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Dienstag, 26. März 2013

"Das Lächeln der Frauen" von Nicolas Barreau

Zum Inhalt: Aurélie hat sich gerade erst mit dem Tod ihres Vaters abgefunden und damit, dass sie nun Chefin des kleinen Familienrestaurants "Les Temps des Cérises" ist, da bekommt ihr nun wieder perfekt erscheinendes Leben einen neuen Knacks: Ihr Freund Claude macht plötzlich und ohne Vorwarnung Schluss mit ihr, weil er sich in eine andere Frau verliebt hat. Und das sagt er ihr auch noch mit einem kleinen kurzen Abschiedsbrief. Völlig aus der Bahn geworfen spaziert Aurélie durch das herbstliche Paris und landet irgendwie in einer kleinen Buchhandlung, wo sie mehr aus Verlegenheit ein Buch kaufen möchte. Doch das ist nicht irgendein Buch, den schon beim Lesen der ersten paar Sätze wird ihr klar, dass dieses Buch irgendwie mit ihr verknüpft ist. Und plötzlich zählt für sie nur noch eins: Sie muss diesen mysteriösen Autor kennenlernen. Doch zwischen ihr und ihm steht dessen Lektor André, der sie immer nur abzuwimmeln scheint.

Infos zum Buch: "Das Lächeln der Frauen", Piper Taschenbuch, 336 Seiten, 9,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich habe sicherlich noch nicht genug Bücher von französischen Autoren gelesen, um das sicher beurteilen zu können. Aber bisher fand ich alle, die ich lesen konnte, irgendwie "besonders". Da scheint immer so ein ganz kleiner Hoch des Besonderen mitzuschwingen.

Bei "Das Lächeln der Frauen" hatte ich irgendwie das Gefühl, dass sich die Geschichte als alter Film aus den 50ern oder 60ern in meinem Kopf abspielt. Die Dialoge konnte ich regelrecht in der damals oft überzogenen Betonung und mit dem leichten Rauschen im Hintergrund hören. Vielleicht lag es daran, dass Französisch, wie ich finde, eine sehr höfliche Sprache ist. Und diese wurde hier auch in der Übersetzung fantastisch umgesetzt. Viele Ausrufe und Zitate blieben in der Originalsprache, aber keine Angst, man muss kein Sprachenexperte sein. Ich selbst hab auch eher holpriges Schulwissen im Französischen und habe trotzdem alles verstanden bzw. konnte mir einen Reim draus machen. Auch die Ansprachen (Monsieur, Mademoiselle, etc.) sind im Original gelassen worden. Ich finde das ganz bezaubern und das gibt dem Buch irgendwie Persönlichkeit. Ich mag es, wenn Bücher ihre Herkunft nicht in der Übersetzung (oder manchmal leider schon im Original) verlieren.

Die einzelnen Kapitel werden abwechselnd aus Aurélies und aus Andrés Sicht geschrieben, aber auch hier verliert sich der Autor nicht daran, gestelzt feminin oder maskulin zu schreiben. Man merkt schon, dass beide eine unterschiedliche Herangehensweise an die Situationen haben, aber nichts wirkt hier übertrieben und Nicolas Barreau spielt auch nicht die sonst so beliebte Mann-Frau-Karte aus. Trotzdem konnte ich mit beiden nicht ganz warm werden. Mit Aurélie nicht, weil sie mir eigentlich in jeder Situation ein anderer Mensch zu sein schien. Mal ganz tough, mal ganz klein und verloren. Klar hat jeder Mensch unterschiedliche Seiten, aber bei ihr kommt das irgendwie sehr extrem rüber. So ganz weiß ich bis jetzt noch nicht, was für eine Person sie letztendlich ist. Bei André wiederum habe ich das Problem, dass ich ihn einfach sehr unsympathisch finde. Zunächstmal mag ich keine Menschen, die meinen, dass der eigene Stress eine Entschuldigung dafür ist, andere schlecht zu behandeln. Wenn man das dann regelmäßig macht und immer alles auf den Stress im Job schiebt, hat man halt den falschen Job. Und wenn man dann sogar noch während man sich entschuldigt durchblicken lässt, dass der andere ja aber auch wirklich empfindlich ist, finde ich das wirklich nicht mehr lustig.

Insgesamt war die Geschichte für mich aber stimmig, wenn natürlich auch hier und da überzogen. Ich möchte nicht zuviel verraten, aber vieles war sehr vorhersehbar, was ich dann schon wieder schade fand. Die wenigen spannenden Stellen, bei denen man nicht wusste, was jetzt kommt, waren aber auch wirklich gut und ich wollte das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen. Überhaupt liest es sich sehr schnell und flüssig und ich hätte es wohl in zwei Tagen ausgehabt, wenn ich nicht nebenbei noch ein anderes Buch gelesen hätte. Trotz vieler Schwächen also ein unterhaltsames Buch für den (hoffentlich jetzt kommenden) Sommer.

Bewertung:

Sonntag, 6. Januar 2013

"The Book of Tomorrow" von Cecelia Ahern

Zum Inhalt: Die 16-jährige Tamara Goodwin wird plötzlich aus ihrem perfekten Leben gerissen, als ihr Vater Selbstmord begeht. Der war steinreich und Tamara hatte das Traumleben eines jeden Teenagers - Markenklamotten, ein riesiges Zimmer und nur Luxusprobleme. Doch jetzt ist alles anders, denn ihr Vater hat sich nicht nur umgebracht, er hat ihr und ihrer Mutter auch nur Schulden hinterlassen. Und so müssen die beiden zu Tamaras Onkel in ein kleines verschlafenes Nest in Irland ziehen. Von Dublin nach Kilsaney, aus ihrer riesigen Villa in das kleine Landhäuschen. Nachdem das Mädchen das alles mitmachen musste, erscheint es ihr fast schon als normal, als sie im Bücherbus plötzlich ein leeres Tagebuch findet, welches ihr jeden Tag die Ereignisse des nächsten Tages beschreibt. Schnell macht sie aus der Not eine Tugend und nutzt das Buch, um herauszufinden, warum sich alle um sie herum plötzlich so seltsam benehmen.

Infos zum Buch: "The Book of Tomorrow", Harper Collins, Taschenbuch, 320 Seiten, 5,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Keiner versteht es so gut wie Cecelia Ahern, eigentlich sehr realistische Geschichten mit einer gehörigen Portion nicht greifbarer Magie zu versehen. Es gibt immer etwas Unerklärliches in ihren Geschichten, aber das ist immer gepaart mit soviel Realismus und glaubwürdigen Charakteren, dass man kein Problem damit hat, die Geschichte zu glauben.

Auch hier ist die Ausgangssituation wieder sehr "echt". Eine wohlhabende Familie, Schulden, Selbstmord. Der tiefe Fall einer nicht sehr sympathisch wirkenden Familie. Hätte man diese Geschichte so in irgendwelchen Boulevard-Blättchen gelesen, hätten wohl die meisten von uns heimlich ein inneres Gefühl der Genugtuung - schlechtes Gewissen oder nicht. Um ehrlich zu sein habe ich während der ersten 100 Seiten auch wirklich mit mir gekämpft, weil ich Tamara überhaupt nicht mochte. Das hat sich auch bis zum Schluss nicht komplett gebessert. Sie ist wohl bisher die von Cecelia Ahern geschaffene Heldin, die ich am wenigsten mochte bisher. Ganz gern mochte ich lediglich ihren Sarkasmus und natürlich tat sie mir trotz allem auch ein wenig leid, denn wenn sich ein Elternteil umbringt, ist das wohl für jeden hart, sympathisch oder nicht.

Die schlimmste Schwachstelle des Buches war für mich aber die Sprunghaftigkeit der Geschichte. Es gab für mich keinen wirklichen roten Faden und es gab die ein oder andere Nebenhandlung, die zwar auch mit zum nächsten Ereignis geführt hat, ohne die man aber auch dort angekommen wurde. Man erwartet von manchen Charakteren, dass sie eine viel größere Rolle spielen, weil Cecelia Ahern sie und die Handlung um sie so genau und eingehend beschreibt. Dafür hat das zentrale Stück der Geschichte, das Tagebuch, eine erstaunlich kleine Rolle und kommt eigentlich sehr wenig zum Einsatz, wie ich finde.

Dafür war das Buch schließlich aber extrem spannend. Stellenweise hatte ich fast das Gefühl, einen Thriller zu lesen, denn Tamaras Tante Rosaleen ist echt schon sehr creepy und so hatte ich fast erwartet, dass sie Tamara irgendwann im Schlaf zu erstechen versucht. So etwa ab der Mitte des Buches entwickelt sich dann auch alles sehr rasant und man kann es kaum noch aus der Hand legen, weil man endlich wissen möchte, was denn nun das große Geheimnis ist. Das hat mich dann auch wirklich überrascht.

Der Gesamteindruck von "The Book of Tomorrow" war, dass Cecelia Ahern die ganz großen Gefühle hier gegen eine gehörige Portion Spannung eingetauscht hat. Das macht sie auch überraschend gut und so gefiel mir das Buch trotz seiner Mängel wirklich sehr.

Bewertung:

Donnerstag, 9. August 2012

"Hello Kitty muss sterben" von Angela S. Choi

Zum Inhalt: Fiona ist Chinesin, geht auf die 30 zu und lebt in San Francisco, genau genommen bei ihren Eltern. Sie ist nie ausgezogen und will das auch gar nicht. Sie hatte auch noch nie eine Beziehung, geschweigedenn Sex mit einem Mann, und auch das will sie gar nicht. Zwischenmenschliche Beziehungen sind ihr zuwider, aber eigentlich sind das auch alle Menschen an sich, besonders andere Asiaten, deren Sitten und Bräuche sie allesamt kennt und verabscheut. Nicht zuletzt deshalb, weil auch sie als asiatisches Mädchen an diese gebunden ist und sich ihnen lieber unterwirft, als deshalb Stress mit ihrem Vater zu bekommen. Doch dann tritt Sean, ein alter Schulfreund, wieder in ihr Leben. Der ist ein ebenso großer Gegner von den ganzen sozialen Zwängen, denen man sich im Leben so unterwirft und ab dem Moment, an dem Fiona ihn wiedertrifft (er ist Arzt und soll ihr ein ihr von der Natur nicht vergönntes Jungfernhäutchen verpassen) beginnt für die beiden eine verrückte Zeit.

Infos zum Buch: "Hello Kitty muss sterben", btb Verlag, Taschenbuch, 288 Seiten, 8,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Was für ein Buch! Bei den ersten 20 oder 30 Seiten wusste ich nicht so recht, was ich damit anstellen soll. Der Schreibstil war witzig und irgendwie krank, aber so richtig wusste ich nicht, worauf die Autorin hinauswollte. Mir war schon bewusst, dass Fiona, und dadurch natürlich auch Frau Choi mit diesem Buch irgendwie mit ihren asiatischen Wurzeln abrechnen wollte, aber sie tut das auf sehr, sehr krasse, stellenweise schockierend respektlose Art. Deshalb war ich als Leser anfangs sogar ein wenig peinlich berührt. Jeder kennt ja solche Situationen: Man sitzt in einem Raum, inmitten einer Gruppe von Leuten, und zwei bekommen sich in die Haare. Man selbst sitzt irgendwie in der Mitte, weiß nicht, ob man vermitteln oder sich auf eine Seite schlagen oder lieber unsichtbar machen soll. So ähnlich fühlt sich das auf den ersten Seiten von "Hello Kitty muss sterben" an.

Aber so komisch es klingt, man gewöhnt sich nicht nur an den Schreibstil - welcher ohnehin knackig, flüssig und leicht zu lesen ist -, sondern auch an die freche, manchmal grausame, manchmal respektlose und häufig kaltherzige Sichtweise Fionas. Ich, die ich an sich nicht zart besaitet bin bei welchen Sachen, fand das Buch sogar richtig witzig, kann mir aber auch vorstellen, dass vielen Leuten bei der Lektüre das Lachen im Hals stecken bleiben wird. In gewisser Weise erinnert es mich an Filme von Quentin Tarantino. Oft grausam und blutrünstig, häufig mit einer tiefgründigen Aussage irgendwo unter all dem Gore, aber auf jeden Fall immer komplett politisch inkorrekt.

Obwohl ich auch jetzt noch keine wirkliche Kernaussage entdecken kann und mir immer noch nicht wirklich bewusst ist, was genau Frau Choi jetzt mit dem Buch bezweckt hat, konnte ich es kaum aus der Hand legen. Es liest sich, wie gesagt, sehr schnell und flüssig und obwohl die Handlung wirklich krank und unrealistisch ist, will man immer erfahren, wie es weiter geht. Daher sind die 288 Seiten natürlich schnell durchgelesen und man hat hinterher das Gefühl, dass sich einem der Kopf dreht. Die Wortwahl und Formulierungen fand ich zumindest immer genau treffend und richtig witzig.

Ein Minuspunkt ist dabei aber trotzdem der mangelnde Durchblick. Dadurch, dass man nicht wirklich weiß, welche Intention dahinter steckt, kann man auch Fiona und ihre Handlungen nicht verstehen. Man weiß z.B. nie wirklich, warum sie ihre Mitmenschen / -asiaten so sehr verabscheut und ob sie das überhaupt tut oder ob sie sich das aus irgendeinem Grund einredet. Sie war zwar so gut beschrieben, dass ich sie fast vor mir sehen, ja, fast ihre Stimme hören konnte, aber wirklich verstanden habe ich ihren Charakter trotzdem nicht. Aber vielleicht ging es der Autorin ja auch gerade darum, einen Charakter zu erschaffen, der irgendwie grundlos verrückt ist.

Trotz meiner anfänglichen Schwierigkeiten, mich mit dem Buch anzufreunden, hat es mir letztendlich doch wahnsinnig gut gefallen und ich fühle mich wie nach einem spontanen verrückten Roadtrip!

Bewertung:

Sonntag, 20. Mai 2012

Ashby House von V. K. Ludewig

Zum Inhalt: Mit Geschwistern ist das ja so eine Sache. Sind sie beliebter, erfolgreicher, besser als man selbst? Laura Shalott hat da mit ihrer Schwester Lucille genau ins Schwarze getroffen, denn die ist eine berühmte Fotografin, um deren Arbeit sich trotz ihrer exzentrischen Art die Hollywoodstars reißen. Laura steht dabei ständig im Schatten ihrer Schwester, kommt aber trotzdem nicht von ihr los. Besonders nach deren tragischem Unfall, seit dem sie nicht mehr laufen kann, fühlt Laura sich irgendwie gleichzeitig von ihr abhängig und abgestoßen.

Als Lucille schließlich Ashby House, ein gruseliges altes Anwesen in Cornwall, kauft und einzieht, folgt auch Laura ihr. Obwohl sie sich dort gleich unwohl fühlt, versucht sie sich dort einzurichten. Doch schon nach kurzer Zeit verschwindet erst ihre Schwester und dann überschlagen sich die Ereignisse, welche Laura klar machen, dass Ashby House weit mehr ist als nur ein verfallenes Gebäude. Zusammen mit ihrem Butler Steerpike macht sie sich auf die Suche nach ihrer Schwester und entdeckt dabei Dinge, die sie sich wohl nie hätte vorstellen können.

Infos zum Buch: "Ashby House", dtv, Taschenbuch, 320 Seiten, 9,95 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Irgendwie habe ich im Moment echt die Serie an Büchern, die mich komplett überraschen und sich als was ganz anderes entpuppen, als was ich erwartet hätte. Dabei wusste ich bei "Ashby House" gar nicht so recht, was ich erwarten sollte. Bereits im Vorfeld hatte ich bei Lovelybooks gelesen, dass der Autor selbst von einer Art "Soap Opera" gesprochen hat. Besonders nach dem Lesen der Beschreibung konnte ich mir darunter wenig vorstellen, war aber wahnsinnig gespannt. Trotzdem habe ich irgendwie mit einem Gruselroman gerechnet.

Den Gruselfaktor ließ "Ashby House" dann wirklich vermissen. Ich glaube nicht, dass ich wahnsinnig abgehärtet bin, aber so richtig Gänsehaut hatte ich selten. Allerdings hatte ich auch nicht das Gefühl, dass der Autor es besonders darauf abgesehen hat. Denn der Schreibstil ist wirklich komplett anders und hat mich positiv überrascht. Die Informationen zu den einzelnen Charakteren und die Hintergrundinfos sind wirklich in einem Stil geschrieben, wie man ihn in amüsant verfassten Klatschmagazin-Artikeln finden würde. Stellenweise hatte ich das Gefühl, über wirklich existierende Prominente zu lesen. Dabei hat sicherlich auch geholfen, dass Ludewig gekonnt Namen wirklich existierender Stars und Filme einstreut und somit seine fiktiven Charaktere mit realen Personen zu mischen. Lucille Shalott wird als absolute Filmliebhaberin beschrieben mit besonderem Augenmerk auf alten Filmen. Hierzu gibt es so viele interessante Infos, dass ich glauben möchte, dass Ludewig seine eigene Liebe zum Film in Lucilles Charakter eingebracht hat. Entweder das oder er hat sich wirklich wahnsinnig Mühe gegeben, um entsprechend zu recherchieren.

Besonders gefallen hat mir auch der Butler Steerpike. Ich gebe es zu, ich hatte schon einen kleinen Crush. Mein erster literarischer Crush in Jahren! Er wirkt einfach sehr interessant, smart und zurückhaltend, aber doch mitfühlend und manchmal auch ein bißchen frech. Insgesamt fand ich, dass er der am wenigsten durchschaubare Charakter des Buches war. Die beiden Schwestern, Lucille und Laura, waren mir stellenweise etwas zu schwarz und weiß. Erst am Ende hatte ich eigentlich das Gefühl, dass beide mich etwas überrascht hätten.

Überrascht haben mich auch die grafischen Sexszenen. Nicht, weil ich es schlimm finde, sondern weil man in dem Moment wenig damit rechnet. Und trotzdem hatte ich nicht das Gefühl, dass sie unpassend waren. Nach einem kurzen "Hallo!" passten sie sich prima in die Geschichte ein und waren auf keinen Fall geschmacklos geschrieben.

Der einzige kleine Minuspunkt ist meiner Meinung nach das Ende. Die Geschichte baut sich, wie es sein soll, langsam auf und nimmt an Spannung und Geschwindigkeit zu, aber gegen Ende geht mir einfach alles zu schnell, zu viele Informationen prasseln auf den Leser ein und ziehen zum Teil auch an ihm vorbei. Hier hätten es meiner Meinung nach gut und gerne noch 20-30 Seiten mehr sein dürfen, um das alles zu verpacken.

Insgesamt war das Buch wirklich ein sehr spannendes Debüt. Ich bin auf jeden Fall neugierig auf mehr und hoffe, nochmal was vom Autor lesen zu können. Leider kann ich keine halben Kittens vergeben (könnte ich, ist ja mein Blog, aber das geht bei anderen Portalen nicht und denen habe ich das Bewertungsschema angepasst), sonst wären es auf jeden Fall sehr, sehr gute 4,5.

Bewertung:

Montag, 7. Mai 2012

I Am The Messenger von Markus Zusak

Zum Inhalt: Ed Kennedy ist fast 30 und kann nicht gerade auf ein von Erfolg gekröntes Leben zurückblicken. Er schlägt sich als Taxifahrer durch, lebt in einer runtergekommenen Hütte mit seinem Hund, dem "Doorman", all seine Geschwister sind auf der Überholspur unterwegs und seine Mutter mag ihn nicht, nutzt ihn aber trotzdem gern als Haussklaven und Packesel. Glücklich machen ihn eigentlich nur sein Hund und seine drei Freunde, mit denen er sich regelmäßig zum Kartenspielen trifft.

Doch eines Tages wird seine mühsam konstruierte Routine durchbrochen, als er Zeuge und Geisel bei einem Banküberfall wird und den Räuber stellt. Kurz darauf bekommt er die erste Spielkarte zugeschickt, auf welcher sich Hinweise befinden. Mal sind es Adressen, mal Rätsel, die Ed lösen muss. Dahinter verstecken sich Menschen, deren Leben er beeinflussen und verbessern soll. Wie, das muss er selbst rausfinden. Der ersten Karte folgen weitere und sie füllen Eds Leben, das bisher vor sich hingeplätschert ist, mit Inhalt.

Meine Meinung: Ich weiß immer noch nicht so recht, was ich von der Geschichte halten soll. Eins weiß ich: Ich liebe dieses Buch.Warum genau und wie ich das in Worte fassen soll, das gibt mir ähnliche Rätsel auf wie die, die Ed lösen musste.

Stellenweise ist das Buch sehr bizarr, wenig realistisch und dadurch trotzdem auf seltsame Weise real und urkomisch. Ed selbst ist ein wahnsinnig lustiger Protagonist, sarkastisch und mit einem herrlichen Humor gesegnet, die es ihm auch erlaubt, alles mit einer gehörigen Portion Selbstironie zu betrachten. Dennoch merkt man, welche Menschen ihm etwas bedeuten, welche Dinge ihm nah gehen und was ihn verletzt.

Mit dem Verlauf der Geschichte macht Ed eine Wandlung durch, die ich sehr schön beschrieben finde. Man merkt, wie er anfangs alles auf die leichte Schulter nimmt, sich später aber mit immer mehr Herzblut seiner unfreiwilligen Aufgabe widmet. Und ganz nebenbei tut er dies auch mit sich selbst und seinem Leben. Dinge, die er anfangs nur störend am Rande wahrgenommen hat, rücken immer mehr in sein Blickfeld, bis er sich schließlich dazu aufrafft und ihnen entgegen tritt, Probleme löst und Dinge klärt.

Die Story an sich finde ich einfach großartig und originell. Jede Aufgabe wird mit soviel Detail beschrieben. Selbst kleinere davon sind so originell und erscheinen so wichtig, dass man den Einfluss Eds auf die Leben der anderen förmlich spüren kann. Häufig sind es nur kleine Anstöße, die, wenn wir mal ehrlich sind, wir alle hier und da gut gebrauchen könnten, ein kleiner Hinweis auf das, was zählt und richtig ist.

Ich hatte beim Lesen unglaublich viel Spaß, obwohl es natürlich auch jede Menge "WTF"-Momente gab. Aber gerade die brachten mich dazu, noch mehr über die Handlung nachzudenken und noch mehr von den vielen schönen Details wahrzunehmen.

Ich kann wirklich jedem das Buch ans Herz legen. Nur darf man nicht voreingenommen an das Buch rangehen, wenn man zuvor "Die Bücherdiebin" von Markus Zusak gelesen hat. Die beiden Bücher haben so gar nichts miteinander zu tun, mal abgesehen von der Tatsache, dass der Autor auch hier wieder keine Berührungsängste zeigt, was vermeintliche Tabuthemen angeht.

Bewertung:

Montag, 9. April 2012

Memoirs of an Imaginary Friend von Matthew Green

Zum Inhalt: Budo ist etwas ganz Besonderes. Nicht, weil er ein imaginärer Freund ist, denn davon gibt es ganz viele. Sondern weil er schon so lange existiert. Normalerweise leben imaginäre Freunde nur kurze Zeit, manche sogar nur ein paar Stunden. Aber Budo lebt schon seit fünf Jahren.

Budo ist der imaginäre Freund von Max. Der ist jetzt neun Jahre alt und anders als andere Kinder. Er mag es, allein zu sein und hasst es, angefasst zu werden. Sein Vater glaubt sogar, dass mit ihm etwas nicht stimmt. Nur Budo darf immer bei Max sein. Aber plötzlich hat Max Geheimnisse vor ihm und verschwindet. Budo ist davon überzeugt, dass jemand seinen besten Freund entführt hat, aber das kann er natürlich niemandem sagen, denn nur andere imaginäre Freunde können ihn sehen und mit ihm sprechen. Also muss Budo selbst einen Weg finden, um Max zu helfen.

Meine Meinung: Ich hatte das Buch vor einiger Zeit in der Mayerschen gesehen und mich schon nach einer Seite verliebt. Aber mein Regal platzt ja momentan mal wieder, also packte ich es nur auf meine Amazon-Wunschliste. Immer wieder starrte ich es da an und war kurz davor, es zu bestellen. Als dann auch endlich der große Tag kam und mein Kindle bei mir eintrudelte, wusste ich dann sofort, dass das mein erstes eBook werden würde.

Schon bei den ersten paar Seiten musste ich an "The Curious Incident of the Dog in the Night-Time" von Mark Haddon. Das ist natürlich oberflächlich, aber Max's Denkweise, die durch Budo klar wird, ähnelt der von Christopher doch sehr. In seinem Kopf werden die Dinge stark vereinfacht, komplizierte zwischenmenschliche Sachen wie Sarkasmus, Zweideutigkeit oder Höflichkeit versteht er nicht. So ist auch Budo zunächst ein vermeintlich erwachsener imaginärer Freund. Mit der Zeit wird aber klar, dass er das ist, was Max sich unter einem Erwachsenen vorstellt. Er denkt zwar oft logischer, hat keine Angst, allein das Haus zu verlassen und kann Entscheidungen treffen, aber das alles basiert auch wieder darauf, was er durch Max gelernt hat. Und seine Welt dreht sich natürlich um Max. Nicht nur, weil er weiß, dass es für ihn das Ende bedeutet, wenn sein Freund ihn nicht mehr braucht, sondern auch, weil es eben sein bester Freund ist.

Da das Buch aus Budos Sicht geschrieben ist, ist der Leser fast allwissend. Genau wie Budo selbst. Denn der ist unsichtbar und kann durch Türen gehen. Er bekommt so natürlich Situationen und Gespräche mit, die andere Beteiligte nicht sehen können. Und genau das treibt einen auch in den Wahnsinn, wenn man plötzlich zu dem Punkt kommt, den Budo und man selbst eben nicht versteht oder wissen kann: Wo ist Max? Dazu bekommt man natürlich auch einen einfühlsamen Einblick auf die Sichtweise der anderen Beteiligten. Wie schwer es für die Eltern ist, mit einem so komplizierten Kind des Alltag zu bewältigen, obwohl keiner von ihnen wirklich weiß, wie er damit umzugehen hat. Wie auch die Lehrer alle meinen, genau zu wissen, wie sie Max zu behandeln haben und trotzdem jeder ihn eigentlich nur wie ein rohes Ei behandelt.

Das Buch ist unglaublich einfach geschrieben und liest sich so quasi in einem Rutsch durch. Und trotzdem hat Matther Green hier etwas sehr Komplexes geschaffen. Denn wie das alles mit unsichtbaren Freunden funktioniert, wie es sein kann, dass es so viele verschiedene Arten gibt, das ist bei genauer Betrachtung wahnsinnig schwer nachvollziehbar. Und trotzdem liest es sich so natürlich und zu keinem Zeitpunkt habe ich mich anstrengen müssen, um das überhaupt alles zu verstehen. Es ist eben so natürlich, als ob wirklich Budo - oder durch ihn auch Max - alles erzählt.

Ich fand "Memoirs of an Imaginary Friend" ganz bezaubernd. Ein schwieriges Thema so leicht und flockig zu verpacken, dass man zwar emotional ist, aber trotzdem dabei lachen kann, ist wirklich eine Kunst. Durch die leichte Sprache, die eben doch der eines Neunjährigen entspricht, ist es übrigens auch super für alle, die gern mehr englische Bücher lesen würden und deshalb auf der Suche nach leichter Einsteigerlektüre sind.

Bewertung:

Dienstag, 15. November 2011

Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer


Zum Inhalt: Eigentlich wollte Emmi doch nur ein Abo kündigen. Aufgrund ihres "Ei"-Problems landet die Kündigungsmail jedoch bei Leo. Und auch die zweite. Und die dritte. Und dann noch ihre Weihnachtspost, die eigentlich an alle Kunden gehen sollte. Irgendwie scheint das Schicksal es zu wollen, dass Emmi und Leo sich schreiben. Und das Schicksal will es so lang, bis auch Emmi und Leo es wollen. Und so wollen sie zuerst den regen Mailverkehr, dann die guten Gespräche und schließlich einander.

Meine Meinung: "Gut gegen Nordwind" ist komplett in einzelnen E-Mails geschrieben. Dadurch liest es sich zwar schön flüssig, riskiert aber auch, seine Leserschaft zu polarisieren. Der eine mag das, der andere nicht. So fehlen dem Leser jedenfalls komplett sämtliche Beschreibungen und er ist nicht, wie in vielen anderen Romanen, allwissend oder stummer Beobachter. Er bekommt immer genau das zu lesen, was der jeweilige Empfänger auch in seinem Mailfach gefunden hat. Das stellt ihn zunächst einmal vor die schwierige Aufgabe, sich abwechselnd in Emmi und Leo hinein zu versetzen. Ohne das bekommt man leider schnell einen falschen Eindruck. Dann wirkt Emmi plötzlich zickig und abweisend und Leo schwierig und selbstgefällig.

Auch gefühlsmäßig nüchternen Menschen möchte ich dieses Buch nicht empfehlen. Wer glaubt, dass Menschen wirklich immer das meinen, was sie sagen bzw. schreiben und dass es zwischen den Zeilen nichts zu lesen gibt, der wird an diesem Buch verzweifeln. Warum um Himmels Willen treffen sie sich nicht endlich? Warum wissen sie nach Monaten täglichen Mailverkehrs immer noch so wenig "Reales" voneinander? Weshalb reden sie ständig um den heißen Brei herum? Das sind Dinge, die man wohl nur dann verstehen kann, wenn man selbst genug Unordnung in seinem Kopf hat und nicht immer klar denkt, wenn es um zwischenmenschliche Situationen geht. Wenn man weiß, was es heißt, wenn das eigene Leben doch eigentlich sehr gut und ordentlich ist...und man doch immer wieder Zweifel an sich selbst und anderen Menschen und deren Intention hat. Das alles sind Dinge, die so eigentlich nie in Gesprächen angesprochen werden. Jedenfalls nicht direkt. Wir reden und reden und die eigentlichen Fragen werden doch oft nie gestellt. Und so stellen auch Emmi und Leo sie nicht. Wie gesagt, man muss sich in diese Schreibweise verlieben und das setzt voraus, dass man die Denkweise der Charaktere auch nur ansatzweise nachvollziehen kann. 

Wartet man hingegen darauf, dass etwas passiert, etwas Großes, etwas Hollywood-mäßiges, dann wartet man vergeblich. Denn faktisch passiert eigentlich nichts. Die Freundschaft der beiden entwickelt sich, mal mehr, mal weniger rasant. Aber es gibt keine Ereignisse an sich, die mit vielen großen Worten beschrieben werden. Auch hier ist wieder der Leser gefragt. Er muss in den Worten der beiden Protagonisten selbst die Bedeutung erkennen, sonst liest man halt nur ein paar Mails eines Schriftwechsels, welcher einen selbst so gar nicht betrifft.

Bei mir hat das recht gut geklappt, wobei mein Problem eher war, dass ich mich in die Situation der beiden nicht hineinversetzen konnte. Ihr Gefühlschaos konnte ich verstehen, die Hintergründe in meiner jetzigen Lebenssituation weniger. Schön fand ich dagegen, Momente, in denen es gar nicht so sehr um Emmi und Leo ging bzw. welche man so auch in jeder beliebigen Sekunde wahrscheinlich überall auf der großen Datenautobahn finden würde, wenn man mal eben einzelne E-Mails verfolgen könnte. Jeden Tag haben Personen solche und ähnliche Gespräche. Und das ist wohl auch das, was dieses Buch so gut macht. Es geht um Emmi, die "glücklich verheiratet" ist mit "zwei Stiefkindern, einem Hund, aber keinen Streifenhörnchen" und um Leo, der immer mal wieder unglücklich frisch getrennt von Marlene ist. Und doch geht es eigentlich um jeden, der schon einmal den perfekten Gesprächspartner, Zuhörer oder vielleicht sogar eine Art "Seelenverwandten" in einem völlig Fremden gefunden hat.

Insgesamt fand ich das Buch in sich stimmig, durch die einzeln E-Mails auch locker geschrieben und konnte immer mal wieder nicken oder sogar lachen, weil ich mich doch in der einen oder anderen Aussage selbst finden konnte.

Bewertung: 

Mittwoch, 9. November 2011

Wir sind die Könige von Colorado von David E. Hilton


Zum Inhalt: Es ist das Jahr 1963, Will ist gerade einmal dreizehn Jahre alt. Bereits seit Jahren wird er immer wieder Zeuge wie sein Vater seine Mutter verprügelt und vergewaltigt. Und immer öfter ist auch er selbst Opfer der Gewalt. Bis er es nicht mehr aushält und seinem Vater ein Taschenmesser in die Brust sticht. Daraufhin wird er zu zwei Jahren Haft verurteilt, welche er jedoch nicht in irgendeinem Jugendknast verbringt, sondern auf einer Ranch in Colorado. Dort warten nicht nur harte Arbeit und ein streng geplanter Tagesablauf auf ihn, sondern auch noch jede Menge mehr Gewalt, als er es sogar von seinem Vater gewohnt war. Zum einen sind da natürlich die Aufpasser, welche in vielen Fällen tatsächlich die Pferde auf der Ranch besser behandeln als die Kinder. Allen voran Frank Kroft, dem das Leiden der Kinder sogar Spaß bereitet. Zum anderen gibt es aber auch unter den anderen Gefangenen einige fast schon sadistische Personen, welche Will das Leben schwer machen.

Aber zwischen all der Gewalt und Grausamkeit findet Will auch wunderbare Freunde - und das nicht nur unter den Menschen.

Meine Meinung: Ich weiß gar nicht, was ich zu diesem Buch schreiben soll. Ich habe das Gefühl, dass Worte ihm kaum gerecht werden können. Ich hatte ja bereits bei fireez gelesen, wie sehr sie dieses Buch umgehauen hat. Das war ja auch der Grund, weshalb ich bei ihrem Gewinnspiel mitgemacht hatte. Ich glaube, wenn ich die Inhaltsangabe im Buchladen gelesen hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Buch zu lesen. Und das wäre wirklich eine Schande gewesen.

Ich habe es angefangen und war sofort in der Geschichte drin. Sprachlich ist es sehr flüssig und klar geschrieben, was sehr gut zum Charakter von Will passt, aus dessen Sicht es geschrieben ist. Zwar ist er aufgrund der Ereignisse verwirrt und sorgt sich um seine Mutter und sich selbst, aber dennoch merkt man immer wieder, dass er letztendlich den Blick für das Wesentliche behält und recht einfach gestrickt ist. Das spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Sie ist unverschnörkelt, aber realistisch und wirkt dadurch nicht dramatisch, aber emotional.

Die Charaktere sind geradezu unfassbar gut und real beschrieben. Jeder hat seine eigene Geschichte und es gibt zu fast jedem einen Einblick in dessen Vergangenheit und die Umstände, unter denen er auf die Ranch kam. Ich hatte schon etwa nach der Hälfte des Buches das Gefühl, jeden einzelnen von ihnen persönlich zu kennen. So empfand ich nicht nur Sympathie für einige von ihnen, sondern echte Wut anderen gegenüber und stellenweise auch echte Trauer. Ich konnte auf jeder Seite Wills Gefühle nachempfinden und so auch seine Reaktionen verstehen.

Es gibt viele wirklich wunderschöne Momente, die so simpel und vielleicht gerade deshalb so besonders waren. Aber ihnen gegenüber steht jedes Mal auch die grausame Realität, welche Will und die anderen "Könige" immer wieder einholt. Und diese besteht aus solch einer Masse an Gewalt und Grausamkeit, dass ich manchmal echt einfach nicht weiterlesen konnte. Dabei gibt es zwar viele Momente, die wirklich eklig sind und die, wäre dies ein Film, fast schon in die Kategorie "Splatter" fallen würden, aber dennoch rutscht Hilton hier nie auf ein plattes Niveau ab, dass nur darauf aus ist, den Leser durch Grauen und Ekel zu faszinieren. Viel mehr weckte das in mir noch mehr Sympathie für die Charaktere und ihr Handeln und ließ mich verstehen, warum Kleinigkeiten wie z.B. ein Foto von Wills Mutter ihnen so viel bedeuten. Das Schlimmste ist, dass man sich gar nicht sicher sein kann, wie fiktiv und unrealistisch die Geschehnisse dieses Buches sind. Die Ranch ist relativ abgeschieden von allen umliegenden Orten und vielleicht ist es gerade das, was alle Anwesenden dazu bringt, ohne Reue zu handeln. Vielleicht gibt es aber auch Menschen, die tatsächlich einfach "böse" sind? Letztendlich ist es diese Frage, die der Leser sich immer wieder stellt und deren Antwort wohl jeder für sich anders finden muss.

Ich bin jedenfalls begeistert von "Wir sind die Könige von Colorado" und zähle es schon jetzt zu meinen Lieblingsbüchern. Insofern möchte ich mich auch nochmal bei fireez bedanken für den Lesetipp und das Gewinnspiel!

Bewertung:

Montag, 31. Oktober 2011

The Angel's Game von Carlos Ruiz Zafón

Zum Inhalt: David Martín schlägt sich als Autor durch. Er liebt das Schreiben, kommt aber nie wirklich dazu, diese Leidenschaft auszuleben. Stattdessen schreibt er für immer wieder neue Auftraggeber Geschichten, nur um davon leben zu können. Die einzige Veröffentlichung, bei welcher er wirklich mit Leib und Seele dabei war, floppt komplett und der einzige, der an sein Talent zu glauben scheint, ist ein zunächst anonymer Fan. Dieser entpuppt sich als reich und machtvoll und macht David ein unwiderstehliches Angebot. Doch auch hier bekommt er wieder einen Auftrag, an welchen er sich zu halten hat - und diesmal stellt dieser Auftrag auch seine eigenen Moralvorstellungen auf die Probe. Zugleich geschehen seltsame Dinge in Davids Leben, welche alle irgendwie zusammen zu hängen scheinen.

Meine Meinung: Ich kann kaum zählen, wie oft ich Positives über Carlos Ruiz Zafón gehört habe. Immer wieder taucht er in Listen von Lieblingsautoren auf. Und das nach relativ wenig Veröffentlichungen. Mit einer Bibliografie, welche gerade einmal fünf Veröffentlichungen umfasst, ähneln die Lobpreisungen, die ich bisher gehört habe, denen, welche sich sonst auf die "alten Meister" beziehen.

Bisher hatte mich allerdings keines seiner Bücher inhaltlich so sehr angesprochen, dass ich es schnellstmöglich hätte lesen wollen. Nicht so bei "The Angel's Game". Da ich selbst gerne schreibe und natürlich wie jeder, der auch nur einen Satz in seinem Leben geschrieben hat, davon träume, damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen, konnte ich mich in die in der Inhaltsangabe beschriebene Geschichte gleich reindenken. Vielleicht habe ich mir auch deshalb einfach was ganz anderes (zuviel?) von dem Buch versprochen. Und konnte schließlich nur enttäuscht werden.

Tatsächlich habe ich mich mehr schlecht als recht durch die zweite Hälfte gequält. Es passiert einfach zu viel, es gibt zu viele Nebenhandlungen. Anfangs stürzt man sich mit großen Interesse in diese hinein, aber dann scheint sich keine wirklich zu entwickeln oder von großer Relevanz für den Haupthandlungsstrang zu sein. Das Buch bietet wirklich eine riesige Menge an Potenzial und fantastischer Ideen. So gibt es z.B. eine Art "Bücherfriedhof", ein riesiges Kellergewölbe, in welches jeder Eingeweihte ein seiner Meinung nach wertvolles Buch zur Aufbewahrung und Rettung bringen darf, solang er im Gegenzug ein anderes mitnimmt und schwört, für immer dafür zu sorgen, dass dieses Exemplar nicht verloren geht oder vernichtet wird. Dies ist nur ein Beispiel für die vielen wunderbaren Ideen, welche Ruiz Zafón hier erwähnt. Aber leider werden viele davon auch wirklich nur erwähnt bzw. haben keine besonders große Auswirkung auf den Rest der Geschichte. Stattdessen wird der Leser quasi erschlagen von der Fülle dieser Ideen. Hier hätte ich persönlich es besser gefunden, weniger davon einzubringen, ihnen dafür aber mehr Bedeutung beizumessen.

Der Schreibstil hat mich oft sehr an Anne Rice erinnert. Auch bei ihr mochte ich die Geschichten immer sehr und wollte unbedingt wissen, wie es weitergeht, fand eigentlich jedes Buch für sich wunderbar - und quälte mich doch meist durch. Denn immer, wenn man gerade so richtig schön im Lesefluss ist und es richtig spannend wird, wird die Handlung wieder durch langwierige Abhandlungen über Recht und Unrecht, Moral und Sünde, Leben und Tod, usw. unterbrochen. Stellenweise ist das gut und wichtig, denn die moralische Zwickmühle, in der David steckt und die damit verbundenen Unstimmigkeiten zwischen ihm und seinem Auftraggeber sind der Hauptbestandteil der Geschichte. Doch irgendwann wollte ich einfach nicht mehr weiterlesen und habe die langen Dialoge (und oft auch Monologe) nur überflogen. Stellenweise kommt es innerhalb weniger Tage zu mehreren Treffen zwischen David und seinem Auftraggeber und bei jedem kommt es zu solch langen (Streit-)Gesprächen, sodass dazwischen keine zehn Seiten Handlung liegen. Das hat zumindest mir den Lesespaß ordentlich vermiest.

Die Charaktere hingegen finde ich ausnahmslos auf ihre Weise interessant. Nur leider gibt es auch hier zu viele von ihnen, welche letztendlich dafür sorgen, dass auch hier alles etwas überladen wirkt. Dennoch hat jeder für sich eine Auswirkung auf die Geschichte und David und, wie gesagt, ich mochte sie alle oder fand sie zumindest faszinierend, also kann ich darüber noch einmal hinwegsehen.

Da die Geschichte an sich mir trotz des zähen Erzählstils sehr gefallen hat, kann ich immerhin noch drei Kittens vergeben. Ich glaube, wäre sie von einem anderen Autor erzählt worden oder hätte man gute 100 Seiten an Dialogen und Monologen gestrichen, wäre es ein glattes 5 Kittens-Buch geworden.

Bewertung:


Das war übrigens mein einziges Buch zum Themenlesen im Oktober. Gerade eben noch geschafft. Puh! :)