man einmal im gemütlichen Nest sitzt, bleibt man da auch.

Erst durch das schockierende Erlebnis bei der Hochzeit wird Angela aus diesem Nest geworfen. Jetzt sieht sie natürlich auch die Zeichen, die die ganze Zeit da waren, und muss erkennen, dass nicht nur ihr Verlobter sie hintergangen hat. Insofern fand ich auch ihre Reaktion gar nicht so übertrieben, als es auf den ersten Blick wirkt. Klar, der erste Gedanke ist, dass doch niemand einfach spontan ans andere Ende der Welt fliegt, weil eine Beziehung in die Brüche geht. Die meisten von uns würden sich wohl bei der besten Freundin einnisten und bis zum Umfallen Junk Food in sich hineinstopfen. Aber wenn man eben diese zugleich verliert und sich von allen anderen Anlaufpunkten hintergangen fühlt, was macht man dann? Insofern fand ich es also zwar etwas utopisch, weil man wohl nicht mal eben das Glück hat, genug auf der hohen Kante zu haben, um das durchzuziehen, aber doch auch wieder nachvollziehbar. Eben genau die richtige Mischung aus Märchen und Realität.

In New York nimmt dann stellenweise das Märchen auch wieder ein wenig überhand. Es passieren zu viele traumhafte Sachen, für die man schon sehr, sehr viel Glück haben muss. Hier und da hat alles tatsächlich einen Hauch von "Sex and the City". Doch wettgemacht wird das alles wieder durch Angelas charmante und bodenständige Art. Geradezu schüchtern und überwältigt kann sie selbst gar nicht glauben, wie viel Glück sie hat und so gönnt man ihr auch alles, was ihr passiert. Und sind wir mal ehrlich, so ein bißchen liest man solche Bücher ja auch, weil man mitträumen möchte.

Schön finde ich auch, das Frau Kelk hier wert darauf legt, dass in keinem Fall Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird. So sind nicht Angelas alten Freunde allesamt böse und die neuen in New York alle toll. Alle haben ihre Stärken und Schwächen und nachdem Angela erst einmal ihren ersten Schock überwunden hat, sucht sie auch viele Fehler in sich selbst.

Mir hat "I Heart New York" wirklich gut gefallen. Als Auftakt einer Reihe macht es auf jeden Fall Lust auf mehr und stellt einem eine sympathische neue Protagonistin vor, ernsthafter als Rebecca Bloomwood aus "Shopaholic", bodenständiger als Carrie Bradshaw aus "Sex and the City", und somit insgesamt irgendwie glaubhafter.

Und als kleines Schmankerl gibt es in der bei mir verlinkten Ausgabe auch noch Angelas New York-Guide, in welchem sie tolle Restaurants, Hotels, Clubs und weitere "Must Sees" in New York empfiehlt.

Bewertung:

Samstag, 13. Oktober 2012

"Bared to You" von Silvia Day

Zum Inhalt: Eva ist gerade nach New York gezogen, wo sie einen tollen Job in der Werbebranche gefunden hat. Alles läuft toll und dann läuft sie direkt an ihrem ersten Tag auch schon ihm in die Arme, dem gut aussehenden, reichen, perfekten Gideon Cross. Doch der Eindruck wird schon bald dadurch getrübt, dass er ihr eindeutige Angebote macht. Für Evas Geschmack ist er viel zu sehr von sich eingenommen. Oder steckt hinter diesem arroganten Typen doch mehr?

Infos zum Buch: "Bared to You", Penguin Verlag, Taschenbuch, 368 Seiten, 9,30 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Wie vorher erwähnt, fand ich die "50 Shades"-Trilogie von E.L. James einfach klasse. In vielen Diskussionen zu diesen Büchern wurde der eher flache und einfache Schreibstil kritisiert. In dem Zusammenhang wird dann empfohlen, stattdessen doch lieber mal "Bared to You" zu lesen. Nachdem ich "50 Shades" jetzt schon etwas länger hinter mir habe und es doch ein wenig vermisse, habe ich mir einfach mal das Buch auf den Kindle geladen. Und was soll ich sagen? Die Leute haben recht! Obwohl mir der Schreibstil von E.L. James nicht so unglaublich sauer aufgestoßen ist wie vielen anderen, muss ich doch sagen, dass der von Silvia Day um Welten besser ist. Das ist schon der erste Punkt, der sich, völlig objektiv betrachtet, auf keinen Fall von der Hand weisen lässt.

Natürlich steht auch bei "Bared to You" die Erotik sehr im Vordergrund. Hier fällt jedoch gleich zu Anfang auf, dass die Charaktere wesentlich gleichgestellter sind. Zwar ist auch hier der ältere Gideon Cross wieder der dominantere Typ und es fällt auch wieder ein wenig in die Kategorie "Frauenfantasien", dass er perfekt aussieht, sportlich ist, ein unglaublich dickes Bankkonto hat, aber trotzdem ein sensibler, bodenständiger Typ ist. Hier wird wieder alles in einem Typ vereint, was Frau Durchschnitt wohl so unter "Mein Traumtyp" angeben würde. Natürlich hat das nur sehr wenig mit der Realität zu tun. Aber immerhin ist hier auch unsere Heldin, Eva, keine Allerweltsdame. Sie kommt selbst aus der New Yorker High Society und es ist gar nicht erst die Rede davon, dass sie irgendwie nicht körperlich perfekt wäre. So kommt immerhin nicht das Gefühl eines Märchens auf.

Sonst, das gebe ich zu, ließ sich wenig Tiefgang aus der Story ziehen. Auch hier werden viele, viele erotische Zusammentreffen der beiden wieder hier und da unterbrochen von kleineren oder größeren Beziehungsdramen. Frau Day hat ebenfalls versucht, die Charaktere dadurch weniger flach erscheinen zu lassen, dass beide eine Menge emotionalen Ballast mit sich rumschleppen. Bei manchen Sachen wirkt das tatsächlich echt, wodurch gerade auf solche größeren Probleme nur sehr wenig eingegangen wird. Insgesamt bringt das nur wenig Abwechslung zu den erotischen Intermezzos.

Die sind dann aber auch die wirkliche Stärke des Buches und, sind wir mal ehrlich, das erwartet man von so einem Titel doch auch, oder? Man kauft sich ja kein Buch dieses Genres und erwartet mehr als knisternde Erotik davon. Hier wird man auch absolut nicht enttäuscht. Dabei muss gesagt werden, dass hierbei zwar auch wieder Gideon der dominantere Part ist, aber an keinem Punkt, wie es bei "50 Shades" der Fall war, versucht wird, den Leser glauben zu machen, es handele sich um eine SM-Beziehung. Das hat besonders den Vorteil, dass man keine bestimmte Richtung erwartet, in welche sich die Beziehung der beiden entwickelt und auch das nächste Liebesspiel der beiden nicht vorhersehen kann. Im Gegenteil ist man so genauso angenehm überrascht wie Eva von den Wendungen, die sich durch Gideons Ideen ergeben.

Ich fand "Bared to You" sehr gut. Sicherlich keine wahnsinnig anspruchsvolle Literatur, aber meine niedrigen Erwartungen hat es bei weitem übertroffen. Ich kann es jedem, besonders jetzt bei dem Schmuddelwetter, nur empfehlen, sich mit dem Buch ein paar Stündchen unter eine warme Decke zu kuscheln und es einfach als lockere Lektüre zu genießen.

Bewertung:

Montag, 16. Juli 2012

[Fifty Shades of Grey] Addicted to Mr. Grey

Nein, das hier soll jetzt erst einmal keine Review sein, sondern mehr eine leicht beschämende Zusammenfassung meines Wochenendes.

Bereits Mitte letzter Woche wurde ich plötzlich von meiner Neugier übermannt. Ich kam sehr gut voran mit meinem Lesepensum für diesen Monat und habe nur noch 1,5 Bücher davon zu lesen. Immer wieder schweifte mein Blick Richtung Kindle und Amazon, speziell zur Produktseite von "Fifty Shades of Grey". Fast stündlich tauchte das Buch auch in irgendwelchen Empfehlungen oder auf Lovelybooks auf. Und dann, ganz plötzlich, habe ich einfach beschlossen, es zu tun. Bevor ich mich selbst wieder daran hindern konnte, griff ich zum Kindle und kaufte, ohne Leseprobe oder Blick in die dortigen Rezensionen, den ersten Teil. Zack, war er auf meinem Kindle.

Wie es der Zufall so wollte kam ich dann aber doch nicht zum Lesen. Zwar habe ich mich vor ein paar Wochen endlich dazu durchringen können, eine Mitgliedschaft bei McFit abzuschließen und komme da auf den Liegerädern auch gut zum lesen, wenn ich allein trainiere, aber den Kindle will ich dann doch lieber nicht dahin mitnehmen. Und sonst hatte ich einfach kaum Zeit Ende letzter Woche. So kam es dazu, dass ich erst Freitag Abend richtig lesen konnte. Aber dann ging's los! Zuerst habe ich noch wenig gelesen, noch so ein halbes Stündchen im Bett. Zwar konnte ich kaum aufhören, aber da ich gegen meine Kopfschmerzen starke Tabletten genommen hatte, fielen mir bald die Augen zu. Um zwei bin ich trotzdem wieder aufgewacht und wollte "nur kurz ein paar Seiten lesen, um wieder einzuschlafen" - und wurde meinem Gefühl nach schon kurz darauf durch singende Vögel und Sonnenlicht darauf hingewiesen, dass es urplötzlich sechs Uhr morgens war und ich nur die paar Stündchen Schlaf bekommen hatte. Widerwillig legte ich den Kindle weg und schlief noch ein Ründchen.

Gegen Mittag fielen dann sowieso meine Pläne für den Samstag aus verschiedenen Gründen ins Wasser, und so tummelte ich mich fast den ganzen Tag im Bett mit Mr. Grey, nur unterbrochen durch Zwangspausen, um doch mal was zu essen und meine Miezen zu füttern.

Die Nacht von Samstag auf Sonntag verlief ähnlich und zum Glück habe ich am frühen Sonntag Vormittag das erste Buch beendet, sonst wäre ich wohl komplett verschütt gegangen und meine Freundin würde noch heute bei McFit vor der Tür auf mich warten. Kurz bevor ich los musste habe ich mir aber noch schnell "neuen Stoff" besorgt und virtuell den zweiten Teil auf meinem treuen Kindle gezogen. Fast wäre ich doch noch versackt, weil meine Finger, die Verräter, den Titel auch gleich antippten und ich fast schon wieder in die Welt von Ana und Christian abzudriften drohte. Mit Mühe und Not riss ich mich los und schleppte meinen müden, suchtgeplagten Kadaver ins Fitnessstudio. Auch da konnte ich kaum an irgendwas anderes denken, schwallte meine Freundin unendlich zu (bei ihr kann ich das, ohne schief angeschaut zu werden, auch bei dem Buch und dem Thema!), und zwang mich schließlich dazu, doch ein paar Minuten auf dem verhassten Crosstrainer zu leiden, um mich selbst für meine Süchtelei zu bestrafen. Tja, aber brachte ja alles nichts, denn schon abends im Bett fiel ich "Fifity Shades" wieder zum Opfer. Irgendwann gegen zwei Uhr morgens wurde mir bewusst, dass es Montag ist und ich irgendwann möglichst vor der Arbeit noch etwas Schlaf abbekommen sollte. Also riss ich mich wieder mit einem fast schmerzhaften Stöhnen vom Kindle los, nur um dann doch noch eine halbe Stunde lang in der Dunkelheit immer wieder schmachtend zum Nachttisch zu schielen.

Tja, was soll ich sagen? Ich möchte, bevor ich die Trilogie nicht beendet habe, keine Rezension schreiben, weil mir jetzt schon bewusst ist, dass dieser Bücher zusammenhängen und eigentlich ein großes Ganzes bilden. Zwar habe ich jetzt schon von vielen gehört, dass sie schon nach der Hälfte des zweiten Buches gelangweilt waren, aber davon lasse ich mir gerade nicht den Spaß vermiesen. Ich habe das Gefühl, auch einen gewissen persönlichen Bezug zu den Büchern gefunden zu haben, weshalb es auch ein kann, dass ich, völlig verblendet, jedes Wort sabbernd in mich aufnehme und als Offenbahrung betrachte. Wir werden sehen. Bisher kann ich nicht behaupten, dass ich in irgendeiner Weise ein Abflachen meiner aktuellen Besessenheit feststellen könnte.

Natürlich ist "Fifty Shades" in vielfacher Hinsicht ein Cliché. Mein Gott, wir reden hier von etwas, das seinen Ursprung in "Twilight"-Fan Fiction gefunden zu haben scheint! Obwohl ich selbst ein großer Fan von Fan Fiction verschiedener Fandoms und Genres bin, ist mir völlig bewusst, dass es da nur selten ohne Clichés zugeht. Und ja, hier werden viele Tabus gebrochen, die es bisher in der Welt der General Fiction so gab. Ich muss sagen, dass die Bücher eigentlich fast ausschließlich aus Szenen und Beschreibungen bestehen, die ich so bisher eigentlich noch nicht einmal in Büchern aus der "Erotik"-Ecke gelesen habe. Alles ist sehr grafisch, die Sprache sehr...ich nenne es mal "offen". Aber hach, mir gefällt's. Und, scheiß' der Hund drauf, ich oute mich einfach mal: Ich mag die klassische Mann-Frau-Rollenverteilung. Ich mag es, wenn ein Mann ein bißchen overprotective und eifersüchtig und dominant ist. Ich mochte das schon damals bei "Twiligit" und habe nie verstanden, was so viele daran auszusetzen hatten. Auch Christian Grey ist in vielen Bereichen fast schon fanatisch, aber mir ist zu viel lieber als zu wenig. Und wenn ihr's genau wissen wollt: Dass ich das Dominante bevorzuge, zieht sich bei mir durchaus auch in alle Bereiche durch. Weshalb ich auch die Sexszenen, und -fantasien in "Fifty Shades" absolut erotisch und nachvollziehbar finde.

Kurzum: Ich habe einen neuen Literary Crush! So! Da habt ihr's nu!

Und Tatsache ist jetzt schonmal, dass mich lange kein Buch mehr so fesseln konnte (no pun intended!).

Und jetzt entschuldigt mich bitte, ich muss mich unter meinem Schreibtisch im Büro zusammenrollen und weiterlesen!

Samstag, 7. Juli 2012

"Babe in Boyland" von Jody Gehrman

Zum Inhalt: Natalie ist 17 und hat noch nicht viele Erfahrungen mit Jungs und der Liebe an sich gemacht. Diese Situation würde wohl die meisten Mädchen in ihrem Alter stören, aber es kommt noch erschwerend dazu, dass ausgerechnet Natalie Dr. Aphrodite ist. Unter diesem Pseudonym gibt sie in der Schülerzeitung Tipps in Sachen Liebe und beantwortet Leserbriefe von Mitschülern mit gebrochenem Herzen. Doch irgendwann muss auch sie einsehen, dass sie eigentlich ja selbst keine Ahnung hat, wie das andere Geschlecht so tickt.

Zusammen mit ihren beiden besten Freundinnen, Chloe und Darcy, entwickelt sie den verrückten Plan, sich in Underwood, einem Internat für die Söhne wohlhabender Eltern einzuschreiben. Doch um dort nicht aufzufallen gibt es nur einen Weg: Aus Natalie muss Nat werden. Eine ganze Woche also schlüpft Natalie in die Rolle ihres männlichen Alter Egos und versucht so, in die Gedanken und das Seelenleben ihrer neuen Mitschüler zu schauen und ein paar brennende Fragen zu klären, auf die sie als Mädchen wohl nie eine ehrliche Antwort bekommen hätte. Natürlich ist alles nicht so einfach, wie sie es sich vorstellt, denn dort muss sie sich nicht nur gegen den überheblichen Josh durchsetzen, sondern findet auch noch ausgerechnet in ihrem Zimmernachbarn Emilio ihren absoluten Traummann.

Infos zum Buch: "Babe in Boyland", Speak, Kindle eBook (auch als Taschenbuch erhältlich), 303 Seiten, 5,12 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Das war sie also, meine erste Leserunde. Wie bereits erwähnt, wäre "Babe in Boyland" vom Thema her wohl niemals ein Buch gewesen, dass ich mir gekauft hätte. Das Cover finde ich zwar ganz witzig gestaltet und nicht so platt, wie man es bei dem Thema hätte machen können, aber  trotzdem brauchte es doch diesen Anstoß durch die Leserunde, um mich zum Kauf zu bewegen.

Es war dann aber doch wesentlich amüsanter, als ich gedacht hätte. Klar, es ist ein Jugendbuch und zielt eindeutig mehr auf die Unterhaltung eben jener Altersgruppe ab, anstatt wirklich das komplexe Thema "Unterschied zwischen Männern und Frauen" halbwegs nüchtern anzugehen. Anfangs war es daher sogar mir, Königin des Flachwitzes, wirklich etwas zu platt und anspruchslos. Am Anfang wirken wirklich ausnahmslos alle Charaktere furchtbar und unsympathisch. Es wird ein Cliché nach dem anderen bedient und gibt eigentlich nur Schwarz oder Weiß. So gesehen hätte das auch ein Script für einen neuen Teil von "High School Musical" sein können. Doch schon nach den ersten Kapiteln fängt man an, mit Natalie warm zu werden. Und spätestens bei der Ankunft in Underwood kommen auch die ersten wirklich sympathischen Charaktere dazu. Natürlich konnte ich bis zum Ende nicht alles nachvollziehen, aber das wäre auch etwas viel verlangt. Wenn ich mit meinen fast 30 Jahren noch zu 100% nachvollziehen könnte, wie das Cliquen-Denken und die Unsicherheiten einer High School-Schülerin so laufen, würde ich mir auch Gedanken machen. Aber zum Glück merkt Natalie ja auch sehr schnell, dass man Menschen nicht über einen Kamm scheren kann.

Überraschenderweise fand ich auch einige Situationen wirklich lustig und richtig clever eingefädelt von der Autorin. Das hätte ich so nach den ersten Kapiteln auf keinen Fall erwartet. Auch gibt es einige Momente, die überraschend tiefsinnig sind.

Zum Ende hin wurde das Buch meiner Meinung nach immer besser. Was mir da nicht gefallen hat, war die Zusammenfassung der Veränderung von Natalies Charakter und Sicht der Dinge. Solche Sachen sollten sich für den Leser auch ganz offensichtlich aus der Handlung selbst ergeben. Da möchte ich nicht vorgekaut bekommen, wie ich die Entwicklung zu sehen und bewerten habe. Und es ist ja auch offensichtlich, dass ein großer Teil der vorher da gewesenen Oberflächlichkeit am Ende nicht mehr da ist, weder von Natalie selbst, noch von der Handlung an sich. Da ist diese mehrseitige Zusammenfassung eigentlich völlig überflüssig. Ausgeglichen wurde das aber wieder durch das Ende, das meiner Meinung nach herrlich unkitschig, aber doch passend war, ohne zuviel verraten zu wollen.

Literaturgeschichte wurde mit "Babe in Boyland" ganz sicher nicht geschrieben, nicht mal, wenn man in Betracht zieht, dass es auf junge Leser zugeschnitten ist. Aber wer auch keine mal ein lockeres Buch zwischendurch liest, das unterhält und so ein kleines bißchen Feel Good-Stimmung verbreitet, ist hier auf jeden Fall richtig.

Bewertung:

Montag, 26. März 2012

The Time of My Life von Cecelia Ahern

Zum Inhalt: Lucy Silchester ist fast 30. Sie ist Single und lebt in ihrer winzigen Wohnung in Dublin. Und sie ist glücklich. Meint sie. Das einzige Problem in ihrem Leben ist ihr Leben. Denn das versucht immer wieder, sie zu einem Gesprächstermin zu bewegen. Schnell kristallisiert sich heraus, dass Lucys Familie das arrangiert haben. Viele Menschen bekommen einen Termin mit ihrem Leben, wenn irgendetwas nicht rund läuft. Und ihre Familie ist davon überzeugt, dass das bei Lucy der Fall ist.

Die findet das aber gar nicht und wehrt sich zunächst mit Händen und Füßen. Doch ihr Leben lässt nicht locker und bald muss auch Lucy einsehen, dass eigentlich nichts so gut läuft, wie sie es sich vormacht und dass sie alles andere als wirklich glücklich ist.

Meine Meinung: Ich kommt zunächst einmal darauf, was mir nicht gefallen hat und was auch jetzt noch etwas an mir nagt: Diese Selbstverständlichkeit, dass ihr Leben selbst Lucy kontaktiert. Und diese wenigen Erklärungsversuche, wie es dazu kommt. Das Buch selbst ist komplett real, d.h. es spielt in keiner Fantasiewelt oder in der Zukunft. Im Gegenteil, alle Personen sind sehr reale Charaktere mit richtigen Jobs, die in und um Dublin leben. Da ich ja mittlerweile schon einige Bücher von Cecelia Ahern gelesen habe, kenne ich diese leicht magische oder übernatürliche Note in ihren Büchern und trotzdem juckt es mich irgendwie immer wieder, doch eine logische Erklärung zu verlangen. Obwohl das für die Geschichte absolut keine Rolle spielt. Im Gegenteil. Aber ich glaube, bei solchen Sachen bin ich ein kleiner Monk. Wenn es eine Fantasygeschichte ist, soll es eben eine sein. Aber wenn es real ist, will ich logische Erklärungen für alles. Aber ich glaube, das ist nur eine Eigenart von mir und wie gesagt, für das Buch, den Verlauf der Geschichte und die Kernaussage hat es absolut keinen Unterschied gemacht.

Genug gemeckert. Nun lasst mich gleich ins nächste Extrem schlagen und sagen: Was für ein wunderschönes Buch! Stellenweise natürlich wieder sehr traurig und emotional, wie man es von der Autorin gewohnt ist. Aber hier gab es auch eine sehr humorvolle Seite, welche ich so von ihr bisher noch nicht kannte. Stellenweise habe ich mich fast schon an Sophie Kinsella erinnert gefühlt, die ja hauptsächlich humorvolle Frauenromane schreibt, während es bei Cecelia Ahern doch eher in die traurige Ecke geht. Aber Lucy ist ein sehr zynischer und sarkastischer Charakter, der auch sich selbst nicht zu ernst nimmt. Sie hat viel Humor und nimmt viele Dinge in ihrem Leben gelassen. Es wird zwar auch schnell klar, dass das oft eine Maske ist, die sie aufsetzt, um sich selbst nicht einzugestehen, wie sehr sie z.B. unter der Trennung von ihrem langjährigen Freund leidet, aber dennoch verliert sie nie diesen lockeren Ton, der dafür sorgt, dass man trotz aller traurigen Momente nie zu melancholisch wird und dass das Lesen immer locker voran geht.

Es mag ein Cliché sein, das nach so einem Buch zu sagen, aber mich hat es definitiv dazu gebracht, auch über mein Leben nachzudenken. Zumindest ich habe auch Parallelen entdeckt, die wohl fast jeder hier finden kann. Denn wenn es um die Dinge geht, die uns das Leben wirklich schwer machen, reden wir uns wohl alle gern ein, dass doch alles gar nicht so schlimm ist. Oft saß ich da und habe überlegt, wie ich in Lucys Situation reagieren würde. Wie sähe wohl mein Leben als "Mensch" aus? Ginge es ihm gut? Was hätte es mir zu sagen? Wie würde ich reagieren, wenn es mich in die Ecke drängen und mich zwingen würde, meinen Problemen ins Gesicht zu sehen? Und vor allem: Welche Probleme sind das, die mir selbst vielleicht gar nicht bewusst sind?

Natürlich gab es auch hier wieder viele Schmachtmomente und Herzschmerz, aber auch das war für die Autorin überraschend locker. Trotzdem war es stellenweise vorhersehbar. Aber das war auch wieder gar nicht schlimm, denn ich glaube, hier war tatsächlich der Weg das Ziel. Es ging gar nicht darum, ob Lucy schließlich die große Liebe findet und wenn ja, mit wem? Es ging auch nicht darum, ob sie die riesige Karriere macht und womit. Es ging vielmehr um die einzelnen kleinen Schritte, wie sie ihr Leben ändert, Fehler wieder gut macht und anfängt, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Ich fand das Buch wirklich faszinierend. Es hat mehrere wichtige Thesen erstellt, über die es sich nachzudenken lohnt.

Bewertung:

Sonntag, 19. Februar 2012

If I Stay von Gayle Forman

Zum Inhalt: Mia ist siebzehn und eigentlich ganz anders als andere Mädchen ihres Alters. Sie spielt Cello und liebt Klassik. Mit moderner Musik und bei Jugendlichen beliebten Freizeitaktivitäten kann sie nicht viel anfangen. Trotzdem ist sie nicht etwa einsam und unglücklich. Im Gegenteil, den eigentlich hat sie alles, was ein Mädchen sich wünscht. Sie hat tolle lockere Eltern, mit denen sie sich sehr gut versteht, einen kleinen Bruder, mit dem sie ebenfalls gut auskommt und Adam, ihren wunderbaren, perfekten und absolut coolen Freund. Adam spielt in einer Band, die gerade ihren großen Durchbruch hatte und nicht nur das macht ihn zum absoluten Traumtypen. Zudem läuft es auch noch super in der Schule für Mia und sie ist gerade bei der Musikhochschule ihrer Wahl akzeptiert worden. Ihr Leben läuft also nahezu perfekt.

Doch genau dann passiert es: Sie ist mit ihren Eltern und ihrem Bruder auf dem Weg zu ihren Großeltern, als die Familie in einen schweren Autounfall verwickelt wird. Als Mia aufwacht, stellt sie fest, dass sie ihren Körper verlassen hat. Der befindet sich aber noch auf der Intensivstation, Mia ist also nicht tot. Das bedeutet jedoch, dass sie allein die Entscheidung treffen muss, ob sie los lassen oder bleiben und ihr Leben mit allen Konsequenzen weiter leben möchte.

Meine Meinung: An das Buch hatte ich hohe Erwartungen, nicht zuletzt durch die vielen tollen Rezensionen, die ich dazu schon gelesen hatte. Bei so einer Geschichte gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie ist absolut schön geschrieben und berührt den Leser oder sie driftet ins Kitschige ab. Bei Gayle Forman ist letzteres ganz bestimmt nicht der Fall. Sie schafft es wunderbar, die Charaktere dem Leser nahe zu bringen und wenn ihnen dann diese ganzen schlimmen Dinge passieren, fühlt und fiebert man mit ihnen.

Dabei geht sie mit Mia als Protagonistin schon ein Risiko ein. Denn Mia ist so eine Art Hollywood-Nerd. Irgendwie total "anders" und im wahren Leben wohl eine ziemliche Einzelgängerin. In vielen Filmen gibt es ähnliche Charaktere, denen man dann einfach nicht abnimmt, dass sie so glücklich und populär sind. Bei Mia hatte ich dieses Gefühl aber nie. Auch nicht, dass sie besonders weinerlich oder egozentrisch wäre. Im Gegenteil geht sie auch sehr gut auf die Menschen in ihrem Leben ein, verlangt gar nicht, dass sich alles immer um sie dreht. Auch Adam wirkt absolut authentisch. Auch hier verzichtet Gayle Forman auf Übertreibungen und Clichés. Ja, er darf auch einfach mal sauer sein, weil Mia mit seiner Band und seinem Lebensstil nicht viel anfangen kann. Er ist ein Traumtyp, aber eben gerade deshalb, weil er auch Schwächen zeigt.

Besonders gefallen haben mir Mias Eltern. Diese waren einfach so herrlich menschlich. Häufig sind solche Nebencharaktere in Büchern ja sehr blass und schwach beschrieben, einfach ein formloser Schatten im Hintergrund. Das ist aber im wahren Leben nicht so. Da hat auch jeder Mensch seine eigene Persönlichkeit, die in alle Lebenssituationen mit einspielen. Und das ist auch hier so. Mias Eltern haben ihre ganz eigene Geschichte und einen liebenswerten Charme.

Die Geschichte liest sich sehr schön und flüssig, obwohl sie eigentlich fast ereignislos ist. Hauptsächlich besteht sie aus Mias Gedanken, Monologen und Rückblicken auf Momente mit den Menschen in ihrem Leben. Trotzdem möchte man immer und immer weiterlesen, immer mehr erfahren, muss lächeln, lachen und oft auch weinen. Ich habe selten erlebt, dass ein Autor auf so wenig Seiten so viele Emotionen rüberbringt.

Und dabei stellt sich eigentlich ständig die Frage: Wie würde ich mich entscheiden? Ich kann sie jedenfalls immer noch nicht beantworten und daher kann ich absolut verstehen, wie schwer Mia sich damit tut.

Ich bin begeistert von dem Buch und werde mir wohl bald auch den zweiten Teil zulegen.

Bewertung:

Montag, 19. Dezember 2011

Sleeping Arrangements von Madeleine Wickham

Zum Inhalt: Chloe und Philip erhalten von ihrem Freund Gerard das großzügige Angebot, eine Woche mit ihrer Familie in seiner Luxusvilla in Spanien zu verbringen. Da sie sowieso dringend Urlaub brauchen und mal eine Pause von ihren Sorgen um Philips Job brauchen, nehmen sie dankbar an. Doch auch Hugh und Amanda bekommen dieses Angebot und Gerard scheint so verwirrt zu sein, dass er beiden Familien die Villa zur gleichen Zeit verspricht. Mitten in der Urlaubssaison sehen sich alle gezwungen, das Haus zu teilen. Doch die Paare und Familien könnten unterschiedlicher nicht sein und dann haben auch noch Chloe und Hugh eine gemeinsame Vergangenheit, die es vor ihren Partnern zu verheimlichen gilt...

Meine Meinung: Puh, jetzt bin ich ganz schön erleichtert! Sophie Kinsella gehört ja zu meinen absoluten Lieblingsautoren. Jetzt habe ich mich auch mal an eines der Bücher unter ihrem echten Namen getraut. Ich hatte ja schon ein wenig Angst, dass mir der ernstere Schreibstil nicht gefallen würde. Mit "Frauenromanen" ist das ja sowieso immer so eine Sache. Aber ich hätte mich gar nicht fürchten müssen, denn "Sleeping Arrangements" fand ich wirklich schön geschrieben und auch nachvollziehbar.

Natürlich gibt es ein paar Zufälle, die so nicht ganz realistisch wirken, aber eigentlich sorgen sie nur für Spannung und lockern die Geschichte auf. Die Hintergründe, von welchen ihr nicht zu viel verraten möchte, sind durchaus ernst und es ist absolut verständlich, dass Chloe nicht besonders gut auf Hugh zu sprechen ist. Auch "die Sache", an die Philip laut Chloe im Urlaub nicht denken soll, entpuppt sich als ein durchaus ernstzunehmendes Thema und sorgt später im Buch noch für Spannung, mit der ich absolut nicht gerechnet hatte. Bei dem Genre ist man ja doch eher auf seichte Kost eingestellt. Natürlich besteht hier die Gefahr, dass ein Leser davon auch überfordert sein könnte. Doch so schlimm und dramatisch ist es dann auch wieder nicht und bringt eigentlich eher den nötigen Pepp in die Geschichte. Trotzdem kann ich es sehr gut verstehen, dass Madeleine Wickham für spätere Romane ihren Pseudonym genutzt hat. Mit den lustigen und stellenweise sogar albernen Situationen der "Shopaholic"-Reihe hatte zumindest "Sleeping Arrangements" nun gar nichts zu tun.

Unglaublich gut beschrieben sind einige der Charaktere, z.B. Hughs Frau Amanda. Stellenweise habe ich mich sogar richtig über diese geärgert, weil sie genau dem Typ Frau entspricht, den ich nicht mag. Auch die "Aussprache" gegen Ende konnte daran bei mir nichts ändern.

Insgesamt ist das Buch natürlich kein literarisches Meisterwerk, aber doch ulterhaltsam und locker zu lesen.

Bewertung: