Montag, 19. Dezember 2011

Santaland Diaries von David Sedaris

Zum Inhalt: In einer Reihe von Kurzgeschichten erheitert David Sedaris den Leser mit dem allgemeinen Wahnsinn, der sich in der Vorweihnachtszeit so ergibt. Teils überspitzt, teils komplett aus dem Leben gegriffen beschreibt er das, was das "Fest der Liebe" für die meisten Leute eben so ausmacht: Konsumwahn und Familienkrach.


Meine Meinung: David Sedaris hat für mich immer schon ziemlich genau ins Schwarze getroffen, was seine Beschreibung vom täglichen Leben angeht. Die von mir bisher gelesenen Bücher waren alle eher autobiographisch. "Santaland Diaries" hingegen scheint mir zumindest teilweise pure Fiktion zu sein. Was die Sache aber wiederum nicht schlechter macht. Besonders die erste Geschichte mit dem Nebenjob als Weihnachtself in New York hat mich doch einige Male zum lachen gebracht. Sedaris beschreibt hier ziemlich genau den Wahnsinn, den man im Einzelhandel um die Zeit erlebt. Natürlich wirkt auch hier wieder vieles überspitzt, aber wenn ich mir anschaue, was momentan so in den Geschäften los ist, kann ich mir auch gut vorstellen, dass es in Amerika, und gerade in New York, doch der Wahrheit entspricht.


Dass ich für das Buch trotzdem nur drei Kittens vergeben kann, liegt eigentlich auch nur an zwei Sachen: Zunächst einmal klappt das mit mir und (zusammenhanglosen) Kurzgeschichten einfach nicht so. Ich versuche es immer wieder, gerade bei Autoren, die ich liebe, aber ich komme da einfach nicht rein. Da kann zwar das Buch nichts für, aber dennoch kann ich natürlich nur so bewerten, wie es mir gefallen hat. Zum anderen fehlte mir einfach an vielen Stellen eine versöhnliche Note. So übel ist Weihnachten ja auch nicht. Wenn man erstmal den Stress hinter sich hat, gibt es ja auch viele schöne Momente in der Vorweihnachtszeit und beim Fest selbst. Das wird hier kaum zur Sprache gebracht. Ich bin es von David Sedaris eigentlich gewohnt, dass es diese schlussendliche "Versöhnung" ja doch irgendwie gibt. Gerade für mich als Teilzeit-Grinch wäre das hier auch wünschenswert gewesen. Denn auch ich gehöre zu denen, die beim ersten "Last Christmas" im August erstmal die Augen verdrehen und die momentan eher zähneknirschend durch die Läden stapfen. Aber ich kann auch spontan eine mehrseitige Liste der Sachen erstellen, die mir an der Vorweihnachtszeit gefallen und auf die ich mich jedes Jahr aufs neue freue. Stattdessen ist es sogar so, dass die zweite Geschichte komplett am Thema vorbei zu gehen scheint. Der darin beschriebene Brief ist zwar lustig geschrieben, hätte jetzt aber nicht unbedingt auf Weihnachten bezogen sein müssen. Sehr schade. Vielleicht hätte sich David Sedaris eher einen Gefallen getan, wenn er bei dem Thema Weihnachten doch wieder auf (mehr) wahre Begebenheiten aus seinem eigenen Leben zurückgegriffen hätte.

Daher gibt es für "Santaland Diaries" von mir eben leider nur eine mittelmäßige Bewertung.


Bewertung:

Dienstag, 6. Dezember 2011

Forbidden von Tabitha Suzuma


Zum Inhalt: Lochan liebt Maya und Maya liebt Lochan. Das Problem ist: Sie sind Geschwister. Doch damit nicht genug. Aufgrund der ständigen Abwesenheit ihrer alkoholkranken Mutter sind sie auch noch für ihre drei jüngeren Geschwister verantwortlich. Dazu haben beide auch noch ihre eigenen Probleme, besonders Lochan, der mit einer ganzen Reihe psychischer Probleme zu kämpfen scheint.

Meine Meinung: Wow, das war mal harter Tobak! Besonders deshalb, weil man bei einem Jugendbuch gar nicht mit einer solchen Wucht von Drama rechnet. Ich bin auch eigentlich nicht der Meinung, dass es sich hiermit um geeignetes Material für jüngere Leser eignet. Das steht auch auf dem Buch und trotzdem stand es in der Jugendbuchabteilung, also geht man wohl davon aus, dass es zumindest ab 16 gelesen werden kann. Meiner Meinung nach handelt es aber von einigen Dingen, mit denen auch Jugendliche in den Alter (Gott sei Dank) in der Regel noch nichts anfangen können.

Dabei ist das, was man laut Klappentext hier als Hauptthema vermutet, eigentlich nur die Spitze des Eisberges. Die Geschwisterliebe an sich und deren Beschreibung - auch die intimeren Szenen - habe ich hier gar nicht so skandalös empfunden und durchaus auch für junge Leser anschaulich beschrieben. Man merkt auch, wie die Zuneigung zueinander Maya und Lochan belastet, wie sie sie aber doch als eine Art kleinen Sonnenstrahl in ihrem sonst eher trüben Leben sehen. Dadurch entwickelt sich natürlich ein Zwiespalt für die beiden, in welchem sie sich gefangen sehen zwischen der Moral und dem Wunsch, beieinander zu sein.

Doch wie gesagt, das ist eigentlich nur ein kleiner Teil des Buches. Eigentlich geht es zu großen Teilen um Lochan und dessen Probleme. Er ist eine sehr komplizierte Persönlichkeit, kämpft mit Depressionen und einer Art Phobie vor der Interaktion mit anderen Menschen. Eigentlich ist er nur zu Hause bei seinen Geschwistern er selbst. Hier versucht Tabitha Suzuma immer wieder, die Gefühle und Gedankengänge zu beschreiben, was teilweise in seitenlangen sehr komplexen inneren Monologen endet, die für Außenstehende nur schwer nachvollziehen sind. Obwohl mich psychische Krankheiten als Thema interessieren, musste auch ich hier oft passen und habe große Passagen überflogen. Zumal sie oft Wiederholungen beinhalteten. Das Buch ist in Kapitel unterteilt, welche abwechselnd aus Lochans und aus Mayas Sicht geschrieben sind. So beschreibt Lochan häufig Dinge aus seiner Sicht, welche Maya bereits beschrieben hat. Und da seine Gedankengänge weitaus komplexer sind, muss ich zugeben, dass ich beim Lesen oft gedanklich abgedriftet bin. Ja, manchmal war ich sogar wütend auf ihn, weil er so irrational ist und mich damit langweilte.

Die Stellen hingegen, die die Beziehung der beiden und das Zusammenleben mit ihren Geschwistern beschreiben, fand ich wirklich gut und spannend. Hier wollte ich auch immer wissen, wie es weiter geht und konnte viele Gefühle und Reaktionen gut nachvollziehen. Die Wut auf den rebellischen Teenie-Bruder Kit z.B. kann ich sehr gut verstehen, genauso die Schuldgefühle, die die beiden haben, wenn sie für die kleine Schwester Willa nicht genug Zeit haben, obwohl das eigentlich gar nicht ihre Aufgabe sein sollte.

Insgesamt hätte ich mir gewünscht, dass Frau Suzuma nicht so viele komplexe Themen in einem Buch verarbeitet. Das Thema Geschwisterliebe an sich wirft schon so viele Probleme und Fragen auf, dass es gereicht hätte, ebenso tun es psychische Probleme. Gerade bei einem Jugendbuch frage ich mich, ob es nötig ist, gleich alle auf einmal zu behandeln.

Bewertung: 

Sonntag, 4. Dezember 2011

Self-Portrait #1

Ich mag ja solche Filler-Entries sehr gerne, in denen der Blogbetreiber auch mal etwas über sich selbst schreibt. Besonders bei themenbasierten Blogs wie diesem bekommen Leser sonst ja eher zwischen den Zeilen mit, wer sie verfasst hat. Ich schaue gerade Criminal Minds und denke mir, dass die Leute da sicher anhand der Bücher, über die ich schreibe, und meine Meinungen zu ihnen ein ziemlich genaues Bild von mir bekommen könnten. Der normale Leser aber kann das nicht, behaupte ich jetzt mal.

Deshalb habe ich mir überlegt, hier ab und an mal Einträge unter der neuen Rubrik "Self-Portrait" zu verfassen. Darin liste ich dann auf, was ich momentan so schaue, höre, etc. und meine Gedanken dazu. Das habe ich schon öfter mal in Blogs verschiedener Kategorien gesehen und fand es immer recht interessant. Ab und zu habe ich dadurch sogar neue Musik, Filme, etc. gefunden. Und selbst, wenn das hier bei niemandem dazu führt, machen mir die Einträge immerhin selbst Spaß. :)

Dann mal los...


Im Moment höre ich...



Letzten Dienstag war ich bei Frank Turner in Köln. Frank war mal wieder super und seitdem kann ich auch nicht mehr genug kriegen von dem Song.


Im Moment schaue ich...
New Girl, Season 1 - Ich liebe ja Zooey Deschanel. Seitdem ich die Serie bei Sidereel entdeckt habe, sogar noch mehr. Ihr Charakter Jess ist so richtig schön peinlich - und sie schämt sich kein Stück dafür, was sie umso liebenswerter macht. Außerdem habe ich einen kleinen "weird crush" auf Schmidt.


Im Moment spiele ich...
Restaurant City: Gourmet Edition auf dem iPhone. Ich bin dem Spiel ja schon bei Facebook verfallen, aber jetzt kann ich auch auf dem iPhone ständig an meinem Restaurant rumbasteln. Und das Beste (für mich, andere finden's sicher doof): Man muss da ein neues Restaurant erstellen. So kann ich endlich nochmal neu anfangen, ohne ein neues Facebook Profil zu erstellen (und damit gegen die Regeln zu verstoßen).


Der letzte Film, den ich gesehen habe, war...
Eine Insel namens Udo - An sich sehr lustig. Kurt Krömer spielt Udo, der eine Art Krankheit hat. Und zwar ist er so durchschnittlich und langweilig, dass er für andere unsichtbar ist. Eigentlich stört ihn das nicht, denn er nutzt das gut aus, um sich Vorteile zu verschaffen. Wenn er doch gesehen werden will, muss er die jeweilige Person ja nur ansprechen. Dann trifft er aber Jasmin, die ihn auch so sehen kann. Insgesamt fand ich den Film ganz amüsant. Es gab viele lustige Momente und ich mochte auch, dass Jasmin nicht übertrieben perfekt und Udo unnatürlich freakig war, wie es oft in solchen Filmen ist.

Donnerstag, 1. Dezember 2011

Neue Bücher #6

Tjaja, was soll ich sagen? London hat mich diesmal zu einem neuen Rekord beflügelt. Und doch habe ich meine Erwartungen untertroffen. Mein Budget für Bücher war eigentlich viel höher gesetzt, was aber auch daran lag, dass ich mir eventuell endlich ein Harry Potter-Boxset zulegen wollte. Sie hatten aber nur das hässliche rote und dann auch noch viel teurer als bei Amazon. Also wurden es "nur" sieben Bücher. Und weil ich gerade so schön im Flow war, wurden es dann am Dienstag in Köln nochmal drei mehr. Ja, ich weiß, wer kauft denn schon in Köln (englische) Bücher, wenn er zwei Tage vorher in London war. Aber ich war halt zu einem Konzert da und vorher eine Runde shoppen und wenn ich schonmal da war, konnte ich ja auch nicht die sagenumwobene Mayersche am Neumarkt umgehen, oder?

Aber dann lasst mich mal auf meine neuen Schätze eingehen:

"Forbidden" von Tabitha Suzuma
Wie lange habe ich dieses verdammte Buch jetzt gejagt? Ich war fast schon bereit, es als gebundene Ausgabe zu lesen. Aber irgendwie war ich auch zu stur, es bei Amazon zu bestellen. Und bei Waterstones hatten sie es endlich. Ich hatte ja fast schon erwartet, es noch nicht mal in London zu finden. Weil ich so lang gewartet habe, habe ich's dann auch noch in London angefangen und bin bisher sehr angetan.

"Rivers of London" von Ben Aaronovitch
Das Buch fiel mir gleich als erstes ins Auge. Naja, bzw. der Nachfolger. Beide waren sogar mit 25% Rabatt zu haben, aber da ich weder den Autor noch die Bücher kenne, habe ich erstmal den ersten Teil mitgenommen. Ein Blurb auf dem Buchrücken beschreibt es als "Harry Potter meets Crime". Auf das Buch bin ich so richtig gespannt!

"The Perks of Being a Wallflower" von Stephen Chbosky
Es ist ja schon ein kleiner Klassiker und ich wollte es schon recht lange lesen. Mitgenommen habe ich es dann doch eher durch Zufall, denn es lag auf einem Tisch in der Ecke, wo ich eher ungeplant gelandet bin. Sonst hätte es vermutlich noch länger in der Kategorie "Joa, müsste man mal lesen..." auf meinem Wunschzettel rumgedümpelt. Jetzt freue ich mich aber doch drauf, dass ich hoffentlich bald endlich mal dazu komme.

"The Santaland Diaries" von David Sedaris
Seit ich "Me Talk Pretty One Day" gelesen habe, bin ich großer Fan von David Sedaris. Er gehört zu den Autoren, die einem sofort sympathisch sind und die mir gerne noch weiter von sich und ihrem Leben erzählen dürfen. Eigentlich ist er so ziemlich mein Hape Kerkeling unter den Autoren. Das heißt aber auch, dass ich nicht so wirklich verfolge, was er macht, sondern alles eher durch Zufall mitbekommt. So auch dieses Buch. Es lag auf dem obligatorischen Weihnachtstisch bei Waterstones. Allerdings nicht auf dem mit den grausamen "Familienromanen", wo irgendwelche Katzen oder Hunde die tüddelige Oma, den rebellischen Enkel und den verloren geglaubten Onkel doch wieder unterm Weihnachtsbaum vereinen, sondern auf dem in der Gay & Lesbian-Ecke. So ganz verstehe ich diese Ecken nicht, denn nur weil der Autor homosexuell ist, müssen seine Werke ja nicht "speziell" sein, aber trotzdem finden sich in der Ecke viele meiner Lieblingsautoren wieder. Und so wurde ich auch diesmal wieder fündig. Und ich habe mal wieder ein schönes Buch für die Weihnachtszeit, wenn nicht so kitschig und doch passend wirkt.

"Sleeping Arrangements" von Madeleine Wickham
Ich verstehe es nicht. Sophie Kinsella ist wohl DIE Größe der Chick Lit. Und doch finden sich so gut wie keine Bücher unter ihrem "richtigen" Namen hier in Deutschland. Nachdem ich in London quasi die gesamte Bibliographie fand, hatten sie dann in Köln auch das ein oder andere Buch, aber da hatte ich dieses schon aus England mitgebracht. Da ich nicht weiß, wie sehr sich der Schreibstil mit den Werken als Sophie Kinsella (welchen ich liebe!) vergleichen lässt, habe ich erstmal eins mitgenommen. Von der Beschreibung her, fand ich die Geschichte am ansprechendsten.

"When God Was a Rabbit" von Sarah Winman
Ja, ich gebe es ja zu: Bei dem Buch hat mich das Cover zuerst angezogen. Die Schrift glitzert so schön in blau! Aber beim Anlesen fand ich auch die Geschichte super. Und während ich rumgesucht und meine Mom irgendwo in der Buchhandlung "geparkt" hatte, hat sogar sie über ein Dutzend Seiten gelesen, obwohl sie kaum Englisch verstehe. Dann kann es ja nur gut sein, oder? :)

"One Day" von David Nicholls
Der Roman zum Film "Zwei an einem Tag". Ich bin kein großer Fan von Anne Hathaway und es wollte auch niemand mit mir in den Film. Und eigentlich klingt es auch nach einer Geschichte, die ich lieber lesen würde. Bestes Beispiel ist auch "Eat, Pray, Love". Da hatte ich auch dieses Gefühl, hab' dann doch eher den Film gesehen und war so enttäuscht, dass ich das Buch jetzt gar nicht mehr lesen möchte.

"The Lake of Dreams" von Kim Edwards
Auch hier hat mich wieder zuerst das Cover angesprochen. Und das auch noch auf dem Weg zur Kasse in der Mayerschen, als ich mir schwor, absolut kein weiteres Buch mitzunehmen! Oh man! Aber als ich es in die Hand nahm, um "nur schnell den Blurb zu lesen", wusste ich schon, dass ich es mitnehmen würde. Kennt ihr das? Wenn man sich quasi in ein Buch "verliebt" und weiß, dass man es haben muss, obwohl man es nicht erklären kann? Oh man!

"Kalte Asche" von Simon Beckett
Nachdem ich "Die Chemie des Todes" sooo super fand, war es ja nur eine Frage der Zeit, bis der zweite Teil seinen Weg in mein Regal finden würde. Also brachte ich es schnell hinter mich. Ich weiß nämlich nicht, wie lange ich warten kann, bis ich es mir greife und dann soll es möglichst in Reichweite sein.

"The Time of My Life" von Cecelia Ahern
An dem Buch bin ich jetzt ein paar Mal vorbei gegangen und fand es eigentlich nie so spannend. Die Geschichte erscheint mir von der Beschreibung her so la-la und auch das große Format und der damit verbundene hohe Preis stießen mich ab. Dann erzählte mir eine Freundin davon und erzählte mir, dass sie es liest, weil eine ihrer Freundinnen es als "ihre Bibel" beschrieben hat. Und sie fand es auch richtig toll. Danach habe ich noch ähnliche Beschreibungen davon gehört und dann musste es jetzt halt mit. Ich bin ja mal gespannt. Bei "PS, I Love You" hat mich die Geschichte an sich auch zuerst nicht interessiert und dann hat es mich so umgehauen, dass ich danach noch nicht einmal den Film gesehen habe, weil ich das nicht brauche. Ähnlich war es mit "Where Rainbows End", während die anderen Romane, die ich bisher von Cecelia Ahern gelesen habe, mich nicht begeistern konnten. Daher bin ich jetzt mal gespannt.


Ohje, ich merke gerade, dass ich sie alle auf einmal lesen möchte! Und ich sollte mich auch ranhalten, denn mein SuB steht schon wieder auf 34.

Montag, 28. November 2011

A Cat Called Norton von Peter Gethers

Zum Inhalt: Peter mag Hunde und hat auch schon genaue Vorstellungen davon, was für einen er haben möchte, wie dieser heißen soll und wie sich das Leben mit dem besten Freund des Menschen so gestalten soll. Katzen dagegen hasst er abgrundtief. Bis seine Freundin in plötzlich vor vollendete Tatsachen stellt: Er ist ab sofort Ziehvater, bester Freund und Mitbewohner von Norton, einem kleinen Scottish Fold-Kater. Der ist nicht nur durch seine exotische Rasse (diese zeichnet sich durch die eingerollten Öhrchen aus) irgendwie "anders" und so überrascht es eigentlich niemanden, dass Peter quasi über Nacht zum "crazy cat gentleman" wird.

Meine Meinung: Schon beim Cover wollte ich ja quasi dahinschmelzen. Und auch schriftlich stellt sich Norton genau so niedlich dar. Dabei habe ich aber festgestellt, dass das Lesevergnügen hier tatsächlich der Anschaffung eines Kätzchens gleicht. Anfangs ist alles süß und toll und man sucht erst gar nicht nach dem Haken. So nach und nach kommt dann aber doch die Realität ins Spiel. Als Katzenbesitzer sind das dann zerkratzte Möbel, bei Norton ist das die Frage, wie viele der erzählten Geschichten tatsächlich wahr sind. Oder hat Peter Gethers da doch einige Sachen ein wenig sehr ausgeschmückt?

Grundsätzlich ist natürlich auch hier wieder offensichtlich, dass der Autor seine Katze als Vorwand nutzt, um ein wenig autobiografisch zu schreiben. In dem Fall ginge das auch kaum anders, denn wo er ist, ist auch Norton. Ja, tatsächlich bereist der Kater sogar die Welt mit ihm, und das per Auto, Fähre, Flugzeug. Und das oft als richtiger Passagier, also nicht eingesperrt in einem Container. Er begleitet ihn auch in Restaurants oder zu geschäftlichen Anlässen. Somit ist Nortons Geschichte natürlich auch seine eigene. Als Katzenbesitzer kommt man da natürlich in Versuchung. Er beschreibt zwar auch einzelne Probleme, die er z.B. bei der Buchung von Hotelzimmern hat. Nicht jedes Hotel ist begeistert von vierbeinigen Gästen. Grundsätzlich ist es aber überraschend unproblematisch für ihn, Norton wie einen menschlichen Freund mitzunehmen. Und darf man seinen Schilderungen glauben, ist das in Europa sogar noch einfacher, ja, die Hoteliers seien geradezu verrückt nach Haustieren in Begleitung ihrer Gäste. Das bringt mich natürlich dazu, mich zu fragen, wie es denn wohl wäre...?! Aber nein, ich bin mir sicher, dass meine zwei Miezen garantiert nicht ruhig auf ihrem Stuhl säßen, bis ich mit dem Abendessen fertig bin. Und sie folgen mir auch sicher nicht mehrere Kilometer zu Fuß zum Supermarkt. Da fangen dann auch meine Zweifel an. Dass eine Katze das mal macht, mag sein. Aber immer? Und das angeblich aus freien Stücken, ohne dass man ihr dieses Verhalten antrainiert hat? Damit würde Norton ja schon sehr gegen die eigentlich bei jeder Katze vorhandenen Instinkte gehen. Aber vielleicht bin ich ja auch nur neidisch, dass ich immer allein zum Supermarkt laufen muss...

Allerdings sollte man diese kleine Schwäche auch nicht zu ernst nehmen, denn insgesamt liest sich das Buch sehr schön und es gibt viele lustige oder rührende Momente. Daher bekommt es von mir auch vier Kittens, allerdings unter Vorbehalt. Denn diese Wertung erteile ich als Katzenliebhaber und weil ich bei vielen Stellen auch Parallelen sehe, die mich zum grinsen brachten. Wenn man vielleicht nur halb so verrückt nach den Fellnasen ist, findet man mit Sicherheit weniger Gefallen an dem Buch.

Bewertung: 

Dienstag, 15. November 2011

Gut gegen Nordwind von Daniel Glattauer


Zum Inhalt: Eigentlich wollte Emmi doch nur ein Abo kündigen. Aufgrund ihres "Ei"-Problems landet die Kündigungsmail jedoch bei Leo. Und auch die zweite. Und die dritte. Und dann noch ihre Weihnachtspost, die eigentlich an alle Kunden gehen sollte. Irgendwie scheint das Schicksal es zu wollen, dass Emmi und Leo sich schreiben. Und das Schicksal will es so lang, bis auch Emmi und Leo es wollen. Und so wollen sie zuerst den regen Mailverkehr, dann die guten Gespräche und schließlich einander.

Meine Meinung: "Gut gegen Nordwind" ist komplett in einzelnen E-Mails geschrieben. Dadurch liest es sich zwar schön flüssig, riskiert aber auch, seine Leserschaft zu polarisieren. Der eine mag das, der andere nicht. So fehlen dem Leser jedenfalls komplett sämtliche Beschreibungen und er ist nicht, wie in vielen anderen Romanen, allwissend oder stummer Beobachter. Er bekommt immer genau das zu lesen, was der jeweilige Empfänger auch in seinem Mailfach gefunden hat. Das stellt ihn zunächst einmal vor die schwierige Aufgabe, sich abwechselnd in Emmi und Leo hinein zu versetzen. Ohne das bekommt man leider schnell einen falschen Eindruck. Dann wirkt Emmi plötzlich zickig und abweisend und Leo schwierig und selbstgefällig.

Auch gefühlsmäßig nüchternen Menschen möchte ich dieses Buch nicht empfehlen. Wer glaubt, dass Menschen wirklich immer das meinen, was sie sagen bzw. schreiben und dass es zwischen den Zeilen nichts zu lesen gibt, der wird an diesem Buch verzweifeln. Warum um Himmels Willen treffen sie sich nicht endlich? Warum wissen sie nach Monaten täglichen Mailverkehrs immer noch so wenig "Reales" voneinander? Weshalb reden sie ständig um den heißen Brei herum? Das sind Dinge, die man wohl nur dann verstehen kann, wenn man selbst genug Unordnung in seinem Kopf hat und nicht immer klar denkt, wenn es um zwischenmenschliche Situationen geht. Wenn man weiß, was es heißt, wenn das eigene Leben doch eigentlich sehr gut und ordentlich ist...und man doch immer wieder Zweifel an sich selbst und anderen Menschen und deren Intention hat. Das alles sind Dinge, die so eigentlich nie in Gesprächen angesprochen werden. Jedenfalls nicht direkt. Wir reden und reden und die eigentlichen Fragen werden doch oft nie gestellt. Und so stellen auch Emmi und Leo sie nicht. Wie gesagt, man muss sich in diese Schreibweise verlieben und das setzt voraus, dass man die Denkweise der Charaktere auch nur ansatzweise nachvollziehen kann. 

Wartet man hingegen darauf, dass etwas passiert, etwas Großes, etwas Hollywood-mäßiges, dann wartet man vergeblich. Denn faktisch passiert eigentlich nichts. Die Freundschaft der beiden entwickelt sich, mal mehr, mal weniger rasant. Aber es gibt keine Ereignisse an sich, die mit vielen großen Worten beschrieben werden. Auch hier ist wieder der Leser gefragt. Er muss in den Worten der beiden Protagonisten selbst die Bedeutung erkennen, sonst liest man halt nur ein paar Mails eines Schriftwechsels, welcher einen selbst so gar nicht betrifft.

Bei mir hat das recht gut geklappt, wobei mein Problem eher war, dass ich mich in die Situation der beiden nicht hineinversetzen konnte. Ihr Gefühlschaos konnte ich verstehen, die Hintergründe in meiner jetzigen Lebenssituation weniger. Schön fand ich dagegen, Momente, in denen es gar nicht so sehr um Emmi und Leo ging bzw. welche man so auch in jeder beliebigen Sekunde wahrscheinlich überall auf der großen Datenautobahn finden würde, wenn man mal eben einzelne E-Mails verfolgen könnte. Jeden Tag haben Personen solche und ähnliche Gespräche. Und das ist wohl auch das, was dieses Buch so gut macht. Es geht um Emmi, die "glücklich verheiratet" ist mit "zwei Stiefkindern, einem Hund, aber keinen Streifenhörnchen" und um Leo, der immer mal wieder unglücklich frisch getrennt von Marlene ist. Und doch geht es eigentlich um jeden, der schon einmal den perfekten Gesprächspartner, Zuhörer oder vielleicht sogar eine Art "Seelenverwandten" in einem völlig Fremden gefunden hat.

Insgesamt fand ich das Buch in sich stimmig, durch die einzeln E-Mails auch locker geschrieben und konnte immer mal wieder nicken oder sogar lachen, weil ich mich doch in der einen oder anderen Aussage selbst finden konnte.

Bewertung: 

Mittwoch, 9. November 2011

Wir sind die Könige von Colorado von David E. Hilton


Zum Inhalt: Es ist das Jahr 1963, Will ist gerade einmal dreizehn Jahre alt. Bereits seit Jahren wird er immer wieder Zeuge wie sein Vater seine Mutter verprügelt und vergewaltigt. Und immer öfter ist auch er selbst Opfer der Gewalt. Bis er es nicht mehr aushält und seinem Vater ein Taschenmesser in die Brust sticht. Daraufhin wird er zu zwei Jahren Haft verurteilt, welche er jedoch nicht in irgendeinem Jugendknast verbringt, sondern auf einer Ranch in Colorado. Dort warten nicht nur harte Arbeit und ein streng geplanter Tagesablauf auf ihn, sondern auch noch jede Menge mehr Gewalt, als er es sogar von seinem Vater gewohnt war. Zum einen sind da natürlich die Aufpasser, welche in vielen Fällen tatsächlich die Pferde auf der Ranch besser behandeln als die Kinder. Allen voran Frank Kroft, dem das Leiden der Kinder sogar Spaß bereitet. Zum anderen gibt es aber auch unter den anderen Gefangenen einige fast schon sadistische Personen, welche Will das Leben schwer machen.

Aber zwischen all der Gewalt und Grausamkeit findet Will auch wunderbare Freunde - und das nicht nur unter den Menschen.

Meine Meinung: Ich weiß gar nicht, was ich zu diesem Buch schreiben soll. Ich habe das Gefühl, dass Worte ihm kaum gerecht werden können. Ich hatte ja bereits bei fireez gelesen, wie sehr sie dieses Buch umgehauen hat. Das war ja auch der Grund, weshalb ich bei ihrem Gewinnspiel mitgemacht hatte. Ich glaube, wenn ich die Inhaltsangabe im Buchladen gelesen hätte, wäre ich nie auf die Idee gekommen, das Buch zu lesen. Und das wäre wirklich eine Schande gewesen.

Ich habe es angefangen und war sofort in der Geschichte drin. Sprachlich ist es sehr flüssig und klar geschrieben, was sehr gut zum Charakter von Will passt, aus dessen Sicht es geschrieben ist. Zwar ist er aufgrund der Ereignisse verwirrt und sorgt sich um seine Mutter und sich selbst, aber dennoch merkt man immer wieder, dass er letztendlich den Blick für das Wesentliche behält und recht einfach gestrickt ist. Das spiegelt sich auch in der Sprache wieder. Sie ist unverschnörkelt, aber realistisch und wirkt dadurch nicht dramatisch, aber emotional.

Die Charaktere sind geradezu unfassbar gut und real beschrieben. Jeder hat seine eigene Geschichte und es gibt zu fast jedem einen Einblick in dessen Vergangenheit und die Umstände, unter denen er auf die Ranch kam. Ich hatte schon etwa nach der Hälfte des Buches das Gefühl, jeden einzelnen von ihnen persönlich zu kennen. So empfand ich nicht nur Sympathie für einige von ihnen, sondern echte Wut anderen gegenüber und stellenweise auch echte Trauer. Ich konnte auf jeder Seite Wills Gefühle nachempfinden und so auch seine Reaktionen verstehen.

Es gibt viele wirklich wunderschöne Momente, die so simpel und vielleicht gerade deshalb so besonders waren. Aber ihnen gegenüber steht jedes Mal auch die grausame Realität, welche Will und die anderen "Könige" immer wieder einholt. Und diese besteht aus solch einer Masse an Gewalt und Grausamkeit, dass ich manchmal echt einfach nicht weiterlesen konnte. Dabei gibt es zwar viele Momente, die wirklich eklig sind und die, wäre dies ein Film, fast schon in die Kategorie "Splatter" fallen würden, aber dennoch rutscht Hilton hier nie auf ein plattes Niveau ab, dass nur darauf aus ist, den Leser durch Grauen und Ekel zu faszinieren. Viel mehr weckte das in mir noch mehr Sympathie für die Charaktere und ihr Handeln und ließ mich verstehen, warum Kleinigkeiten wie z.B. ein Foto von Wills Mutter ihnen so viel bedeuten. Das Schlimmste ist, dass man sich gar nicht sicher sein kann, wie fiktiv und unrealistisch die Geschehnisse dieses Buches sind. Die Ranch ist relativ abgeschieden von allen umliegenden Orten und vielleicht ist es gerade das, was alle Anwesenden dazu bringt, ohne Reue zu handeln. Vielleicht gibt es aber auch Menschen, die tatsächlich einfach "böse" sind? Letztendlich ist es diese Frage, die der Leser sich immer wieder stellt und deren Antwort wohl jeder für sich anders finden muss.

Ich bin jedenfalls begeistert von "Wir sind die Könige von Colorado" und zähle es schon jetzt zu meinen Lieblingsbüchern. Insofern möchte ich mich auch nochmal bei fireez bedanken für den Lesetipp und das Gewinnspiel!

Bewertung: