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Freitag, 5. Juli 2013

"The Wishing Spell (The Land of Stories #1)" von Chris Colfer

Zum Inhalt: Alex and Conner Bailey haben erst vor kurzem ihren Vater verloren - und das ist eins der wenigen Dinge, die die Zwillinge noch gemeinsam haben. Denn sonst sind sie grundverschieden. Alex ist gut in der Schule und bei ihren Mitschülern unbeliebt. Sie liebt nichts mehr als das Lernen und die Märchen, die ihre Oma ihnen auch heute noch vorliest. Conner hingegen ist das genaue Gegenteil. Ihm fällt das Lernen schwer und nach außen hin scheint er mit dem Verlust des Vaters schwerer zurechtzukommen. So recht können sich beide nicht in ihr neues Leben einfügen.

Doch dann schenkt ihre Oma ihnen ihr altes Märchenbuch und die beiden stellen fest, dass es weit mehr als ein Buch ist. Denn plötzlich befinden sie sich mitten in der Märchenwelt und bestreiten Abenteuer mit all den Figuren, die sie schon seit ihrer Kindheit begleiten.

Infos zum Buch: "The Wishing Well", 1. Teil der "The Land of Stories"-Buchreihe, Little, Brown Books, gebundene Ausgabe, 448 Seiten, 14,97 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Chris Colfer ist wahrscheinlich am besten bekannt durch seine Rolle als Kurt Hummel in der US-Serie "Glee". Obwohl ich großer Fan der Serie bin, habe ich nichts von diesem Buch gewusst, bis ich bei Lovelybooks über eine Wanderbuchrunde gestolpert bin. Kurz habe ich überlegt, das Buch gleich selbst zu kaufen, aber wenn sich die Gelegenheit schonmal bietet, kann man doch auch erstmal "gratis" lesen und gucken, ob das was für einen ist, oder? So wartete ich geduldig (haha, als ob das eine meiner Stärken wäre!) Wochen und Monate, bis ich endlich an der Reihe war. Ein paar Mal wurde ich fast schwach und hätte mir das eBook gekauft. Jetzt bin ich froh, es nicht getan zu haben. Denn das Cover / der Umschlag der gebundenen Ausgabe ist schon so schön gestaltet und ich musste das Buch erstmal ganz verliebt anschmachten und befummeln - und es natürlich fotografieren, bevor der Umschlag abkam und durch einen Schutzbezug ersetzt wurde (Wanderbuch-Versauen-Paranoia, in Fachkreisen auch WVP genannt).

Auch innen ist das Buch liebevoll gestaltet, mit passenden Zeichnungen zu jedem Kapitel. Diese haben genau die richtige Länge, sodass man immer gut beim Anfang eines neuen eine Pause einlegen kann und nicht komplett aus der Handlung gerissen wird. Grob orientieren die Inhalte der Kapitel sich an den verschiedenen Ländern / Regionen des "Land of Stories", wodurch es eigentlich in jedem etwas Neues zu entdecken gibt und die Handlung nie langweilig wird.

Ich bin ja selbst, spätestens seit der Serie "Once Upon a Time", so ein kleiner Märchenfan. Ich weiß nicht, ob ich es schonmal erwähnt habe (bloß so gefühlte 7.000 Mal!), aber ich liebe Märchenadaptionen. Ob es jetzt traditionelle Märchen sind, die umgeschrieben und erweitert wurden oder ob es neue Geschichten sind, die sich an Figuren und Inhalten der alten Märchen orientieren. Bei "The Land of Stories" handelt es sich eigentlich um beides. Einerseits sind da Alex und Bailey, die natürlich erstmal ganz normale Kinder sind, die in der uns bekannten Welt zur Schule gehen. Später lernt man zwar auch noch mehr über sie, aber anfangs werden dadurch eigentlich die echte und die Märchenwelt vermischt. Auf der anderen Seite stehen dann ihre Abenteuer im "Land of Stories", die eigentlich fast schon wieder klassische Märchen sind.

Es tauchen natürlich jede Menge Charaktere aus der Welt der Gebrüder Grimm, aber auch aus anderen Geschichten, auf. Schön fand ich hierbei, dass es aber nicht die altbekannten Verhältnisse von Gut und Böse beibehalten hat. Ich mag nicht zu viel verraten, aber manch einer wird sich über die Charaktere von vermeintlich bekannten Figuren wundern.

Das Ende fand ich zwar vorhersehbar, was ich aber nicht schlimm fand, denn hier war eindeutig der Weg das Ziel.

Ich habe mich echt köstlich amüsiert und finde, dass Chris Colfer hier, mit ein wenig Unterstützung der uns allen schon bekannten Märchenfiguren, ein tolles modernes Märchen geschaffen hat. Ich bin begeistert!

Im August erscheint übrigens der zweite Teil, "The Enchantress Returns", und spätestens dann wird auch gleich "The Wishing Spell" als permanenter Bewohner in mein Regal einziehen.

Bewertung:

Donnerstag, 18. April 2013

"The Selection" von Kiera Cass

Zum Inhalt: America lebt in den ehemaligen USA, doch dort ist nun alles anders. Es gibt ein Klassensystem, bei welchem eigentlich nur die obersten drei Klassen gut wegkommen. America selbst ist eine Fünf, doch obwohl ihre Familie ständig mit dem Mangel an Geld und Nahrung zu kämpfen hat, ist sie glücklich. Das größte Problem stellt für sie ihre Liebe zu Aspen dar, denn der ist eine Sechs.

Doch dann erhält sie ihre Einladung zur "Selection", bei welcher unter allen geeigneten jungen Damen im Königreich die passende Braut für den jungen Prinzen Maxon ausgewählt werden soll. Es handelt sich um eine Art Casting und ohne es wirklich zu wollen, bekommt America tatsächlich die Einladung zur Teilnahme. Obwohl es niemals ihr Traum war, Königin zu werden, reist sie zum königlichen Palast und tritt dort gegen die anderen Kandidatinnen an und muss lernen, dass ihre Vorstellungen vom Leben im Palast, von der obersten Klasse und besonders von Prinz Maxon ganz anders sind als die Realität.

Infos zum Buch: "The Selection, Bd. 1", Harper Teen, Taschenbuch, 336 Seiten, 7,50 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich muss wirklich sagen, dass ich sehr überrascht bin, wie wenig Kitsch diese Geschichte enthält. Obwohl mich die Idee beim Stöbern im Kindle Shop sofort angelacht hat und ich mir daher das Buch gleich geladen habe, hatte ich doch wesentlich mehr  "Disney" erwartet. Die Geschichte bietet tatsächlich sehr viel Potenzial dafür. Junges armes Mädchen trifft auf reichen, gutaussehenden Prinzen. Und dann noch die Dreiecksgeschichte mit dem zweiten, viel ärmeren Jungen... Neu und innovativ ist die Story ja jetzt wirklich nicht, da beisst die Maus keinen Faden ab.

Trotzdem schafft Kiera Cass es, dass die hier nichts zu platt rüberkommt. Ein wenig unglaubwürdig wirkt Americas Verhalten zwar schon, aber das gehört irgendwie auch zu dieser Geschichte dazu. Es war sehr schön zu sehen, wie sie sich weder von den plötzlichen Möglichkeiten umhauen lässt, noch dass diese sie völlig kalt lassen.

Ich fand es auch gut, dass sich das Buch nicht nur um die vermeintliche Dreieckskiste von America, Maxon und Aspen bezieht, sondern dass es hier auch um viel mehr geht. Man erfährt viel vom Leben in den einzelnen Klassen, die politischen Zustände und das Familienleben der einzelnen Charaktere. Die Versuche, echte Spannung aufzubauen, kamen zwar doch etwas schwach auf der Brust daher, bringen aber immerhin Abwechslung zu der eigentlich recht klassischen Liebesgeschichte rein.

Etwas enttäuschend fand ich das Ende. Zwar weiß ich jetzt, das das Buch erst Band 1 ist, aber gerade dafür ging es mir einfach zu still zu Ende. Kaum ein Cliffhanger, kaum Spannung. Da hätte ich mir dann doch etwas mehr erhofft.

Was vielleicht auch noch zu erwähnen wäre, ist, dass die ganzen Dystopien sich vom Ausgangspunkt mittlerweile sehr ähneln. Finde ich zumindest. Das Klassensystem hier ist jetzt auch nicht so viel anders, als bei den Cassia & Ky-Büchern, die wiederum dem in der Panem-Reihe ähneln. Sicherlich liegt das auch daran, dass die Autoren sich echte Klassensysteme wie die Kasten in Indien und historische Gesellschaftsformen angeschaut haben. ich würde hier also nicht so weit gehen wollen, irgendwem zu unterstellen, man habe voneinander abgeschrieben. Aber langsam wird es für mich halt doch auch langweilig, wenn die Ausgangssituationen sich so sehr ähneln.

Bewertung:

Samstag, 23. März 2013

"A Game of Thrones (Bd. 1)" von George R.R. Martin

Zum Inhalt: Eddard und Cately Stark haben als Lord und Lady ein gemütliches Leben mit ihren Kindern im nördlichen Winterfell. Bis Eddard's alter Freund Robert, der mittlerweile König ist, zu Besuch kommt und von ihm verlangt, dass er mit ihm in das südliche King's Landing reisst und sein Berater wird. Denn das Regieren fällt diesem schwer, zumal das Haus Targaryen eine ständige Bedrohung darstellt. Denn Vyseris Targaryen säße auch nur zu gern selbst auf dem eisernen Thron.

Zeitgleich erreichen Lord und Lady Stark auch die Gerüchte, dass es die Königin gewesen sein soll, die für den Tod des vorherigen Beraters des Königs verantwortlich sein soll. Denn auch diese will nur sich oder ihre Familie, die Lannisters, auf dem Thron sehen.

Infos zum Buch: "A Game of Thrones", Band 1 der Serie "A Song of Ice and Fire", Bantam, Taschenbuch, 864 Seiten, 6,00 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Was habe ich vor diesem Buch Angst gehabt! Die Stimmen waren ja durchweg positiv, aber eben auch meistens von eingefleischten Fantasylesern. Außerdem hat mir durchweg jeder erzählt, dass er das Buch soooo toll fand, aber eben auch sooooo lange dran gelesen hat. Das hat sich für mich dann irgendwie gebissen. Will man ein richtig tolles Buch nicht gleich auslesen? Hmm...

Im Nachhinein muss ich sagen: Alle hatten Recht! Das Buch zieht sich und zieht sich, aber gleichzeitig will man auch, dass es nie aufhört. Dass es sich stellenweise zieht, ist natürlich auch richtig, denn der Autor legt sehr viel Wert auf Details, auch an Stellen, bei denen man als Leser sie jetzt nicht unbedingt so sehr gebraucht hätte. Andererseits schafft er es so aber auch, eine ganz wunderbare Welt zu erschaffen, von der man gar nicht glauben kann, dass sie nicht real ist. Und real erscheint sie wirklich häufig, denn grundsätzlich orientiert sich George R.R. Martin an einem historischen Buch. Es gibt Burgen und Schlösser, man bewegt sich hoch zu Ross fort und bekämpft sich gegenseitig mit Schwertern. Zunächst ist es deshalb eigentlich auch nur der Blick auf die im Buch enthaltene Landkarte, die einem beweist, dass die Geschichte nicht in einem realen Land spielt. Mit der Zeit geschehen allerdings auch immer mal wieder unerklärliche Dinge, die einen an Magie und Fantasy denken lassen.

Aufgebaut ist das Buch in einzelne Kapitel, die immer wieder zwischen den Perspektiven einzelner Charaktere wechseln. Schön ist hier, dass sich die Geschichte so trotzdem fortentwickelt, anstatt immer nur gleiche Ereignisse aus unterschiedlicher Sicht darzustellen. Meist reflektiert der Anfang eines Kapitels ein wenig und stellt dar, wie vorherige Ereignisse den aktuellen Charakter beeinflusst haben, dann geht es aber auch rasch vorwärts. Die Kapitel sind meistens so 10-20 Seiten lang, was den dicken Wälzer gehörig auflockert. An manchen Stellen war ich etwas genervt davon, weil nicht alle Kapitel direkt aneinander anknüpfen. So haben z.B. die Ereignisse um Vyseris und Danaerys Targaryen anfangs gar nicht direkt etwas mit der Geschichte in King's Landing und um das House Stark zu tun. Und manche Charaktere ware mir persönlich auch einfach nicht so sympathisch, weshalb mich ihr Schicksal weniger interessiert hat. Aber insgesamt greifen alle Kapitel gut ineinander und es ist interessant, wie sich die Wege der einzelnen Personen trennen und später wieder aufeinandertreffen.

Auch schön ist, dass es etwa 60 Seiten Appendix gibt, in welchem auf die einzelnen Häuser der Geschichte eingegangen wird. Dort werden Personen den Häusern und ihrer Funktion zugeordnet. Und da es nunmal so viele Personen sind, hilft einem das ordentlich, den Überblick zu behalten. Ich hatte von einer Freundin anfangs den Tipp bekommen, da immer mal wieder nachzuschlagen und diesen gebe ich auch gerne weiter. Auch hat es mir geholfen, dass ich wenigstens schon einmal zwei oder drei Folgen der Serie gesehen und somit Gesichter zu den Namen hatte. Ich merke mir Namen so schlecht, hatte so aber gleich eine Person vor Augen.Dabei hatte ich auch nicht das Gefühl, dass irgendwas gespoilert war, deshalb gebe ich auch das als Tipp weiter.

Ich fand "A Game of Thrones" einfach super, trotzdem ich keine Wahnsinns-Fantasyleserin bin. Ich verstehe den Hype jetzt vollkommen und mir hat in diesem Buch nichts gefehlt bzw. fand ich es auch nie zu trocken oder zäh, wie man es bei so dicken Büchern des Genres ja häufig befürchtet. Einziger Nachteil: Ich will den nächsten Teil. Sofort! :)

Bewertung:

Donnerstag, 24. Januar 2013

"Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter Moers

Zum Inhalt: Der Lindwurm Hildegunst von Mythenmetz befindet sich in einer Sinnkrise. Gerade ist sein Dichtpate gestorben und er selbst hat zudem noch nicht ein einziges Buch veröffentlicht. Wie kann er sich da Dichter nennen? Und dann hat ihm sein Dichtpate auch noch ein Manuskript hinterlassen, welches so perfekt, so vollkommen ist, dass Hildegunst den Verfasser unbedingt finden will. Deshalb macht er sich auf ins ferne Buchhaim, das Mekka für alle Buchfans (also eigentlich jeden) in Zamonien. Dort beginnt ein unglaubliches Abenteuer für Hildegunst und bald lernt er noch wesentlich mehr von Buchhaim kennen, als er sich vorher erträumt hätte.

Infos zum Buch: "Die Stadt der träumenden Bücher", Piper, Taschenbuch, 480 Seiten, 12,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Wer kennt Walter Moers nicht? Käpt'n Blaubär, Das kleine Arschloch...und unzählige weitere schrägte Geschichten. Gemeinsam haben sie alle, dass sie einen sehr überspitzten Humor haben und sehr wortreich amüsant erzählt werden. Schon allein die Sprache von Walter Moers wirkt daher skurril. Genau so kommt auch die Geschichte von Hildegunst von Mythenmetz daher. Übertrieben und geschwätzig kommt er daher, aber auch sehr liebenswert, weil er selbst so herrlich naiv und ahnungslos ist.

Das Buch ist zwar in einzelne Abschnitte und Kapitel unterteilt, aber eigentlich sind es längst nicht nur diese, die die Geschichte unterteilt. Denn eigentlich gibt es hier nicht nur eine einzelne Geschichte. Obwohl die Reise von Hildegunst sicherlich die Haupthandlung ist, besteht das Buch doch auch aus vielen kleinen Kurzgeschichten, wie man sie aus den Erzählungen von Käpt'n Blaubär kennt, die als Anekdoten und Hintergrundinformationen in die Geschichte eingebaut wurden. So werden in liebevoller Kleinarbeit immer neue Wesen, Bücher, Genres und historische Begebenheiten von Moers beschrieben, die auch für sich allein schon lustige kleine Kurzgeschichten ergeben. Sie alle in dieser Geschichte zu einem stimmigen Ganzen zu vereinen, schaffen sicherlich wenige Autoren, aber Walter Moers ist das hier ganz wunderbar gelungen. Manche Ausführungen waren mir persönlich zwar zu lang und ließen die spannende Handlung zu sehr stocken, dafür konnte ich selbst dann nur über die Fantasie des Autors staunen.

Ob es sich jetzt um ein für Kinder und Jugendliche geeignetes Buch handelt, könnte ich schwer sagen. Stellenweise ist die Geschichte schon sehr einfach und vorhersehbar. Wobei es dabei dann auch eher darauf ankam, wie sie zustande kam, statt auf den Überraschungseffekt. Und die meisten Kinder dürften wohl auch von der bunten Welt Zamoniens ganz verzaubert sein. Sonst geht es in der Geschichte aber häufig doch sehr brutal und gruselig zu. In den Katakomben von Buchhaim möchte ich jedenfalls nicht spazieren gehen.

Am schönsten fand ich jedoch auf den Fall diese ganz große Liebe zu Büchern, die alle Bewohner Zamoniens vereint. Manchmal habe ich gedacht, dass auch die ganzen Buchblogger und -fans diverser Lesecommunities ein solches Buch hätten schreiben können. Oder dass Zamonien "unsere" Welt ist. Denn Bücher sind dort wirklich das ganz große Ding. Es gibt unzählige Genres und Dichter, ganz Buchhaim besteht fast ausschließlich aus Antiquariaten und anderen Orten, wo man Bücher entweder kaufen, lesen oder seine Liebe zu ihnen sonstwie zelebrieren kann. Wer möchte da nicht gern leben?!

Ein absolut bezauberndes Buch, das jetzt schon zu meinen Favoriten gehört!

Bewertung:

Dienstag, 16. Oktober 2012

[Hunger Games #2] "Catching Fire" von Suzanne Collins

Zum Inhalt: Es sind ein paar Monate vergangen seit Katniss und Peeta gemeinsam als Gewinner der Hunger Games die Arena verlassen haben. Seitdem genießen sie die Vorteile, die den Siegern bis an ihr Lebensende zustehen. Doch schon bald stellt sich heraus, dass sie nicht nur den Ruhm aller Sieger genießen, sondern vom Volk in den einzelnen Districts regelrecht als Helden und Anführer einer Revolution gefeiert werden.

Schon bald müssen sie feststellen, dass der Regierung im Capitol, allen voran Präsident Snow, das natürlich gar nicht gefällt. Und so sehen sie sich einer Reihe von Intrigen gegenüber, die nicht nur ihnen, sondern auch ihren vermeintlichen Anhängern zeigen sollen, dass es keinen Sinn macht, eine Revolution zu starten. Und tatsächlich scheint es so, als ob sie diesen Kampf nur verlieren können.

Infos zum Buch: "Catching Fire", Scholastic UK, Taschenbuch, 472 Seiten, 8,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Zunächst mal muss ich sagen, dass ich keine Ahnung habe, weshalb ich so eine schlechte Meinung vom ersten Teil der Trilogie hatte. Ich habe ihn zwar jetzt nicht noch einmal gelesen, kann mir aber nicht vorstellen, dass er so viel schlechter war als dieser hier. Vermutlich lag es wirklich daran, dass ich damals extrem krank war (ich bin ja auch kurz danach im Krankenhaus gelandet) und mich nicht richtig konzentrieren konnte.

Egal, "Catching Fire" gefiel mir jedenfalls sehr, sehr gut.

Die klare Schwäche ist für mich leider weiterhin Katniss selbst. Ich finde sie als Heldin einfach nicht besonders sympathisch. Obwohl das vielleicht auch das falsche Wort ist. Natürlich ist es toll, wie sehr sie sich um ihre Freunde und Familie Gedanken macht, dass sie immer noch willens ist, sich für sie zu opfern. Aber sie wirkt an vielen Stellen auch sehr weinerlich und zu negativ. Selbst bei den wenigen schönen Dingen kann sie diese gar nicht richtig wahrnehmen und sich auch einfach mal darüber zu freuen. Natürlich ist das auch nicht leicht, wenn man eine so schwere Last trägt. Aber wie sie manchmal geradezu sauer zu sein scheint, wenn ihr jemand etwas Gutes tut, finde ich einfach irgendwann nicht mehr sehr sympathisch.

Dafür haben mir die anderen Charaktere so richtig Spaß gemacht. Allen voran natürlich Peeta, der auch im Laufe dieser Geschichte wieder einen riesigen Sprung zu machen scheint. Man glaubt eigentlich ständig, dass man ihn schon wieder unterschätzt hat und kann gar nicht glauben, was er jetzt wieder geleistet hat.

Was die Darstellung der Charaktere angeht, haben mir besonders die aus dem Capitol gefallen. Immer wieder wird erwähnt, wie verschwenderisch, oberflächlich und dekadent dort alle sind, aber an vielen Stellen wird von Suzanne Collins dann doch auch wieder eine unerwartete Tiefe eingebracht. Dadurch wirkt nichts platt und es wird auch keine zu offensichtliche Schwarz-Weiß-Malerei betrieben.

Sehr gut fand ich auch die Entwicklung der Geschichte. Im Gegensatz zum ersten Teil wird hier nicht in einer geraden Linie Spannung aufgebaut. Im Gegenteil gab es auch Momente, in welchen ich mich beruhigt gefühlt habe und sicher war, den weiteren Verlauf der Geschichte vorhersagen zu können - und dann kam es doch jedes Mal wieder ganz anders. Auch Katniss ist stellenweise erleichtert, meint, dass alles wieder gut wird, und wird dann doch immer wieder von den Ereignissen erschüttert.

Das Ende kam dann natürlich auch als besonderer Knaller. Völlig unerwartet und mit weniger Antworten als noch mehr Fragen, die hoffentlich dann vom dritten Teil beantwortet werden. Hier hätte ich mir lediglich gewünscht, dass sich die Ereignisse nicht ganz so überschlagen. Für einen solchen Hammer wurden hier erstaunlich wenig Seiten genutzt. Besonders, wenn man bedenkt, dass sich die Autorin vorher so viel Zeit für genaue Beschreibungen genommen hat.

Bewertung:

Dienstag, 7. August 2012

[Cassia & Ky #2] "Crossed" von Ally Condie

Zum Inhalt: Auch im zweiten Teil der Trilogie um Cassia & Ky sehen die beiden sich mit der harten Realität konfrontiert, dass die "Society" sie nicht zusammen sein lässt und ihnen auch sonst vorschreibt, wie sie ihr Leben zu leben haben.

Nachdem Ky in die Outer Provinces geschickt wurde, um dort im Krieg gegen die Gegner der "Society" zu kämpfen, versucht Cassia, ihn dort zu finden. Dort hört sie von einer Art Rebellion gegen die von ihr mittlerweile so verhasse "Society" und neben dem Wunsch, endlich ihren Ky wiederzufinden, schmiedet sie auch den Plan, sich dieser Rebellion anzuschließen. Unabhängig voneinander flüchten beide in die "Carvings" eine Art Felsenformation, wo sie sich nicht nur vor der "Society", sondern auch vor dem für sie vorgeschriebenen Leben zu verstecken versuchen. Doch werden sie sich auch gegenseitig finden?

Infos zum Buch: "Crossed", Puffin, Taschenbuch, 384 Seiten, 11,60 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich war ja schon vom ersten Teil der Reihe recht begeistert. In "Matched" wurde zunächst einmal das Leben innerhalb der "Society" beschrieben und schon damals habe ich mich gefragt, ob mir dieses behütete und dadurch sichere Leben gefallen oder ob ich mich auch dagegen aufgelehnt hätte. Doch schon damals ließ Ally Condie ja erkennen, dass da auch vieles mehr Schein als Sein war.

In "Crossed" kommt dieses Bild von der schönen, sicheren Welt auch völlig zum Zusammenbruch. Die gesamte Stimmung des Buches ist von Anfang an komplett anders als es noch in "Matched" der Fall war. Während sich da der Leser auch noch schon eingelullt gefühlt hat von dieser schönen durchstrukturierten Welt, in der jeder seinen Platz zu haben scheint, wird er hier gleich mit der Realität von Cassias und Kys neuer Umgebung konfrontiert: Raue Natur, wenig Komfort, überall um sie herum Tod und Angst vor dem nächsten Angriff, Krieg halt. Schon allein diesen krassen Gegensatz, den man fast greifen konnte, fand ich sehr beeindruckend.

Der Erzählstil ist immer aus der Ich-Perspektive geschrieben, wechselt jedoch zwischen Kys und Cassias Sicht. Das ist auch gut so, denn einen Großteil des Buches verbringen sie unabhängig voneinander. Sie erleben und sehen ähnliche Dinge, welche man dann aus beiden Sichten geschildert bekommt. Auch hier war ich recht beeindruckt davon, wie Frau Condie die unterschiedlichen Sichtweisen darstellt. Beide sind komplett unterschiedliche Charaktere, Cassia ist wohlbehütet aufgewachsen und das raue Leben dort draußen ist für sie völlig neu, während Ky schon früh im Leben genau daran gewöhnt wurde. So nehmen sie die Umgebung natürlich auch unterschiedlich wahr und arrangieren sich auf völlig verschiedene Art und Weise damit.

Die Charaktere selbst fand ich auch wieder gerade so schön kompliziert, dass man sie noch verstehen und ihre Entscheidungen nachvollziehen kann, aber nicht so sehr, dass sie stellenweise unnatürlich wirken. Dadurch kam es eigentlich auch an keinem Punkt dazu, dass ich sie übertrieben fand. Auch die Nebencharaktere wirken gut durchdacht und haben ihre eigene Geschichte, spielen dadurch nicht nur Cassia und Ky in die Hand. Dadurch konnte ich zumindest zu jedem eine Beziehung aufbauen, ob positiv oder negativ.

Einziges Manko war hier eindeutig der Handlungsstrang. Klar, 384 Seiten sind nicht so besonders viel, aber selbst dafür muss ich im Nachhinein sagen, dass sie relativ wenig Handlung beinhalten. Teilweise passiert mehrere Seiten lang gar nichts, es werden nur Sachen beschrieben oder kleine, teilweise unbedeutende Details werden zu sehr aufgebauscht. Blicke ich zurück, muss ich sagen, dass ich die eigentliche Handlung des Buches, inklusive des Endes, in 3 Sätzen zusammenfassen konnte. Insgesamt habe ich so den Eindruck bekommen, als ob Frau Condie hier das Hauptaugenmerk auf die Charaktere gelegt hat, denn auf deren Entwicklung und Geschichte wird hier wirklich gut eingegangen. So könnte ich mir vorstellen, dass der dritte Teil dann vollgeladen ist mit jeder Menge Action, für welche aber dieses Hintergrundwissen zu Cassia, Ky und ihren Freunden von großer Bedeutung ist. Mal sehen...

Insgesamt hat mir "Matched" ein kleines bißchen besser gefallen als "Crossed", aber schon allein der eingangs erwähnte richtig krasse Stimmungswechsel hat das Buch für mich auf jeden Fall lesenswert gemacht.

Bewertung:

Sonntag, 8. Juli 2012

"Das Vermächtnis der Wanderhure" von Iny Lorentz

Zum Inhalt: Für Marie und Michel könnte es nicht besser laufen. Marie ist zum zweiten Mal schwanger und die beiden leben glücklich mit ihrer Tochter Trudi auf Burg Kibitzstein. Doch stur wie Marie nunmal ist, lässt sie es sich nicht ausreden, noch in ihrem schwangeren Zustand ihre Freundin Hiltrud zu besuchen. Die Reise nach Rheinsobern ist aber lang dort erfährt zudem ihre größte Feindin Hulda von Maries Schwangerschaft und lässt diese verschleppen.

Wieder einmal findet sich Marie in einer fast auswegslosen Situation wieder, denn sie wird ins ferne Russland verschleppt und Hulda schafft es, dass sogar Michel glaubt, seine Frau wäre tot. Kurzum wird er mit einer neuen Frau verheiratet und ist nicht mehr frei, als seine Frau doch wieder einmal den Weg nach Hause zurück findet.

Infos zum Buch: "Das Vermächtnis der Wanderhure", Knaur, Taschenbuch, 715 Seiten, 9,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Es gab endlich mal wieder ein Wiedersehen mit Marie und Michel. Ich gebe zu, dass ich die Bücher von Iny Lorentz niemals nacheinander lesen könnte, denn natürlich sind sie stellenweise auch sehr kitschig. Wenn man dann so einen Schinken durch hat, braucht man erstmal Pause davon. Trotzdem freue ich mich auch immer wieder auf das nächste Buch. Wobei ich die Reihe der Wanderhure ja auch bald durch habe.

Auch in "Das Vermächtnis der Wanderhure" kommt wieder viel Kitsch vor, es wird wieder viel übertrieben und natürlich hat Marie auch wieder einmal mehr Glück als Verstand. Sicherlich ist sie fortschrittlicher als die meisten Frauen ihrer Zeit. Sie glaubt nicht blind an alles, was ihr Religion und Klassengesellschaft vorgeben, hinterfragt auch gern mal Dinge und fügt sich vor allem nicht bedenkenlos in eine ihr zugeteilte Rolle. Dadurch wäre sie sicherlich in vielen Situationen weitergekommen, als die meisten anderen Frauen. Aber dass sie nur deshalb ständig genau die richtigen Personen auf ihrer Seite hat, halte ich doch für etwas übertrieben.

Überhaupt muss ich sagen, dass mir im 3. Teil der "Wanderhuren"-Reihe doch so einiges sauer aufgestoßen ist, was ich bei den Vorgängern zumindest nicht so übertrieben wahrgenommen hatte. Vor allem scheint das Buch diesmal sehr zwischen zwei Extremen zu schwanken und dabei nur einen wackligen Spagat halten zu können. Auf der einen Seite ist die extreme Sexualität. Obwohl Maries Jahre als Wanderhure nun lange vorbei sind, handelt eigentlich alles nur von sexuellem Verlangen. Klar waren das damals andere Zeiten und Frauen hatten da sicher weniger Mitspracherecht, aber es vergehen wirklich kaum 10 Seiten, bis wieder die Rede von irgendeinem Schäferstündchen, einer Vergewaltigung oder "ehelichen Pflichten" ist. Dabei bringt das in diesem Buch wirklich die Geschichte nicht oder kaum weiter. Auf der anderen Seite sind die wirklich lang und ausgiebig beschriebenen politischen Situationen und Schlachtszenen. Kein Schwerthieb vergeht, ohne im Detail beschrieben zu werden. Insgesamt merkt man sehr gut, dass hier ein älteres Paar das Buch geschrieben hat, wobei beide ihr Augenmerk auf unterschiedliche Schwerpunkte gelegt haben. Doof nur, wenn man wie ich mit beidem in diesem Fall nicht mehr viel anfangen konnte. Deshalb habe ich diesmal wirklich sehr viele Stellen mehr überflogen als gelesen.

Die Geschichte selbst ist dafür aber wieder mal sehr originell. Zunächst hatte ich ja befürchtet, dass sie dem Vorgänger zu sehr ähnelt und im Kern tut sie das ja auch. Wieder sind Marie und Michel getrennt, wieder muss Marie eine lange Reise auf sich nehmen und wieder gibt es jede Menge glückliche Zufälle. Aber dadurch, dass die Ausgangssituation diesmal eine andere ist und dass es Marie in eine ganz andere Ecke verschlägt, ist doch wieder alles anders. Sehr gut umgesetzt finde ich hier die generelle Stimmlage in Russland. Allein durch die Beschreibung der Menschen dort und deren Sprache gibt das dem Buch eine andere Atmosphäre. Damals waren die Unterschiede zwischen den Menschen in den verschiedenen Ländern und Regionen ja noch viel größer als heute und das wird hier sehr gut dargestellt. Und nicht nur darin zeigt sich wieder mal, dass die beiden Autoren sich wirklich sehr gut vorbereitet und umfangreiche Recherche betrieben haben. Wie schon seine Vorgänger orientiert sich die Handlich wieder stark an der politischen Situation, wie sie damals nunmal war.

Ich muss also sagen, dass ich immer noch ein Fan von Iny Lorentz bin, allerdings weiß ich nicht, ob es eine so gute Idee war, die Geschichte der "Wanderhure" noch weiterzuführen, denn langsam scheinen Schlachten und Sex an vielen Stellen als Lückenfüller eingesetzt zu werden. Vielleicht hätten die beiden besser gleich an einem neuen Wert arbeiten sollen.

Bewertung:

Dienstag, 13. März 2012

Matched von Ally Condie

Zum Inhalt: Endlich läuft in der Welt alles in geordneten Bahnen! Partner werden aufgrund ihrer Gene füreinander ausgewählt und zeugen so gesunde, schöne Kinder. Die Menschen können sich voll und ganz auf ihre Führer verlassen, die für sie den geeigneten Beruf aussuchen, ihre Mahlzeiten zusammenstellen, sie durch mangelnden persönlichen Besitz vor Neid und Missgunst bewahren und die für sie den Tagesablauf planen. Alles ist perfekt und, vor allem, sicher.

In dieser Welt ist Cassia aufgewachsen. Sie ist jetzt siebzehn und steht kurz vor dem bisher wichtigsten Ereignis ihres Lebens: Ihr Match Banquet. Bei diesem Ereignis bekommen Siebzehnjährige ihren zukünftigen Partner zugeteilt. Und für Cassia könnte es auch gar nicht besser laufen, denn ihr Match ist Xander, der Junge, der schon ihr ganzes Leben lang ihr bester Freund ist.

Doch als Cassia sich die Microcard anschauen möchte, welche die Daten ihres Matches enthalten soll, erscheint dort nicht Xander, sondern Ky. Ky ist ein Junge aus ihrer Nachbarschaft, doch eigentlich ist er dazu verdammt, als Single zu leben. Kurz darauf entpuppt sich dies auch als Fehler des eigentlich unfehlbaren Systems. Cassia erfährt, dass Xander weiterhin ihr Match ist und alles ist wieder gut. Oder? Alles könnte so schön sein, doch dieses Ereignis bringt Cassia dazu, sich für Ky zu interessieren. Mehr und mehr kommt sie zu dem Schluss, dass ihre Welt doch nicht so perfekt ist, dass ihr Leben so viel mehr zu bieten hätte, als das, was ihr die Gesellschaft erlaubt. Doch das System anzuzweifeln, ist streng verboten und wenn jemand von Cassias Zweifeln erfährt, bedeutet das nicht nur für sie eine Gefahr, sondern für ihre ganze Familie.

Meine Meinung: Jetzt stellt euch mal vor, man müsse sich um nichts mehr kümmern. Ständig diese Entscheidungen und Versuchungen! Ich will abnehmen, aber wer schützt mich vor dem ganzen leckeren Süßkram? Welchen Beruf soll ich annehmen und wo führt mich das hin? Werde ich später vielleicht arm und arbeitslos sein? Und wie finde ich den richtigen Partner? Oder besser noch: Wer ist denn der richtige Partner für mich? Da wäre es doch viel, viel besser, wenn da jemand wäre, der sich für mich darum kümmern würde, oder? Der mir genau aufzeigen würde, welcher Weg zu welcher Zeit der richtige für mich ist und der mir gleichzeitig völlige Sicherheit garantieren würde. Selbst, wenn ich einen unschönen und harten Beruf habe, besitze ich am Ende des Tages das gleiche wie meine Nachbarn, habe in meinem Haus den gleichen Komfort. Und ich muss mich auch nicht um meine eigene Attraktivität kümmern, darf das sogar gar nicht, denn mein Partner wird ja sowieso nach rein wissenschaftlichen Aspekten für mich ausgewählt. Und das ist auch gut so, denn so bekommen wir zusammen perfekte Kinder und müssen uns nie um deren Gesundheit sorgen, denn wirklich schlimme Erbkrankheiten gibt es so gut wie keine mehr.

Eigentlich klingt das doch super, oder?

Aber jetzt überlegt euch auch, was ihr dafür aufgebt. Zusammengefasst kommt dabei dann ein Wort raus: Freiheit. Die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, das eigene Leben selbst zu gestalten und sich so schließlich von anderen Menschen zu unterscheiden. Wie Cassia auch sehr treffend im Buch beschreibt, gibt die Gesellschaften den Bürgern immer einen Geschmack dessen, was das Leben so bietet, nie aber das Leben selbst.

Dabei bekommt man von Ally Condie auch gleich die gesamte Wucht einer solchen Gesellschaft entgegen geschleudert. Für einen Moment lässt mich das zweifeln, denn immerhin ist das ja ein Jugendbuch. Jetzt behaupte ich nicht, dass Jugendliche dumm und oberflächlich sind (auch wenn ich es mit 15 / 16 sicherlich war), aber vieles in diesem Buch klingt fast schon wie eine wissenschaftliche These. Das ist natürlich für eine Dystopie gar nicht so ungewöhnlich, eigentlich sogar wünschenswert. Ich persönlich liebe Condies Schreibstil und die vielen Details, die Beschreibungen der einzelnen Aspekte von Cassias Alltag. Aber ich glaube, als Jugendliche hätte mir die Geschichte stellenweise dadurch zu sehr gestockt. Ich hätte mir wahrscheinlich gewünscht, dass die Dreiecksgeschichte um Cassia, Xander und Ky schneller entwickelt, dass mehr passiert. Wahrscheinlich hätte ich viele Stellen, die z.B. den Ablauf des Alltags betreffen einfach übersprungen.

Durch diese vielen Beschreibungen schafft Condie es aber auch, eine Stimmung zu schaffen, die einer solchen Dystopie absolut angemessen erscheint. Man spürt förmlich, wie geradlinig und steril Cassias Welt ist. Durch den Mangel an Besitztümern sind die Häuser der Menschen natürlich alle nur zweckmäßig eingerichtet. Schaue ich mich bei mir zu Hause um, fällt mir erst jetzt auf, wie wichtig der ganze Kram ist, der sich hier so angehäuft hat. Ich stelle mir meine Regale ohne Inhalt vor (hätte ich dann überhaupt Regale?), meine Schränke nur gefüllt mit den wenigen einheitlichen Kleidungsstücken, nirgendwo Blumen, Bilder oder andere Dekoration. Das schafft eine traurige, fast depressive Stimmung, die nur durch die Anwesenheit der von Cassia so geliebten Menschen unterbrochen wird. Vielleicht ist es diese leere, trübe Umgebung, aber die Menschen wirken dadurch umso farbfroher. Es wird einem beim Lesen immer mehr bewusst, wie unterschiedlich sie sind und dass auch jeder von ihnen anders mit den Gegebenheiten umgeht. Manche sind absolut glücklich mit ihrer Situation, vielleicht auch, weil sie sich nicht mehr vorstellen können. Andere wiederum rebellieren im Stillen gegen die Regeln und wünschen sich mehr vom Leben. Doch eins haben alle gemeinsam: Ihnen geht die eigene Familie über alles.

Mir hat "Matched" richtig gut gefallen. Ich mag Bücher, die mich in eine bestimmte Stimmung versetzen können und das war hier definitiv der Fall. Das Thema war auch absolut meins. Deshalb bekommt es von mir auch die Höchstwertung.

Bewertung:

Freitag, 9. März 2012

Die Kastellanin von Iny Lorentz

Zum Inhalt: Zehn Jahre sind nun vergangen, seit Marie und Michel zu den Herren von Rheinsobern erklärt wurden und ihre Burg dort bezogen haben. Beide sind sehr glücklich miteinander und alles ist so, wie Marie es sich erträumt hat. Nur eins betrübt sie: In all den Jahren konnte sie Michel bisher keine Kinder schenken und so beginnt sie zu glauben, dass ihr das auch gar nicht vergönnt ist.

Doch auch im deutschen Kaiserreich ist die Stimmung getrübt, denn man befindet sich im Krieg mit den Hussiten. Schließlich muss auch Michel in den Krieg ziehen, als Anführer eines Kriegeszug einiger Ritter aus der Umgebung und deren Gefolge. Da Michel auf keine glorreiche Herkunft verweisen kann, sind einige seine Mitstreiter alles andere als glücklich über dessen hohes Ansehen beim Kaiser und beim Reichsgrafen. Nach einer Schlacht kehrt Michel auch nicht zurück und wird kurze Zeit später als tot erklärt. Marie wird somit zur Witwe und ehe sie sich versieht, wird ihr Heim und ihre Herrschaft einem neuen Besitzer zugesprochen und gleich mehrere Anwärter reißen sich darum, die schöne und reiche Witwe zu heiraten. Doch Marie denkt gar nicht daran, sich einem neuen Ehemann hinzugeben. Im Gegenteil glaubt sie sogar, ihr Michel lebt noch. Und so schließt sie sich als Marketenderin einem neuen Heereszug an, in der Hoffnung, einen Hinweis auf den Verbleib ihres Mannes zu finden.

Meine Meinung: Vorweg vielleicht gleich die erste Schwäche, die der zweite Teil der "Wanderhure"-Reihe hatte: Sprachlich wurde es an vielen Stellen einfach sehr schnulzig. Das war, meine ich, im ersten Teil nicht der Fall. Vielleicht auch deshalb, weil es da einfach weniger Anlass für Herzschmerz und Schnulz gab. Dennoch bin ich der Meinung, dass man auch solche Stellen meistern kann, ohne zu sehr an Hausfrauenromänchen zu erinnern. Gut, das ist jetzt sehr krass ausgedrückt und so sehr störend ist es dann auch nicht. Aber stellenweise brachte es mich doch dazu, ordentlich mit den Äuglein zu rollen.

Ansonsten finde ich die Sprache aber durchaus wieder sehr passend und gut gewählt. Natürlich wäre es bei den meisten historischen Büchern vermessen zu sagen, dass sie genau der damaligen Sprache angepasst sind. Zum Glück. Ich hatte ja manchmal schon so meine liebe Mühe, das genuschelte Plattdeutsch von meinem Opa zu verstehen. Nicht auszumalen, wie schwierig es dann wäre, die Sprache unserer Vorfahren von vor mehreren hundert Jahren zu verstehen. Ich glaube, für die 600 Seiten des Buches hätte man dann gut und gerne ein paar Jährchen gebraucht. Aber für unsere Verhältnisse ist der Sprachstil der "Wanderhure"-Reihe sehr altmodisch und schmuckhaft. Kurzum: Würden Freunde so mit mir sprechen, ich würde sie auslachen, aber für ein historisches Buch finde ich das sehr passend und schön. Anders mag ich es auch gar nicht, denn dann würde es schwer, sich in die Charaktere und die damaligen Verhältnisse hinein zu versetzen.

Das ist ja ohnehin bei historischen Büchern manchmal nicht so leicht. Die beschreibenen Damen und Herren leben ja nunmal in ganz anderen Verhältnissen wie wir heute. Viele Situationen kann man sich heutzutage gar nicht mehr vorstellen.Und so ist es manchmal schwierig, zu verstehen, wie eine Person sich z.B. so intensiv mit der Pflege von einer Totkranken beschäftigt. Heutzutage würde man sich das gar nicht mehr zutrauen, weil man ja weiß, dass medizinisches Fachpersonal nicht weit ist. Damals war das eben anders. Auch die Anwendung von Gewalt und der Umgang mit dem Tod war damals eben ein ganz anderer. Stellenweise muss man wirklich schlucken, obwohl das Buch solche Situationen nur nebenbei erwähnt. Dann kommt man aber doch immer wieder zu dem Punkt, dass man sich sagen muss, dass diese Dinge damals eben auch wirklich "nebenbei" liefen. Das finde ich persönlich auch an historischen Büchern so interessant. Sie sind - zumeist - sehr real und dadurch wesentlich näher an uns dran als z.B. Fantasybücher. Und doch kann man sich aus heutiger Sicht vieles davon genauso wenig vorstellen wie einem Vampir zu begegnen oder Magie anzuwenden.

Auffällig ist, dass der Charakter von Marie über die Jahre noch gefestigter scheint. Gegen Ende des ersten Buches wirkte sie aufgrund ihrer Erlebnisse ja schon sehr tough, aber eben auch sehr verschreckt und leicht verbittert, verständlicherweise. Durch ihr glückliches Leben mit Michel erscheint so nun viel gelöster und selbstbewusster, aber sie weiß nun eben auch ganz genau, was sie will. Wenn sie eine Entscheidung trifft, bleibt sie dabei und ist in ihrer Handlungsweise sehr konsequent. Ich finde es sehr schön, wie genau sich die Autoren Gedanken über die wahrscheinliche persönliche Entwicklung einer Person mit Maries Lebensgeschichte gemacht zu haben scheinen und wie glaubwürdig ihre Handlungen dadurch erscheinen. Auch Michel ist wieder sehr gut beschrieben, auch wenn sich hier ein nicht ganz so großer Sprung vom damaligen jungen Krieger zum heutigen Ritter erkennen lässt. Dahingegen sind die "Bösen" der Geschichte mal wieder ein bißchen sehr platt und es gibt viel Schwarz-Weiß-Malerei. Immerhin wird ein wenig versucht, auf entsprechende Hintergründe und Schicksalsschläge hinzuweisen, welche bei dem ein oder anderen zu weniger schönen Wesenszügen geführt haben. Aber insgesamt wird besonders der Ritter Falko von Hettenheim mir zu sehr als eine Art "Disney"-Bösewicht beschrieben, durchweg und scheinbar grundlos bösartig. Da allerdings die restlichen Personen so gut und glaubhaft beschrieben sind, ist das auch noch zu entschuldigen.

Insgesamt reicht es nicht ganz an die fünf Kitten des ersten Teiles heran, aber dennoch war es wirklich schön, mal wieder was von Marie und Michel zu lesen.

Bewertung:

Zur "Rache der Wanderhure": Kürzlich lief ja der vermeintlich zweite Teil der "Wanderhure"-Reihe auf Sat1. Ich habe beide Filme nicht gesehen und auch "Die Rache der Wanderhure" nicht gelesen, daher kann ich zur Qualität dieser nichts sagen. Tatsache ist jedoch, dass der Film eine abgewandelte Version von "Die Kastellanin" ist, offensichtlich, wenn man den Meinungen vieler glauben darf, mit mehr Herzschmerz und Drama, baby! Ich persönlich bin nicht der Meinng, dass es das gebraucht hat. Noch unnötiger fand ich dann, dass "Die Kastellanin" also noch einmal umgeschrieben, dem Film angepasst und dann unter dem Titel "Die Rache der Wanderhure" veröffentlicht wurde. Ja, ihr lest richtig, es handelt sich dabei NICHT um den fünften Teil der Reihe und ist daher für diejenigen, die "Die Kastellanin" gelesen haben, komplett sinnlos. Ob man als neuer Leser jetzt besser das eine oder andere liest, sei jedem selbst überlassen. Ich habe, wie gesagt, nur eins davon gelesen, würde aber wohl auch jetzt eher zum Original tendieren und finde persönlich auch, dass ein Autor zu seinem eigentlichen Werk stehen sollte, mit all seinen Stärken und Schwächen.

Sonntag, 19. Februar 2012

If I Stay von Gayle Forman

Zum Inhalt: Mia ist siebzehn und eigentlich ganz anders als andere Mädchen ihres Alters. Sie spielt Cello und liebt Klassik. Mit moderner Musik und bei Jugendlichen beliebten Freizeitaktivitäten kann sie nicht viel anfangen. Trotzdem ist sie nicht etwa einsam und unglücklich. Im Gegenteil, den eigentlich hat sie alles, was ein Mädchen sich wünscht. Sie hat tolle lockere Eltern, mit denen sie sich sehr gut versteht, einen kleinen Bruder, mit dem sie ebenfalls gut auskommt und Adam, ihren wunderbaren, perfekten und absolut coolen Freund. Adam spielt in einer Band, die gerade ihren großen Durchbruch hatte und nicht nur das macht ihn zum absoluten Traumtypen. Zudem läuft es auch noch super in der Schule für Mia und sie ist gerade bei der Musikhochschule ihrer Wahl akzeptiert worden. Ihr Leben läuft also nahezu perfekt.

Doch genau dann passiert es: Sie ist mit ihren Eltern und ihrem Bruder auf dem Weg zu ihren Großeltern, als die Familie in einen schweren Autounfall verwickelt wird. Als Mia aufwacht, stellt sie fest, dass sie ihren Körper verlassen hat. Der befindet sich aber noch auf der Intensivstation, Mia ist also nicht tot. Das bedeutet jedoch, dass sie allein die Entscheidung treffen muss, ob sie los lassen oder bleiben und ihr Leben mit allen Konsequenzen weiter leben möchte.

Meine Meinung: An das Buch hatte ich hohe Erwartungen, nicht zuletzt durch die vielen tollen Rezensionen, die ich dazu schon gelesen hatte. Bei so einer Geschichte gibt es eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Entweder sie ist absolut schön geschrieben und berührt den Leser oder sie driftet ins Kitschige ab. Bei Gayle Forman ist letzteres ganz bestimmt nicht der Fall. Sie schafft es wunderbar, die Charaktere dem Leser nahe zu bringen und wenn ihnen dann diese ganzen schlimmen Dinge passieren, fühlt und fiebert man mit ihnen.

Dabei geht sie mit Mia als Protagonistin schon ein Risiko ein. Denn Mia ist so eine Art Hollywood-Nerd. Irgendwie total "anders" und im wahren Leben wohl eine ziemliche Einzelgängerin. In vielen Filmen gibt es ähnliche Charaktere, denen man dann einfach nicht abnimmt, dass sie so glücklich und populär sind. Bei Mia hatte ich dieses Gefühl aber nie. Auch nicht, dass sie besonders weinerlich oder egozentrisch wäre. Im Gegenteil geht sie auch sehr gut auf die Menschen in ihrem Leben ein, verlangt gar nicht, dass sich alles immer um sie dreht. Auch Adam wirkt absolut authentisch. Auch hier verzichtet Gayle Forman auf Übertreibungen und Clichés. Ja, er darf auch einfach mal sauer sein, weil Mia mit seiner Band und seinem Lebensstil nicht viel anfangen kann. Er ist ein Traumtyp, aber eben gerade deshalb, weil er auch Schwächen zeigt.

Besonders gefallen haben mir Mias Eltern. Diese waren einfach so herrlich menschlich. Häufig sind solche Nebencharaktere in Büchern ja sehr blass und schwach beschrieben, einfach ein formloser Schatten im Hintergrund. Das ist aber im wahren Leben nicht so. Da hat auch jeder Mensch seine eigene Persönlichkeit, die in alle Lebenssituationen mit einspielen. Und das ist auch hier so. Mias Eltern haben ihre ganz eigene Geschichte und einen liebenswerten Charme.

Die Geschichte liest sich sehr schön und flüssig, obwohl sie eigentlich fast ereignislos ist. Hauptsächlich besteht sie aus Mias Gedanken, Monologen und Rückblicken auf Momente mit den Menschen in ihrem Leben. Trotzdem möchte man immer und immer weiterlesen, immer mehr erfahren, muss lächeln, lachen und oft auch weinen. Ich habe selten erlebt, dass ein Autor auf so wenig Seiten so viele Emotionen rüberbringt.

Und dabei stellt sich eigentlich ständig die Frage: Wie würde ich mich entscheiden? Ich kann sie jedenfalls immer noch nicht beantworten und daher kann ich absolut verstehen, wie schwer Mia sich damit tut.

Ich bin begeistert von dem Buch und werde mir wohl bald auch den zweiten Teil zulegen.

Bewertung: