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Freitag, 12. Juli 2013

Leserunde zu "My Life in Black and White"

Das Grüppchen zu den Leserunden englischer zeitgenössischer Jugendbücher hat mal wieder ein Buch ausgewählt, das als nächstes gelesen werden soll.

Ab dem 22.07. widmen wir uns "My Life in Black and White" von Natasha Friend.

Jeder ist eingeladen, an der Leserunde teilzunehmen. Den entsprechenden Thread bei Lovelybooks findet ihr hier. Das Buch müsstet ihr euch natürlich entsprechend selbst besorgen, es ist aber z.B. bei Amazon als TB oder eBook günstig zu bekommen.

Diejenigen, denen das Buch nicht so zusagt, die sich aber vorstellen könnten, in der Zukunft auch mal an so einer Leserunde teilzunehmen, finden den allgemeinen Thread für Vorschläge und Abstimmungen hier.

Mittwoch, 10. Juli 2013

"The Fault in Our Stars" von John Green

Zum Inhalt: Hazel ist gerade einmal sechzehn und hat doch schon ihr ganzes Leben in dem Wissen verbracht, dass sie nicht alt wird. Denn sie hat Krebs, und der hat bereits ihre Lungen angegriffen. Eigentlich eher ihren Eltern zuliebe nimmt sie trotzdem noch am Leben teil und geht zu einer Supportgruppe für Kinder, die an Krebs leiden oder diesen besiegt haben. Dort trifft sie auf Augustus. Der hat zwar ein Bein an den Krebs verloren, gilt aber sonst als geheilt. Obwohl Hazel sich eigentlich nicht erlauben möchte, sich auf eine andere Person einzulassen, verliebt sie sich in Augustus und lernt durch ihm, dass sterbenskrank zu sein nicht heisst, dass man das Leben nicht doch in vollen Zügen genießen kann.

Infos zum Buch: "The Fault in Our Stars", Penguin, Taschenbuch, 336 Seiten, 6,74 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Da ist es also, DAS Green-Buch schlechthin. Ich glaube, es gibt kaum einen Blog, der das Buch nicht zumindest erwähnt hat, kaum einen Leser auf diversen Buchcommunities, der es nicht auf seiner Wunschliste hat. Ob Fan von John Green oder einfach neugierig - fast jeder überlegt wohl, es zumindest mal anzulesen.

Umso erstaunlicher, dass es bei mir tatsächlich so lang auf dem SuB lag, obwohl ich ja mittlerweile bekennender Fan des Herrn Green bin. Warum das so ist kann ich auch kaum erklären, ohne dabei politisch inkorrekt zu klingen. Denn tatsächlich hatte ich schlicht und einfach keine Lust auf ein "Krebsbuch". Nicht aus einem Anfall von Herzlosigkeit, sondern weil es einfach so wahnsinnig viele (Jugend-)Bücher gibt, die sich mit dieser oder einer anderen schlimmen Krankheit befassen. Tatsächlich hatte ich vor dem Lesen ein wenig Angst, dass es thematisch und auch vom Aufbau her Jenny Downhams "Bevor ich sterbe" sehr ähneln würde. Das hat mir zwar sehr gefallen, aber wer liest schon gern eine Kopie eines anderen Buches?

So habe ich das Buch immer und immer wieder vor mir hergeschoben. Und jetzt schäme ich mich! Ich müsste doch mittlerweile wissen, dass ich "meinem John" vertrauen kann!

"The Fault in Our Stars" hat mich zwar immer wieder zu Tränen gerührt, aber es ist trotzdem kein trauriges Buch und es beklagt sich auch nicht ständig darüber, wie unfair die Welt ist, in der es überhaupt unheilbare Krankheiten wie Krebs gibt. Ebenso ist seine Protagonistin, Hazel, auch keinesfalls ein Jammerlappen. Verständlicherweise ist sie den ständigen Kampf satt und besonders anfangs merkt der Leser schon, dass sie nicht um ihretwillen noch am Leben ist. Trotzdem ist sie bemerkenswert humorvoll und ihr Sarkasmus trifft genau meine Art von Humor. Wenn man sich sowas überhaupt vorstellen möchte kann, wäre ich in ihrer Situation wohl ähnlich drauf. Sie kann wenig mit dem Austausch der Leidensgeschichten in der Supportgruppe anfangen und versteht auch nicht, warum alle ständig davon sprechen, dass sie so "stark" wäre. Jetzt gibt es sicherlich Menschen, die es nicht witzig finden, wenn Hazel von "Cancer Perks" spricht, weil sie Dinge tun darf oder bekommt, nur aufgrund ihrer Erkrankung. Aber ich glaube tatsächlich, dass viele Kranke genau so damit umgehen. Wie will man eine solche hilflose Situation auch sonst ertragen?

Augustus steht ihr da in nichts nach. Er ist sogar noch eine Ecke "cooler", denn er geht auch so mit Hazel und dem ebenfalls kranken Isaac um. Und John Green scheint ihr den gleichen Eindruck zu haben wie ich, nämlich dass schwer kranke Menschen (oder viele davon) genau so angefasst werden wollten, nämlich ganz normal und nicht mit Samthandschuhen.

Aufgeteilt ist das Buch in einzelne Kapitel, deren Aufteilung für mich mal mehr, mal weniger Sinn macht. Für den Fluss der Geschichte ist das unwichtig. Bei den ersten dreißig oder vierzig Seiten tat ich mich noch etwas schwer, weil die Geschichte tatsächlich sehr ähnlich zu "Bevor ich sterbe" klang und ich mir sicher war, dass man Hazels alltägliches Leben bis zu ihrem Tod verfolgt. Aber John Green wäre nicht John Green, wenn er nicht einige spannende und überraschende Plot Twists auf Lager hätte. Ich weiß nicht, wie es anderen ging, aber so ziemlich das letzte Drittel des Buches habe ich so überhaupt nicht kommen sehen.

In dem Buch gab es auch wirklich keinen einzigen Charakter, den ich nicht mochte und immer mehr und mehr ins Herz geschlossen habe. Und übrigens lebt auch hier der Herr Green wieder seine Vorliebe für volle, lange Namen aus und die Charaktere nennen sich oft beim vollen Namen. Das fand ich in seinen Büchern bisher immer niedlich.

Mein Fazit: Das Buch hat mich überraschend überrascht. Ich hätte nicht gedacht, dass John Green mich noch mehr umhauen könnte, als er es eh schon tut.

Bewertung:

Freitag, 5. Juli 2013

"The Wishing Spell (The Land of Stories #1)" von Chris Colfer

Zum Inhalt: Alex and Conner Bailey haben erst vor kurzem ihren Vater verloren - und das ist eins der wenigen Dinge, die die Zwillinge noch gemeinsam haben. Denn sonst sind sie grundverschieden. Alex ist gut in der Schule und bei ihren Mitschülern unbeliebt. Sie liebt nichts mehr als das Lernen und die Märchen, die ihre Oma ihnen auch heute noch vorliest. Conner hingegen ist das genaue Gegenteil. Ihm fällt das Lernen schwer und nach außen hin scheint er mit dem Verlust des Vaters schwerer zurechtzukommen. So recht können sich beide nicht in ihr neues Leben einfügen.

Doch dann schenkt ihre Oma ihnen ihr altes Märchenbuch und die beiden stellen fest, dass es weit mehr als ein Buch ist. Denn plötzlich befinden sie sich mitten in der Märchenwelt und bestreiten Abenteuer mit all den Figuren, die sie schon seit ihrer Kindheit begleiten.

Infos zum Buch: "The Wishing Well", 1. Teil der "The Land of Stories"-Buchreihe, Little, Brown Books, gebundene Ausgabe, 448 Seiten, 14,97 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Chris Colfer ist wahrscheinlich am besten bekannt durch seine Rolle als Kurt Hummel in der US-Serie "Glee". Obwohl ich großer Fan der Serie bin, habe ich nichts von diesem Buch gewusst, bis ich bei Lovelybooks über eine Wanderbuchrunde gestolpert bin. Kurz habe ich überlegt, das Buch gleich selbst zu kaufen, aber wenn sich die Gelegenheit schonmal bietet, kann man doch auch erstmal "gratis" lesen und gucken, ob das was für einen ist, oder? So wartete ich geduldig (haha, als ob das eine meiner Stärken wäre!) Wochen und Monate, bis ich endlich an der Reihe war. Ein paar Mal wurde ich fast schwach und hätte mir das eBook gekauft. Jetzt bin ich froh, es nicht getan zu haben. Denn das Cover / der Umschlag der gebundenen Ausgabe ist schon so schön gestaltet und ich musste das Buch erstmal ganz verliebt anschmachten und befummeln - und es natürlich fotografieren, bevor der Umschlag abkam und durch einen Schutzbezug ersetzt wurde (Wanderbuch-Versauen-Paranoia, in Fachkreisen auch WVP genannt).

Auch innen ist das Buch liebevoll gestaltet, mit passenden Zeichnungen zu jedem Kapitel. Diese haben genau die richtige Länge, sodass man immer gut beim Anfang eines neuen eine Pause einlegen kann und nicht komplett aus der Handlung gerissen wird. Grob orientieren die Inhalte der Kapitel sich an den verschiedenen Ländern / Regionen des "Land of Stories", wodurch es eigentlich in jedem etwas Neues zu entdecken gibt und die Handlung nie langweilig wird.

Ich bin ja selbst, spätestens seit der Serie "Once Upon a Time", so ein kleiner Märchenfan. Ich weiß nicht, ob ich es schonmal erwähnt habe (bloß so gefühlte 7.000 Mal!), aber ich liebe Märchenadaptionen. Ob es jetzt traditionelle Märchen sind, die umgeschrieben und erweitert wurden oder ob es neue Geschichten sind, die sich an Figuren und Inhalten der alten Märchen orientieren. Bei "The Land of Stories" handelt es sich eigentlich um beides. Einerseits sind da Alex und Bailey, die natürlich erstmal ganz normale Kinder sind, die in der uns bekannten Welt zur Schule gehen. Später lernt man zwar auch noch mehr über sie, aber anfangs werden dadurch eigentlich die echte und die Märchenwelt vermischt. Auf der anderen Seite stehen dann ihre Abenteuer im "Land of Stories", die eigentlich fast schon wieder klassische Märchen sind.

Es tauchen natürlich jede Menge Charaktere aus der Welt der Gebrüder Grimm, aber auch aus anderen Geschichten, auf. Schön fand ich hierbei, dass es aber nicht die altbekannten Verhältnisse von Gut und Böse beibehalten hat. Ich mag nicht zu viel verraten, aber manch einer wird sich über die Charaktere von vermeintlich bekannten Figuren wundern.

Das Ende fand ich zwar vorhersehbar, was ich aber nicht schlimm fand, denn hier war eindeutig der Weg das Ziel.

Ich habe mich echt köstlich amüsiert und finde, dass Chris Colfer hier, mit ein wenig Unterstützung der uns allen schon bekannten Märchenfiguren, ein tolles modernes Märchen geschaffen hat. Ich bin begeistert!

Im August erscheint übrigens der zweite Teil, "The Enchantress Returns", und spätestens dann wird auch gleich "The Wishing Spell" als permanenter Bewohner in mein Regal einziehen.

Bewertung:

Dienstag, 28. Mai 2013

"The Death of Bees" von Lisa O'Donnell

Zum Inhalt: Marnie und Nelly sind noch Kinder, doch bereits auf sich allein gestellt. Denn ihre Eltern sind tot, doch das darf keiner wissen. Die Mädchen befürchten, dann getrennt zu werden und dabei haben sie sich doch nur noch gegenseitig. So verstecken sie die Leichen ihrer Eltern im Garten und hoffen, dass niemand etwas merkt. Es wäre ja nicht das erste Mal, dass die alkohol- und drogensüchtigen Eltern sie im Stich lassen.

Ohne dass er die Wahrheit kennt, wird ihr verwitweter Nachbar für sie zu einer Art Ziehvater. Und so hoffen Marnie und Nelly, dass ihnen so eine einigermaßen harmonische restliche Kindheit vergönnt ist.

Infos zum Buch: "The Death of Bees", William Heinemann, Taschenbuch, 304 Seiten, 9,10 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Das Buch haben wir in einer Leserunde bei Lovelybooks gelesen. Dabei geht es um "Contemporary YA Books", also quasi englische zeitgenössische Jugendliteratur. Deshalb hab ich natürlich erwartet, es hier mit einem Jugendbuch zu tun zu haben. Dass es bei dem Klappentext schon sehr traurig und deprimierend wird, hab ich ja irgendwie geahnt. Was ich nicht erwartet habe, war gleich schon die Splatter-Keule zum Start. Die Beschreibung, wie die Eltern sterben und wie die Mädchen diese "verstecken", das war schon wirklich unerwartet krass. Und auch später geht es immer wieder recht morbide zu. Ob das wirklich in ein Jugendbuch gehört, könnte man sich schon fragen.

Andererseits geht es so auch direkt zu Anfang schon sehr spannend zu. Man bekommt dadurch einen guten Eindruck, wie verwahrlost die Mädchen sind, in welchen Kreisen sie sich bewegen und wie abgestumpft ihre Wahrnehmung schon ist. Mit dem Tod gehen sie genauso vermeintlich locker um wie mit Drogenkonsum oder Kindesmissbrauch. Dass sie das keineswegs so leicht nehmen und dass all die Geschehnisse in ihrem Umfeld schon an ihnen nagen, kommt immer nur bröckchenweise ans Tageslicht. Soweit fand ich die Geschichte auch nachvollziehbar.

Später wurde die Geschichte für mich aber immer abstruser, die Handlungen der Charaktere immer weniger nachvollziehbar. Ich möchte nichts spoilern, aber es gab viele Momente, wo Charaktere Dinge gesagt oder getan haben, die nicht zu ihnen gepasst haben und leider wurden die Hintergründe dann auch nur mangelhaft beschrieben.

Das Buch ist in einzelne Kapitel aufgeteilt, die abwechselnd aus Marnies, Nellys und Lennies Sicht geschrieben sind. So kann man zwar die drei immerhin besser verstehen, bekommt aber auch jeden kleinen Moment aus drei Sichten dargestellt. Da die Geschichte sich sowieso schon nur sehr langsam entwickelt, krabbelt sie so noch mehr vor sich hin. Die einzelnen Kapitel sind außerdem in Jahreszeiten / Abschnitte aufgeteilt und ich kann sagen, dass die Abschnitte Frühling und Sommer (2 und 3) mich eigentlich fast nur gelangweilt haben. Nachvollziehen kann ich auch nicht wirklich, warum es diese Abschnitte gibt. Gut, sie spielen in diesen jeweiligen Jahreszeiten, aber sie ergeben in der Handlung jeweils keine wirkliche Wendung und dienen so eigentlich nur als zeitlicher Orientierungspunkt.

Das Ende fand ich persönlich besonders schlimm, weil es eigentlich überhaupt eine Antworten gibt, sondern nur noch mehr Fragen aufwirft und zusätzlich auch noch unrealistisch ist.

Schade, denn der Anfang war, wenn auch erschreckend, wirklich gut und die Idee für die Geschichte fand ich auch super. Daher reicht es immer noch für drei Kittens.

Bewertung:

Mittwoch, 15. Mai 2013

"Grimm" von Christoph Marzi

Zum Inhalt: Die 17-jährige Vesper Gold ist Tochter berühmter Eltern. Ihr Vater ist Regisseur, ihre Mutter eine Konzertpianistin - doch Vesper selbst macht eher durch ihr rebellisches Benehmen auf sich aufmerksam. Dies ist nur noch schlimmer geworden, seit sie zu ihrer Mutter nach Hamburg ziehen musste.

Doch dann stirbt ihr Vater und hinterlässt ihr einen Ring, einen Schlüssel und dazu einen seltsamen Brief, der sie vor den Wölfen warnt. Welche Wölfe er meint, erfährt Vesper schon kurz darauf, denn diese haben sich bereits auf die Jagd nach ihr gemacht. Auf ihrer Flucht trifft sie auf den kuriosen Leander Nachtsheim, der ebenfalls von den Wölfen gejagt zu werden scheint. Gemeinsam befinden sie sich plötzlich mitten in einem Abenteuer und erleben Dinge, die keiner von ihnen sich je hätte vorstellen können.

Infos zum Buch: "Grimm", Heyne Verlag, Taschenbuch, 560 Seiten, 9,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Die ersten Lobgesänge zu dem Buch bin ich ja bereits losgeworden. "Grimm" konnte mich wirklich direkt schon von der ersten Seite an fesseln. Ich hatte mich damals in den ersten Sonnenstrahlen mit einem Kaffee bei Starbucks hingesetzt und wollte gemütlich schonmal ein paar Seiten lesen. Tja...der Kaffee war dann schon lang leer und ich war immer noch fasziniert am lesen. :)

Bei so einem Start habe ich ja immer die leise Befürchtung, dass das Buch seine eigenen Versprechungen nicht halten kann. Gerade bei so dicken Büchern besteht die Gefahr, dass die Spannung sich verliert. Die Befürchtung war aber größtenteils unbegründet. Zwar geht Christoph Marzi hier auch wieder ordentlich ins Detail, beschreibt Personen, Gegenstände und Orte ganz genau, und pocht auch immer wieder darauf, Vespers Gedanken und Gefühle darzustellen. Aber irgendwie ist das auch wieder passend, denn das sorgt für eine ganz komische Atmosphäre. An vielen Stellen "lebt" die Geschichte in Vespers Kopf und der Leser erlebt das so mit. Nur ganz selten hatte ich das Gefühl, dass die Handlung so unnötig verzögert wurde.

Aufgebaut ist die Geschichte in einzelne Kapitel und scheinbar auch zwei Abschnitte. Letzteres ist aber nur eine Vermutung, denn zwischen zwei Kapiteln im letzten Drittel des Buches befand sich eine leere Seite. Falls das kein Fehler des Verlags war, könnte ich mir gut vorstellen, dass so die Wendung der Handlung dargestellt wird, die an der Stelle stattfindet. Die Kapitel sind relativ lang. So lang, dass ich zwischendurch vergessen hab, dass es überhaupt welche gibt. Ich glaube, es gab insgesamt in dem Buch nur sechs oder sieben davon. Normalerweise mag ich lieber kurze Kapitel, da das meiner Meinung nach das Lesen auflockert. Hier hat man das aber gar nicht gestört.

Die Handlung läuft recht langsam an, was aber auch gut ist, weil es so unglaublich viel für Vesper zu entdecken gibt. Zum Ende hin wird es dann immer rasanter und das Ende hat mir persönlich mit am besten gefallen, denn da zeigt sich erst einmal richtig, wie viel Fantasie die Autor hat.

Obwohl die Geschichte mir schon sofort so gut gefallen hat, war ich mit Vesper als Protagonistin zuerst nicht ganz glücklich. Anfangs wirkte sie mir zu sehr wie ein störrischer Teenie. Rebel without a cause, sozusagen. Mit der Geschichte erfährt man aber auch mehr über ihre Familie und ihre Vergangenheit. Zwar fand ich sie manchmal immer noch ein bißchen unsympathisch, aber eigentlich mochte ich sie doch ganz gern. Mein persönlicher Favorit unter den "Charakteren" war aber ganz klar Edgar. Ich möchte hier nicht zu viel zu ihm verraten und sage deshalb nur ganz verzückt: Awww! <3

Ganz klare Kaufempfehlung, auch wenn man sonst weniger mit Fantasyromanen anfangen kann.

Bewertung:

Sonntag, 5. Mai 2013

"Looking for Alaska" von John Green

Zum Inhalt: Miles ist ein Einzelgänger und sein liebstes Hobby ist es, die letzten Worte berühmter Menschen auswendig zu lernen. Eigentlich ist er auch ganz zufrieden so, doch irgendwie glaubt er auch, dass das Leben mehr zu bieten haben muss. Deshalb schreibt er sich freiwillig in einem Internat ein, auf der Suche nach dem "Great Perhaps". Da findet er in Chip (dem "Colonel") zum ersten Mal einen echten Freund und in Alaska ein Mädchen, das weit mehr für ihn ist als eine Freundin. Doch dann passiert das, womit Miles niemals gerechnet hätte...

Infos zum Buch: "Looking for Alaska", Speak, Taschenbuch, 256 Seiten, 7,20 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Je mehr Bücher von John Green ich lese, desto mehr verstehe ich die innige Liebe, die viele (junge) Leser mit ihm verbindet. Seine Geschichten sind einfach immer so normal und doch besonders. Und genauso sind auch seine Charaktere.

Auch Miles wirkt auf den ersten Blick zunächst seltsam, aber liebenswert. Welcher Teenager ist schon mit sich im Reinen darüber, ein Außenseiter zu sein, zu dessen Abschiedsparty kein Mensch kommen möchte? Und dann ist er trotzdem auch noch so mutig, sich aus seiner Wohlfühlzone zu bewegen. Hand auf's Herz, wie viele von uns wären freiwillig auf ein Internat gegangen? Und da trifft er auch noch auf Menschen, die genauso einzigartig, in sich widersprüchlich und doch wieder passend sind. In den meisten Jugendbüchern wäre Chip wohl derjenige gewesen, der Miles mobbt, hier werden die beiden Freunde. Tja, so ist das eben bei John Green. Alaska Young hat mich wiederum sehr an Margo Roth Spiegelman aus "Paper Towns" erinnert. Auch sie ist irgendwie verrückt, man will Miles davon abraten, sich in dieses Mädchen zu vergucken, und doch ist sie faszinierend und man mag sie einfach irgendwie und kann Miles auch verstehen.

Ich möchte nicht zu viel verraten, obwohl die Beschreibung des Buches schon vieles erahnen lässt, aber mich hat der Verlauf des Buches echt ein wenig mitgenommen. Gegen Ende hatte ich dann kurz das Gefühl, dass John Green sich etwas verliert, aber dann fand die Geschichte doch auf den rechten Pfad zurück und das Ende fand ich nochmal richtig schön.

Bewertung:

Donnerstag, 18. April 2013

"The Selection" von Kiera Cass

Zum Inhalt: America lebt in den ehemaligen USA, doch dort ist nun alles anders. Es gibt ein Klassensystem, bei welchem eigentlich nur die obersten drei Klassen gut wegkommen. America selbst ist eine Fünf, doch obwohl ihre Familie ständig mit dem Mangel an Geld und Nahrung zu kämpfen hat, ist sie glücklich. Das größte Problem stellt für sie ihre Liebe zu Aspen dar, denn der ist eine Sechs.

Doch dann erhält sie ihre Einladung zur "Selection", bei welcher unter allen geeigneten jungen Damen im Königreich die passende Braut für den jungen Prinzen Maxon ausgewählt werden soll. Es handelt sich um eine Art Casting und ohne es wirklich zu wollen, bekommt America tatsächlich die Einladung zur Teilnahme. Obwohl es niemals ihr Traum war, Königin zu werden, reist sie zum königlichen Palast und tritt dort gegen die anderen Kandidatinnen an und muss lernen, dass ihre Vorstellungen vom Leben im Palast, von der obersten Klasse und besonders von Prinz Maxon ganz anders sind als die Realität.

Infos zum Buch: "The Selection, Bd. 1", Harper Teen, Taschenbuch, 336 Seiten, 7,50 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich muss wirklich sagen, dass ich sehr überrascht bin, wie wenig Kitsch diese Geschichte enthält. Obwohl mich die Idee beim Stöbern im Kindle Shop sofort angelacht hat und ich mir daher das Buch gleich geladen habe, hatte ich doch wesentlich mehr  "Disney" erwartet. Die Geschichte bietet tatsächlich sehr viel Potenzial dafür. Junges armes Mädchen trifft auf reichen, gutaussehenden Prinzen. Und dann noch die Dreiecksgeschichte mit dem zweiten, viel ärmeren Jungen... Neu und innovativ ist die Story ja jetzt wirklich nicht, da beisst die Maus keinen Faden ab.

Trotzdem schafft Kiera Cass es, dass die hier nichts zu platt rüberkommt. Ein wenig unglaubwürdig wirkt Americas Verhalten zwar schon, aber das gehört irgendwie auch zu dieser Geschichte dazu. Es war sehr schön zu sehen, wie sie sich weder von den plötzlichen Möglichkeiten umhauen lässt, noch dass diese sie völlig kalt lassen.

Ich fand es auch gut, dass sich das Buch nicht nur um die vermeintliche Dreieckskiste von America, Maxon und Aspen bezieht, sondern dass es hier auch um viel mehr geht. Man erfährt viel vom Leben in den einzelnen Klassen, die politischen Zustände und das Familienleben der einzelnen Charaktere. Die Versuche, echte Spannung aufzubauen, kamen zwar doch etwas schwach auf der Brust daher, bringen aber immerhin Abwechslung zu der eigentlich recht klassischen Liebesgeschichte rein.

Etwas enttäuschend fand ich das Ende. Zwar weiß ich jetzt, das das Buch erst Band 1 ist, aber gerade dafür ging es mir einfach zu still zu Ende. Kaum ein Cliffhanger, kaum Spannung. Da hätte ich mir dann doch etwas mehr erhofft.

Was vielleicht auch noch zu erwähnen wäre, ist, dass die ganzen Dystopien sich vom Ausgangspunkt mittlerweile sehr ähneln. Finde ich zumindest. Das Klassensystem hier ist jetzt auch nicht so viel anders, als bei den Cassia & Ky-Büchern, die wiederum dem in der Panem-Reihe ähneln. Sicherlich liegt das auch daran, dass die Autoren sich echte Klassensysteme wie die Kasten in Indien und historische Gesellschaftsformen angeschaut haben. ich würde hier also nicht so weit gehen wollen, irgendwem zu unterstellen, man habe voneinander abgeschrieben. Aber langsam wird es für mich halt doch auch langweilig, wenn die Ausgangssituationen sich so sehr ähneln.

Bewertung:

Freitag, 22. Februar 2013

"Paper Towns" von John Green

Zum Inhalt: Quentin wohnt schon seit er denken kann neben Margo. Früher waren die beiden auch dicke Freunde, doch in der High School gehen sie getrennte Wege. Margo gehört zu den coolen Kids und ist sogar irgendwie deren Anführerin. Quentin dagegen ist ein Außenseiter und mit dieser Rolle auch ganz glücklich, denn er hat seine Freunde und seine Routine. Eigentlich vermisst er auch Margo nicht bewusst. Bis diese plötzlich eines Abends bei ihm am Fenster steht und ihn dazu drängt, mit ihr eine verrückte Nacht durchzumachen, in welcher die beiden jede Menge Illegales unternehmen. Am nächsten Tag verschwindet Margo plötzlich und während sich alle um ihn herum damit abfinden, dass dieses verrückte Mädchen ihrem alten Leben eben einfach den Rücken gekehrt hat, kann Quentin sie nicht vergessen. Und mehr noch, er ist davon überzeugt, dass Margo von ihm gefunden werden will und nur ihm Hinweise hinterlassen hat. Und so beginnt für ihn eine Art Schnitzeljagd, bei der er die wirkliche Margo erst kennenlernt.

Infos zum Buch: "Paper Towns", Speak, Taschenbuch, 320 Seiten, 7,90 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Hachja, John Green! Mein neuer Held der Jugendbücher!

Vorab muss ich gleich ehrlicherweise sagen, dass "Paper Towns" mich nicht ganz so packen konnte wie "Will Grayson, Will Grayson" zuvor. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich auch, dass bei den beiden Büchern einfach die Erwartungshaltung anders war. Hier wusste ich jetzt schon, wie wunderbar der Schreibstil und der Ideenreichtum von John Green sind.

Natürlich hat auch "Paper Towns" wieder eine ganz wunderbare Geschichte. Es geht wieder um eigentlich ganz normale Jugendliche. Der ein oder andere der Charaktere wirkt auch hier skurril, aber nicht so über die Maßen, dass man selbst nicht auch so jemanden in der Art kennen würde. Da ist zum Beispiel Quentins Freund Ben, der auf geradezu tragische Art und Weise von den Mädchen besessen ist. In seinem Kopf ist er selbst ein ganz schöner Aufreißer, er nennt die Mädchen "Honeybunnies" und alles dreht sich bei ihm darum, endlich eine Freundin und vor allem eine Begleitung für den Abschlussball zu finden. Aber gleichzeitig ist er auch grandios erfolglos und unbeliebt bei den Mädels. Das macht ihn schon wieder liebenswert und knuffig. Zumal er seine Situation ja auch noch selbst mit Humor nimmt.

Quentin selbst war mir stellenweise zu ernst und verbissen für sein Alter. Natürlich passt das auch wieder zu der Geschichte, denn jeder "normale" Jugendliche in seinem Alter wäre so kurz vorm Abschlussball wohl mit allem anderem beschäftigt als mit seiner verrückten Nachbarin, zumal diese ja auch schon eine ganz gehörige Summe an seltsamen Geschichten gebracht hat und mehr als einmal für längere Zeit von zu Hause ausgerissen ist. Kein Wunder also, dass kaum jemand ihrem erneuten Verschwinden besonders viel Bedeutung beimisst. Da braucht es schon einen so sensiblen Charakter wie Quentin, der dann auch aus den kleinsten Sachen einen Hinweis herauslesen kann.

Sehr gut gefallen hat mir hier, dass John Green in der Geschichte auch die Unterschiedlichkeit der Charaktere aufgreift. Es kommt zu häufig vor, dass die Protagonisten als die Helden dargestellt werden und die Nebencharaktere in all ihrer Skurrilität eigentlich nur albern und manchmal sogar nervtötend wirken. Ich will hier nicht spoilern, aber genau das wird kurz angesprochen und auf tolle Weise von Quentins Freund Radar zerschlagen. Genau das liebe ich jetzt schon an John Green. Bei ihm wirkt einfach alles sympathisch. Jeder Charakter, jede Szene, jede Geschichte sorgen irgendwie dafür, dass man sich mit seinen Büchern einfach wohl fühlt.

Der Grund, weshalb mich das Buch nicht ganz packen konnte ist einfach, dass die Spannung immer wieder unterbrochen wird. Sicherlich ist es auch toll, mehr über die Freundschaft zwischen Quentin, Ben und Radar zu erfahren und mitzubekommen, was alles so kurz vor ihrem Abschluss bei ihnen abgeht. Aber eigentlich will man unbedingt wissen, was denn jetzt mit Margo ist. Und immer wenn es gerade richtig spannend wird und Quentin einen weiteren Schritt gemacht hat, hakt es wieder und man möchte am liebsten 10-15 Seiten überspringen, um zu sehen, wie es weitergeht. Erst im letzten Viertel entwickelt sich die Suche dann richtig rasant.

Ohne zuviel zu verraten möchte ich auch noch kurz das Ende ansprechen. Denn in den Enden liegt scheinbar ein weiteres Talent von John Green. Sie sind immer weit weniger spektakulär als man sie sich vorstellt und doch immer so besonders. Auch hier hat mir das Ende wieder so viel besser gefallen als alles, was ich mir vorher vorgestellt hatte.

Bewertung:

Freitag, 15. Februar 2013

[Night School #1] "Du darfst keinem trauen" von C. J. Daugherty

Zum Inhalt: Die 15-jährige Allie ist seit dem Verschwinden ihres Bruders eine echte Rebellin. Ständig stellt sie etwas an und bekommt einen Schulverweis nach dem anderen. Schließlich wird es ihren Eltern zu bunt und sie schreiben sie auf der Cimmeria Schule ein, einem Internat irgendwo in England. Obwohl Allie sich alle Mühe gibt, die Schule und alles dort zu hassen, findet sie schnell Anschluss und sieht Cimmeria schon bald als ihr Zuhause an.

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse. Nach einem Brand und einem Todesfall scheinen sich plötzlich alle gegen Allie verschworen zu haben und jeder scheint ihr etwas zu verheimlichen. Und je mehr von dem großen Geheimnis Allie aufdeckt, desto größer wird ihr Verdacht, dass sie doch mehr mit Cimmeria verbindet, als sie anfangs dachte.

Infos zum Buch: "Night School, Du darfst keinem trauen", Oetinger Verlag, gebundene Ausgabe, 464 Seiten, 17,95 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Das Buch ist wirklich ein fantastisches Beispiel dafür, dass sich Gratisbücher für Verlage durchaus auch lohnen können. Denn ich habe die Kindle-Version bei den Gratis-Tagen runtergeladen und hätte sie mir sonst wohl nie gekauft. Jetzt, soviel kann ich verraten, bin ich so begeistert, dass ich mir sogar den Nachfolger (und wahrscheinlich auch weitere Teile der Reihe, sofern vorhanden) kaufen werde.

Gerechnet habe ich, das gebe ich zu, mit einer Art Vampir-Roman. Bei dem Titel liegt das nah und da das Buch gratis war, habe ich mir zugegebenermaßen auch gar nicht groß die Beschreibung durchgelesen. Auch Vampir-Romane können ja ganz gut sein, aber viel erwartet habe ich hier wirklich nicht. Der Anfang hat dann auch zunächst meinen Erwartungen entsprochen. Aufmüpfiger Teenager landet in einer alten gruseligen Schule irgendwo "janz weit draußen". Aber schnell hat sich dann auch gezeigt, dass Allie gar nicht so sehr die typische Teenieheldin ist. Klar, auch hier ist sie wieder nicht dem Beauty Standard entsprechend hübsch, sie ist überhaupt nicht eitel und sie hat gleich mehrere Jungs, die bei ihr Nümmerchen ziehen und im Wartezimmer Platz nehmen. Soweit die Clichés... Aber hinter Allie versteckt sich auch ein verletzter Teenager, der nicht nur von ihrem Bruder, sondern kurz darauf auch noch von den Eltern enttäuscht wurde. Im Gegenteil zu vielen anderen Protagonistinnen ähnlicher Romane sind ihre Probleme auch nicht zum Teil eingebildet oder gar selbstverschuldet. Man hat gleich Mitleid mit ihr und kann ihre Situation nachvollziehen.

Glaubwürdig wirkt daher auch die sehr schnelle Art und Weise, sich in Cimmeria zurechtzufinden. Unter normalen Umständen hätte ich es angemäkelt, dass ein Mädchen in ihrem Alter so schnell einen völlig fremden Ort als ihr Zuhause ansieht. Aber hier merkt man gleich, dass ihr einfach nichts anderes übrig bleibt.

Die Charaktere um Allie herum fand ich auch liebenswert und irgendwie "echt". Zunächst wusste ich nicht so recht, was ich mit der Rektorin, Isabelle, anfangen soll. Eine so junge Rektorin, die auch noch eher auf Kumpel macht und sich von den Schülern beim Vornamen nennen lässt?! Aber sie geht einfach so lieb mit Allie um, dass man sie gleich mag und im Verlauf des Buches erklären sich auch viele solche Dinge, die einem rund um diese Schule herum seltsam erscheinen, von selbst. Der Einzige, mit dem ich wirklich bis zum Ende nicht richtig warm geworden bin, ist Sylvain. Er wirkt mir persönlich einfach zu aalglatt und auch nicht realistisch.

Eigentlich wäre dies ein Fünf Kitten-Buch gewesen. Aber worüber ich leider nicht hinwegsehen konnte, war die hölzerne Sprache. Da ich das Buch nicht im Original gelesen habe, kann ich nur raten, dass es sich vermutlich um eine wirklich üble Übersetzung gehandelt hat. Es tut mir leid, aber eine Jugendliche, die noch vor kurzem mit Sprayern in ihre alte Schule eingebrochen ist, wird doch in der Regel nicht Worte wie "unabkömmlich" benutzen, oder? Jedenfalls wirkt das nicht authentisch. Und in Cimmeria drücken sich alle Schüler so aus. Was noch zu verkraften gewesen wäre, wenn man es als Eigenart dieser Schüler verkauft hätte. Aber diese Art gehobene Sprache bei Jugendlichen als gegeben zu verkaufen, empfinde ich einfach nicht als realistisch. Und auch manche Beschreibungen sind einfach sehr platt ausgedrückt. So ist z.B. bei Sylvain von seinen "Schlafzimmeraugen" die Rede. Da muss man das ein oder andere Mal doch mit den Augen rollen.

Trotzdem handelt es sich um eine richtig spannende Geschichte, die mich sogar zum Ende hin nochmal richtig überrascht hat. Manchmal konnte ich den Kindle gar nicht aus der Hand legen und da ich ja in den letzten Tagen krank war, haben sich mein Körper und mein Kopf immer wieder gestritten und ich bin öfter mal mit dem Kindle in der Hand eingenickt. Jetzt muss ganz bald der zweite Teil her!

Bewertung:

Donnerstag, 7. Februar 2013

"Ready Player One" von Ernest Cline

Zum Inhalt: Es ist das Jahr 2044. Die Menschen haben die Erde so gut wie zugrunde gewirtschaftet. Es gibt kaum noch Öl oder sonstige Ressourcen. Nur wenige ganz Reiche haben noch ein angenehmes Leben. Alle anderen leben in heruntergekommenen, völlig überladenen Vierteln. Doch zum Glück gibt es die OASIS, eine virtuelle Welt. Dort kann sich jeder völlig kostenfrei eine neue Identität erschaffen. Man kann heissen, aussehen und sein, was oder wer man will.

Auch Wade ist einer dieser Menschen. Im realen Leben ist er Waise, der von seiner Tante nur irgendwie geduldet wird. Er ist schüchtern, zu dick, hat kein Geld. Aber in der OASIS ist er Parzival. Zwar kann er es sich auch dort nicht leisten, seinen Charakter groß auszurüsten, aber er ist weniger schüchtern und er hat Freunde. Außerdem ist er ein Gunter, einer der Charaktere, die sich der Aufgabe verschrieben haben, das "Easter Egg" zu finden, welches der verstorbene Erschaffer der OASIS hinterlassen hat. Wer die geheimen Schlüssel findet und schwierigen Aufgaben löst und somit am Ende das "Easter Egg" findet, der erbt das gesamte Vermögen des Verstorbenen. Nach mittlerweile sechs Jahren glauben die meisten Gunter kaum noch daran, dass sie der Glückliche sein könnten, und auch Wade hat diese Hoffnung eigentlich nicht mehr wirklich. Doch dann gelingt ihm das Unglaubliche: Er findet den ersten Schlüssel. Und damit beginnt ein verrücktes Abenteuer, das Wade quer durch die ihm so lieb gewordene virtuelle Welt und durch die 1980er Jahre mit allen ihren Arcade-Spielen, ihrer wilden Gitarrenmusik und ihren Cartoonserien führt.

Infos zum Buch: Deutsche Version: "Ready Player One", Penhaligon Verlag, gebundene Ausgabe, 512 Seiten, 19,99 € | Bei Amazon kaufen
Englische Version: "Ready Player One", Arrow, Taschenbuch, 384 Seiten, 7,95 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Was für ein krankes und gleichzeitig wunderbares Buch! Mein Kopf dreht sich immer noch von dieser wilden Reise und vielleicht sollte ich mir ein bis zwei Tage Zeit lassen, bevor ich eine Rezension dazu schreibe. Aber ehrlich gesagt, habe ich Angst, dass ich dann plötzlich alles wieder vergesse. Also, nicht alles, aber wichtige Teile. Obwohl...so richtig sicher kann ich mir auch jetzt gar nicht sein, ob ich da jetzt alles verstanden habe.

Aber mal langsam. Fangen wir von vorne an...

Die Lobeshymnen, die auf und in dem Buch abgedruckt sind, versprechen nicht zuviel: Absolute Nerds und Computerfreaks kommen hier voll auf ihre Kosten. Von den Anfängen der Computer, wie wir sie kennen, irgendwann Ende der 70er bis zu der neuesten Technologie (selbstverständlich der von 2044!) ist hier alles vertreten. Hardwarekomponenten, Spieledetails, Charakterskills...all solche Sachen werden bis ins kleinste beschrieben. Und ja, mein Kopf hat sich nicht nur einmal wild gedreht und ich habe nur noch irgendwelche Zahlen vor meinem inneren Auge vorbeihuschen gesehen. Aber komischerweise stört das kein bißchen. Klar, manche Stellen werden halt überflogen, weil man sich unter den einzelnen Bezeichnungen gerade nichts vorstellen kann. Aber meistens schafft es Ernest Cline tatsächlich, alles auch für absolut technikphobe "Noobs" (hehe!) sinnvoll zu erklären. Selbst am Ende des Buches, bei welchem die Handlung wirklich rasant wird, hatte ich nicht das Gefühl, dass ich jetzt nicht mehr folgen kann. Im Gegenteil fand ich es sogar wahnsinnig beeindruckend, mit wie viel Fantasie er diese beiden Welten erfunden und aufeinander aufgebaut hat.

Dabei fand ich besonders beeindruckend, wie realistisch diese Zukunft wirkt. Klar, dass unsere Gier, was Öl und Energie betrifft, irgendwann mal ein böses Ende nimmt, haben viele Bücher und Filme als Ausgangspunkt. Aber darüber hinaus hat Ernest Cline bis ins Detail beschrieben, wie die Welt dann aussehen könnte. Ein Beispiel dafür sind die "Stacks", übereinander getürmte Wohnwagen und mobile Häuser, in welchen die Menschen nun leben, da sie keine Möglichkeit mehr haben, mit dem Auto weitere Strecken zu überbrücken und somit alle geballt in Zentrumsnähe der großen Städte wohnen müssen. Die OASIS selbst hat er dann auf den 1980er Jahren aufgebaut, der Ära, in welcher der Erschaffer, James Halliday, selbst aufgewachsen ist. Auch hier wird alles so umfangreich beschrieben und so perfekt aufeinander aufgebaut, dass man wirklich glaubt, die OASIS wäre bereits in der Mache. Und so gesehen ist auch das wieder realistisch. Zwar gibt es bisher nichts, was auch unser reales Leben miteinbezieht, wie im Buch z.B. Wade's Schule, aber große virtuelle Welten gibt es schon als soziale Netzwerke wie Second Life oder Spiele wie World of Warcraft. Es fällt einem also nicht schwer zu glauben, dass man selbst sein Leben im Jahr 2044 auch hauptsächlich online verbringt.

Mit Wade selbst wurde ich auch sofort warm. Klar, er ist natürlich ein klein wenig der Cliché-Held für so ein Buch. Einsam, entspricht nicht dem Schönheitsideal, hat wenig Geld...der geborene Außenseiter eben. Aber eben auch in einer Welt voller Außenseiter, denn eigentlich flüchten sich ja fast alle in diese perfekte virtuelle Welt, weil ihnen das reale Leben nichts bietet. Im Gegensatz zu vielen anderen geht er damit auch erfrischend ehrlich und mit einer gehörigen Menge Sarkasmus um, was ihn schon wieder ganz herzlich und offen wirken lässt. Ebenso ergeht es einem mit seinen Freunden, welche man nach und nach besser kennenlernt. Besonders sein bester Freund Aech wächst einem wirklich ans Herz und sorgte zumindest bei mir am Ende auch für einen wirklich herzlichen Lacher.

Was jetzt wie eine Art SciFi-Buch für Nerds klingt...naja, ist genau das, stellenweise. Aber darüber hinaus bietet das Buch auch noch so viel Abenteuer, Spannung und, ja, sogar Romanze, dass man es einfach lieben muss und kaum aus der Hand legen will! Definitiv mein erstes Highlight dieses Jahr.

So...und jetzt entschuldigt mich, ich geh mal eben eine Runde virtuelle Monster töten. Vielleicht finde ich da auch irgendwo ein paar Billiönchen, die jemand irgendwo versteckt hat. ;)

Bewertung:

Sonntag, 27. Januar 2013

"Why We Broke Up" von Daniel Handler

Zum Inhalt: Kaum einen Monat waren Min und Ed ein Paar, aber das war genug, damit Ed Mins erste große Liebe wurde. Jetzt, nachdem ihre Beziehung zu Ende ist, kann und will Min das nicht einfach so ausklingen lassen. Stattdessen packt sie all seine Geschenke und Andenken an ihre Beziehung in eine Kiste und gibt ihm diese zusammen mit einem Brief, in welchem sie die gemeinsame Zeit noch einmal Revue passieren lässt.

Infos zum Buch: "Why We Broke Up", Little, Taschenbuch, 354 Seiten, 10,00 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich habe das Buch bei einer der Leserunden für englische Jugendbücher auf Lovelybooks gelesen. Da haben wir per Abstimmung entschieden, welches Buch wir als nächstes lesen wollten. Andernfalls hätte ich mich wohl auch nie für "Why We Broke Up" entschieden. Als die Entscheidung gefallen war, hatte ich mir sogar kurzfristig überlegt, doch nicht teilzunehmen. Eigentlich interessieren mich die Herzschmerz-Geschichten für Jugendliche nur selten. Trotzdem habe ich mich schließlich entschieden, das Buch zu lesen, weil ich die Grundidee für die Geschichte und den Aufbau des Buches eigentlich doch ganz gern mochte. So im Nachhinein muss ich sagen, dass ich diese Entscheidung fast bereue. Selten hat mich eine Protagonistin so sehr genervt wie Min und selten fand ich einen Schreibstil so furchtbar.

Das Buch ist in einzelne Kapitel aufgebaut, die wieder an die jeweiligen Gegenstände angebunden sind, um die es in ihnen geht. Von Kapiteln kann man hier auch nur bedingt sprechen, denn das Buch ist im Stil eines Briefes geschrieben, den Min an Ed schreibt. Hierbei geht sie in jedem Abschnitt auf einen bestimmten Gegenstand ein, erzählt nochmal, was dieser mit den beiden zu tun hat und wie sie ihn bekommen haben.

Ganz, ganz schlimm fand ich dabei den Schreibstil. Dass man in einem Brief nicht so sehr auf Wortwiederholungen, Spannungsaufbau und Satzbau achtet, ist klar. Aber ich denke, die wenigsten von uns schreiben ganz genau so wie sie sprechen. Bei Min hätten nur noch Füllwörter wie "Ähm..." gefehlt. Dazu besteht die Hälfte des Buches aus genauen Wiedergaben von Gesprächen, wobei sie jedes Mal mit dem Zitat beginnt, nach ein zwei Worten "you said" oder "she said" einbaut und danach das Zitat fortführt. Dadurch wirkt es nicht nur holprig, sondern unmöglich, das Buch flüssig zu lesen. Um ehrlich zu sein, wollte ich schon allein deshalb das Buch nach zwei Abschnitten in die Ecke werfen.

Dazu kam noch, dass ich es unerträglich fand, wie überheblich Min wirkt. Im Nachhinein kann ich zumindest verstehen, wie wütend sie auf Ed ist. Dennoch kommt in fast jedem Teil raus, dass sie ihn und seine Hobbies heimlich ja auch ein wenig belächelt und z.B. sein großes Hobby, den Basketball, nur so halb ernst nimmt. Ihr Hobby, Filme, ist natürlich geistig viel anspruchsvoller. Wäre ich Ed, ich hätte den Brief niemals zu Ende gelesen, sondern mir einfach "Good Riddance" gedacht.

Gut gefallen hat mir eigentlich nur, wie leidenschaftlich sie ihrem Hobby nachgeht. Zwar hat es mich auch da genervt, dass sie jede Situation mit irgendeiner Filmszene vergleichen musste und dass sie ihr umfangreiches Fachwissen Ed auch immer aufdrängen musste, aber insgesamt fand ich es sympathisch, dass sie Filme so sehr liebt

Insgesamt musste ich mich doch zwingen, das Buch zu beenden und war froh, als es endlich soweit war. Trotzdem ich generell nicht so begeistert von der Geschichte war, hatte ich mich doch auf diesen originellen Aufbau gefreut und bin jetzt sehr enttäuscht. Gerade auch, weil ich das Ende jetzt kenne, muss ich sagen, dass ich noch nichtmal verstehe, was Min mit diesem Brief genau bezweckt. Ich glaube, dass Ed sich genauso wenig dafür interessiert, was sie zu sagen hat, wie ich.

Was mir gut gefallen hat, waren die vielen Illustrationen von Maira Kalman, die sich wirklich Mühe gegeben hat, die Gegenstände, die Min Ed zurückgibt, sehr detailverliebt zu zeichnen. Ich habe das Buch zwar als eBook gelesen, aber selbst da konnte man die Details gut sehen. Und wenn ich meinen Mitlesern glauben darf, sind sie in den Hardcover- und Taschenbuchversionen richtig schön. Aber das kann natürlich auch die schwache Story an sich nicht retten.

Naja, ich hoffe, das nächste Buch, das wir lesen werden, wird mir wieder besser gefallen...

Bewertung: