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Donnerstag, 20. Juni 2013

"Blutige Stille" von Linda Castillo

Zum Inhalt: In Painters Mill leben die Amischen in Einklang mit den anderen Bürgern. Bis plötzlich ein furchtbarer Mord geschieht. In einer Nacht wird die gesamte Plank-Familie ausgelöscht. Warum gerade diese Familie? Liegt es daran, dass sie Amische waren? Und warum die extreme Brutalität? Diese Fragen muss Kate Burkholder im Zuge ihrer Ermittlungen klären.

Infos zum Buch: "Blutige Stille", Fischer, Taschenbuch, 400 Seiten, 8,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Ich bin ja immer vorsichtig, was Krimis und Thriller angeht. Irgendwie bin ich da schon zu oft auf eine vermeintlich spannende Geschichte reingefallen und meistens kann ich gar nicht nachvollziehen, warum diese Genres so viele Anhänger haben.

"Blutige Stille" stand allerdings schon ewig auf meiner Wunschliste. Der Inhalt klang einfach so "anders" und mal richtig interessant. Ich find das Leben der Amischen an sich schon sehr interessant. Nicht, dass ich selbst Interesse daran hätte, auf all die modernen Annehmlichkeiten zu verzichten. Aber ich finde es einfach spannend, darüber zu lesen, wie diese Menschen das meistern. Das kommt auch hier nicht zu kurz. Wobei ich nicht sagen will, dass es endlose, langweilige Erklärungen gibt. Aber dadurch, dass Kate Burkholder selbst einmal Teil dieser Gemeinde war, werden solche Hintergrundinformationen immer wieder im Lesefluss untergebracht und sorgen eher dafür, dass man manche Sachen besser versteht.

Das Buch ist tatsächlich so spannend geschrieben, dass ich es kaum aus der Hand legen wollte. Auch die Nebenhandlung zwischen Kate und John Tomasetti habe ich nicht als störend oder langweilig empfunden, wie es mir oft bei eben solchen geht. Erst während des Lesens habe ich erst mitbekommen, dass das Buch Teil 2 einer Serie ist. Etwas blöd war dann halt, dass ein paar Geschehnisse der Nebenhandlung vom ersten Teil erwähnt wurden. Da ich vom Schreibstil von Linda Castillo so angefixt bin, will ich den jetzt natürlich lesen und bin etwas angesäuert, dass ich den Teil der Geschichte jetzt schon kenne bzw. vermute. Aber naja...man hätte ja auch vorher recherchieren können, nö?!

Der einzige, aber dafür große, Kritikpunkt ist, dass die Geschichte zum Ende hin an Spannung verlor. Erst hat sich Kate für meinen Geschmack nur etwas in den Ermittlungen verrannt, was an der Stelle aber auch gepasst hat. Dann kam es aber zur Lösung des Falls und die war für mich einfach viel zu unspektakulär, das Motiv irgendwie schwammig und insgesamt nicht ganz glaubwürdig. Da die Geschichte an sich so ungewöhnlich und spannend war, hat das die Geschichte irgendwie nach unten gezogen. Schade.

Bewertung:

Samstag, 6. April 2013

"Notes From a Big Country" von Bill Bryson

Zum Inhalt: Das Buch ist eine Zusammenfassung von allen Geschichten, die Bill Bryson in seiner Kolumne über das Leben in den USA für die britische Zeitung "Mail on Sunday" geschrieben hat. Hier geht es unter anderem um die verrückte Bürokratie der amerikanischen Einwanderungsbehörde, über den Wahnsinn des Telefonanbieters AT&T, die Kuriositäten der amerikanischen Lebensmittelindustrie und natürlich auch um Brysons "ganz normale amerikanische Familie".

Infos zum Buch: "Notes From a Big Country", Black Swan, Taschenbuch, 416 Seiten, 9,10 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Es wurde endlich mal wieder Zeit für eine Runde Bryson-Humor. Er schafft es einfach wie kein anderer, die Kuriositäten und die Eigenheiten verschiedener Länder und dessen Menschen einzufangen und auf unheimlich witzige Art und Weise zu beschreiben.

Während die meisten anderer seiner Bücher eher Reiseromane sind, die ihm bei Roadtrips und Wandertouren folgen, ist "Notes From a Big Country" eine Zusammenfassung von Kolumnen. Diese hat er geschrieben, nachdem er nach zwei Jahrzehnten Leben in England in die USA zurückgekehrt ist. Einerseits macht das das Lesen natürlich viel schneller, denn die einzelnen Kolumnen sind sehr kurzweilig und nicht miteinander verbunden. Andererseits gibt es so natürlich auch keine wirkliche Handlung und zumindest ich war froh, danach wieder ein Buch mit einer Geschichte zu lesen, der man folgen kann.

Durch die lange Abwesenheit bekommt Bryson hier natürlich eine ganz andere Sichtweise auf sein Heimatland und dessen Eigenarten. Vieles ist ihm unbekannt und kommt ihm im direkten Vergleich kurios vor, andererseits ist er aber auch nicht völlig unbedarft, wie z.B. ein Tourist es wäre. Bereits in vorigen Büchern hat er sich ja ausgiebig mit diesem Land beschäftigt und kennt es mittlerweile sehr gut. Und doch schaffen seine Mitbürger, besonders seine neuen direkten Nachbarn, es immer wieder, ihn noch zu überraschen und häufig auch in den Wahnsinn zu treiben.

Sein Schreibstil ist wie immer satirisch übertrieben mit trockenem Humor und viel Selbstironie. Ich liebe das ja. Seine Bücher erinnern mich immer auch ein bißchen an Ephraim Kishon, dessen Bücher damals in der Schule die einzigen waren, die ich sogar freiwillig außerhalb des Unterrichts gern gelesen habe. Schön finde ich vor allem, dass er sich nicht einfach nur über "die Amis" lustig macht, wie es so viele gern tun. Sicherlich gibt es in diesem riesigen Land vieles, worüber wir alle nur den Kopf schütteln können, aber Bryson erklärt auch immer wieder, warum die Dinge so sind, wie sie sind. Dadurch kann man beherzt lachen und lernt auch noch was dazu.

Ich kann das Buch jedem empfehlen, der gern etwas über die USA lernen und sich dabei amüsieren möchte.

Bewertung:

Freitag, 22. Februar 2013

"Paper Towns" von John Green

Zum Inhalt: Quentin wohnt schon seit er denken kann neben Margo. Früher waren die beiden auch dicke Freunde, doch in der High School gehen sie getrennte Wege. Margo gehört zu den coolen Kids und ist sogar irgendwie deren Anführerin. Quentin dagegen ist ein Außenseiter und mit dieser Rolle auch ganz glücklich, denn er hat seine Freunde und seine Routine. Eigentlich vermisst er auch Margo nicht bewusst. Bis diese plötzlich eines Abends bei ihm am Fenster steht und ihn dazu drängt, mit ihr eine verrückte Nacht durchzumachen, in welcher die beiden jede Menge Illegales unternehmen. Am nächsten Tag verschwindet Margo plötzlich und während sich alle um ihn herum damit abfinden, dass dieses verrückte Mädchen ihrem alten Leben eben einfach den Rücken gekehrt hat, kann Quentin sie nicht vergessen. Und mehr noch, er ist davon überzeugt, dass Margo von ihm gefunden werden will und nur ihm Hinweise hinterlassen hat. Und so beginnt für ihn eine Art Schnitzeljagd, bei der er die wirkliche Margo erst kennenlernt.

Infos zum Buch: "Paper Towns", Speak, Taschenbuch, 320 Seiten, 7,90 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Hachja, John Green! Mein neuer Held der Jugendbücher!

Vorab muss ich gleich ehrlicherweise sagen, dass "Paper Towns" mich nicht ganz so packen konnte wie "Will Grayson, Will Grayson" zuvor. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto mehr glaube ich auch, dass bei den beiden Büchern einfach die Erwartungshaltung anders war. Hier wusste ich jetzt schon, wie wunderbar der Schreibstil und der Ideenreichtum von John Green sind.

Natürlich hat auch "Paper Towns" wieder eine ganz wunderbare Geschichte. Es geht wieder um eigentlich ganz normale Jugendliche. Der ein oder andere der Charaktere wirkt auch hier skurril, aber nicht so über die Maßen, dass man selbst nicht auch so jemanden in der Art kennen würde. Da ist zum Beispiel Quentins Freund Ben, der auf geradezu tragische Art und Weise von den Mädchen besessen ist. In seinem Kopf ist er selbst ein ganz schöner Aufreißer, er nennt die Mädchen "Honeybunnies" und alles dreht sich bei ihm darum, endlich eine Freundin und vor allem eine Begleitung für den Abschlussball zu finden. Aber gleichzeitig ist er auch grandios erfolglos und unbeliebt bei den Mädels. Das macht ihn schon wieder liebenswert und knuffig. Zumal er seine Situation ja auch noch selbst mit Humor nimmt.

Quentin selbst war mir stellenweise zu ernst und verbissen für sein Alter. Natürlich passt das auch wieder zu der Geschichte, denn jeder "normale" Jugendliche in seinem Alter wäre so kurz vorm Abschlussball wohl mit allem anderem beschäftigt als mit seiner verrückten Nachbarin, zumal diese ja auch schon eine ganz gehörige Summe an seltsamen Geschichten gebracht hat und mehr als einmal für längere Zeit von zu Hause ausgerissen ist. Kein Wunder also, dass kaum jemand ihrem erneuten Verschwinden besonders viel Bedeutung beimisst. Da braucht es schon einen so sensiblen Charakter wie Quentin, der dann auch aus den kleinsten Sachen einen Hinweis herauslesen kann.

Sehr gut gefallen hat mir hier, dass John Green in der Geschichte auch die Unterschiedlichkeit der Charaktere aufgreift. Es kommt zu häufig vor, dass die Protagonisten als die Helden dargestellt werden und die Nebencharaktere in all ihrer Skurrilität eigentlich nur albern und manchmal sogar nervtötend wirken. Ich will hier nicht spoilern, aber genau das wird kurz angesprochen und auf tolle Weise von Quentins Freund Radar zerschlagen. Genau das liebe ich jetzt schon an John Green. Bei ihm wirkt einfach alles sympathisch. Jeder Charakter, jede Szene, jede Geschichte sorgen irgendwie dafür, dass man sich mit seinen Büchern einfach wohl fühlt.

Der Grund, weshalb mich das Buch nicht ganz packen konnte ist einfach, dass die Spannung immer wieder unterbrochen wird. Sicherlich ist es auch toll, mehr über die Freundschaft zwischen Quentin, Ben und Radar zu erfahren und mitzubekommen, was alles so kurz vor ihrem Abschluss bei ihnen abgeht. Aber eigentlich will man unbedingt wissen, was denn jetzt mit Margo ist. Und immer wenn es gerade richtig spannend wird und Quentin einen weiteren Schritt gemacht hat, hakt es wieder und man möchte am liebsten 10-15 Seiten überspringen, um zu sehen, wie es weitergeht. Erst im letzten Viertel entwickelt sich die Suche dann richtig rasant.

Ohne zuviel zu verraten möchte ich auch noch kurz das Ende ansprechen. Denn in den Enden liegt scheinbar ein weiteres Talent von John Green. Sie sind immer weit weniger spektakulär als man sie sich vorstellt und doch immer so besonders. Auch hier hat mir das Ende wieder so viel besser gefallen als alles, was ich mir vorher vorgestellt hatte.

Bewertung:

Sonntag, 25. November 2012

"I Heart New York" - Lindsey Kelk

Zum Inhalt: Angela führt eigentlich ein recht einfaches Leben. Seit Jahren ist sie in einer festen Beziehung mit Mark, der ihr mittlerweile sogar einen Heiratsantrag gemacht hat, sie hat einen ganz komfortablen Job als Kinderbuchautorin, sie wohnt im schönen London, behütet und von wenigen Problemen geplagt. Doch dass ihr auch irgendwas fehlt im Leben, merkt sie erst, als sie auf der Hochzeit ihrer besten Freundin ihren Verlobten mit einer anderen Frau erwischt. Völlig geschockt erfährt Angela noch am gleichen Abend, dass alle davon wussten und dass ihr Leben keinesfalls so toll und perfekt war, als sie es angenommen hatte.

Eine Kurzschlussreaktion bringt Angela dazu, dass sie sich plötzlich keine 24 Stunden später in New York wiederfindet. Sie hat kaum Gepäck, nur das Geld, was sie und Mark noch gespart hatten, und weiß auch sonst eigentlich nicht, was sie eigentlich in New York will. Doch wenn man sowieso schon bei Null anfängt, kann man das doch gleich richtig tun, oder? Und so beginnt Angela einen absoluten Neustart mit neuem Look, neuem Wohnort, neuem Job und natürlich auch neugefundener Lust auf Dating. Kann das gut gehen?

Infos zum Buch: "I Heart New York", Harpercollins UK, Taschenbuch, 307 Seiten, 8,30 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Um das Buch bin ich ja doch schon einige Zeit rumgeschlichen. Bei Chick Lit dieser Art habe ich aber auch schnell das Problem, dass es mir zu kitschig und zu mädchenhaft wird. Bei diesem Titel und diesem Cover lag diese Vermutung ja nahe. Doch die Inhaltsangabe und die guten Kritiken zu der Reihe haben mich schließlich doch überzeugt.

Angela war von Anfang an für mich sehr sympathisch und zugänglich. Sie wirkt sehr bodenständig und auch unsicher. Ihr Glück war es daher bisher, dass ihr Leben ja nun einmal schon so geordnet war. Sie musste sich gar keine ernsthaften Gedanken um ihre überflüssigen Pfunde machen. Oder darüber, dass sie von Schminke und Styling wenig weiß. Und auch nicht über ihre beruflichen Aussichten. Zwar geht sie darin nicht gerade auf, aber es ist ein sicherer Job, Mark verdient gut und so muss man sich ja auch nicht gerade der stressigen Jobsuche aussetzen. In ihr habe ich mich zu einem großen Teil wiedererkannt. Wenn man einmal im gemütlichen Nest sitzt, bleibt man da auch.

Erst durch das schockierende Erlebnis bei der Hochzeit wird Angela aus diesem Nest geworfen. Jetzt sieht sie natürlich auch die Zeichen, die die ganze Zeit da waren, und muss erkennen, dass nicht nur ihr Verlobter sie hintergangen hat. Insofern fand ich auch ihre Reaktion gar nicht so übertrieben, als es auf den ersten Blick wirkt. Klar, der erste Gedanke ist, dass doch niemand einfach spontan ans andere Ende der Welt fliegt, weil eine Beziehung in die Brüche geht. Die meisten von uns würden sich wohl bei der besten Freundin einnisten und bis zum Umfallen Junk Food in sich hineinstopfen. Aber wenn man eben diese zugleich verliert und sich von allen anderen Anlaufpunkten hintergangen fühlt, was macht man dann? Insofern fand ich es also zwar etwas utopisch, weil man wohl nicht mal eben das Glück hat, genug auf der hohen Kante zu haben, um das durchzuziehen, aber doch auch wieder nachvollziehbar. Eben genau die richtige Mischung aus Märchen und Realität.

In New York nimmt dann stellenweise das Märchen auch wieder ein wenig überhand. Es passieren zu viele traumhafte Sachen, für die man schon sehr, sehr viel Glück haben muss. Hier und da hat alles tatsächlich einen Hauch von "Sex and the City". Doch wettgemacht wird das alles wieder durch Angelas charmante und bodenständige Art. Geradezu schüchtern und überwältigt kann sie selbst gar nicht glauben, wie viel Glück sie hat und so gönnt man ihr auch alles, was ihr passiert. Und sind wir mal ehrlich, so ein bißchen liest man solche Bücher ja auch, weil man mitträumen möchte.

Schön finde ich auch, das Frau Kelk hier wert darauf legt, dass in keinem Fall Schwarz-Weiß-Malerei betrieben wird. So sind nicht Angelas alten Freunde allesamt böse und die neuen in New York alle toll. Alle haben ihre Stärken und Schwächen und nachdem Angela erst einmal ihren ersten Schock überwunden hat, sucht sie auch viele Fehler in sich selbst.

Mir hat "I Heart New York" wirklich gut gefallen. Als Auftakt einer Reihe macht es auf jeden Fall Lust auf mehr und stellt einem eine sympathische neue Protagonistin vor, ernsthafter als Rebecca Bloomwood aus "Shopaholic", bodenständiger als Carrie Bradshaw aus "Sex and the City", und somit insgesamt irgendwie glaubhafter.

Und als kleines Schmankerl gibt es in der bei mir verlinkten Ausgabe auch noch Angelas New York-Guide, in welchem sie tolle Restaurants, Hotels, Clubs und weitere "Must Sees" in New York empfiehlt.

Bewertung:

Samstag, 13. Oktober 2012

"Bared to You" von Silvia Day

Zum Inhalt: Eva ist gerade nach New York gezogen, wo sie einen tollen Job in der Werbebranche gefunden hat. Alles läuft toll und dann läuft sie direkt an ihrem ersten Tag auch schon ihm in die Arme, dem gut aussehenden, reichen, perfekten Gideon Cross. Doch der Eindruck wird schon bald dadurch getrübt, dass er ihr eindeutige Angebote macht. Für Evas Geschmack ist er viel zu sehr von sich eingenommen. Oder steckt hinter diesem arroganten Typen doch mehr?

Infos zum Buch: "Bared to You", Penguin Verlag, Taschenbuch, 368 Seiten, 9,30 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Wie vorher erwähnt, fand ich die "50 Shades"-Trilogie von E.L. James einfach klasse. In vielen Diskussionen zu diesen Büchern wurde der eher flache und einfache Schreibstil kritisiert. In dem Zusammenhang wird dann empfohlen, stattdessen doch lieber mal "Bared to You" zu lesen. Nachdem ich "50 Shades" jetzt schon etwas länger hinter mir habe und es doch ein wenig vermisse, habe ich mir einfach mal das Buch auf den Kindle geladen. Und was soll ich sagen? Die Leute haben recht! Obwohl mir der Schreibstil von E.L. James nicht so unglaublich sauer aufgestoßen ist wie vielen anderen, muss ich doch sagen, dass der von Silvia Day um Welten besser ist. Das ist schon der erste Punkt, der sich, völlig objektiv betrachtet, auf keinen Fall von der Hand weisen lässt.

Natürlich steht auch bei "Bared to You" die Erotik sehr im Vordergrund. Hier fällt jedoch gleich zu Anfang auf, dass die Charaktere wesentlich gleichgestellter sind. Zwar ist auch hier der ältere Gideon Cross wieder der dominantere Typ und es fällt auch wieder ein wenig in die Kategorie "Frauenfantasien", dass er perfekt aussieht, sportlich ist, ein unglaublich dickes Bankkonto hat, aber trotzdem ein sensibler, bodenständiger Typ ist. Hier wird wieder alles in einem Typ vereint, was Frau Durchschnitt wohl so unter "Mein Traumtyp" angeben würde. Natürlich hat das nur sehr wenig mit der Realität zu tun. Aber immerhin ist hier auch unsere Heldin, Eva, keine Allerweltsdame. Sie kommt selbst aus der New Yorker High Society und es ist gar nicht erst die Rede davon, dass sie irgendwie nicht körperlich perfekt wäre. So kommt immerhin nicht das Gefühl eines Märchens auf.

Sonst, das gebe ich zu, ließ sich wenig Tiefgang aus der Story ziehen. Auch hier werden viele, viele erotische Zusammentreffen der beiden wieder hier und da unterbrochen von kleineren oder größeren Beziehungsdramen. Frau Day hat ebenfalls versucht, die Charaktere dadurch weniger flach erscheinen zu lassen, dass beide eine Menge emotionalen Ballast mit sich rumschleppen. Bei manchen Sachen wirkt das tatsächlich echt, wodurch gerade auf solche größeren Probleme nur sehr wenig eingegangen wird. Insgesamt bringt das nur wenig Abwechslung zu den erotischen Intermezzos.

Die sind dann aber auch die wirkliche Stärke des Buches und, sind wir mal ehrlich, das erwartet man von so einem Titel doch auch, oder? Man kauft sich ja kein Buch dieses Genres und erwartet mehr als knisternde Erotik davon. Hier wird man auch absolut nicht enttäuscht. Dabei muss gesagt werden, dass hierbei zwar auch wieder Gideon der dominantere Part ist, aber an keinem Punkt, wie es bei "50 Shades" der Fall war, versucht wird, den Leser glauben zu machen, es handele sich um eine SM-Beziehung. Das hat besonders den Vorteil, dass man keine bestimmte Richtung erwartet, in welche sich die Beziehung der beiden entwickelt und auch das nächste Liebesspiel der beiden nicht vorhersehen kann. Im Gegenteil ist man so genauso angenehm überrascht wie Eva von den Wendungen, die sich durch Gideons Ideen ergeben.

Ich fand "Bared to You" sehr gut. Sicherlich keine wahnsinnig anspruchsvolle Literatur, aber meine niedrigen Erwartungen hat es bei weitem übertroffen. Ich kann es jedem, besonders jetzt bei dem Schmuddelwetter, nur empfehlen, sich mit dem Buch ein paar Stündchen unter eine warme Decke zu kuscheln und es einfach als lockere Lektüre zu genießen.

Bewertung:

Montag, 24. September 2012

[Trylle Trilogy #1] "Switched" von Amanda Hocking

Zum Inhalt: An ihrem sechsten Geburtstag hat Wendy Everly knapp einen Mordversuch überlebt, ausgeübt von ihrer eigenen Mutter. Die glaubt nämlich, dass Wendy nicht ihr Kind ist und gegen ihren eigenen Sohn vertauscht wurde.

Heute ist Wendy 17 und mittlerweile glaubt auch sie, dass sie nicht in diese Familie gehört. Zwar wohnt sie nun bei ihrer Tante Maggie und ihrem Bruder Matt, die sie beide liebt und die sie auch gut behandeln, aber dennoch kann sie das Gefühl nicht abschütteln, dass sie anders ist und hier nicht hingehört. Sie sieht nicht nur anders aus als alle in ihrer Familie und hat völlig andere Charaktereigenschaften, sondern sie hat auch gemerkt, dass sie über die Fähigkeit verfügt, die Gedanken anderer zu beeinflussen. Plötzlich taucht auch noch Finn an ihrer Schule auf, der ihr genau diesen Verdacht bestätigt und sie in das eigentlich für sie bestimmte Leben zurückbringen will.

Infos zum Buch: "Switched", Pan Macmillan, Taschenbuch, 356 Seiten, 8,30 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Die Bücher der Trylle Trilogy hatte ich schon länger im Auge. Aber irgendwie hatten die Buchläden immer nur den zweiten und dritten Band auf Lager. Und dann ist es ja immer, wie es so ist: Man nimmt sich vor, es später zu bestellen und vergisst es dann doch wieder. Als ich dann kürzlich "Switched" in der Thalia sah, nahm ich es gleich mit und weil ich so gespannt war und sowieso ein neues Buch anfangen wollte, kam es auch gleich an die Reihe.

Was mich an dem Buch von Anfang an fasziniert hat war, ohne abfällig wirken zu wollen, dass es sich um Young Adult Fantasy handelt, aber keine Vampire oder Werwölfe vorkommen. Die sind meiner Meinung nach momentan einfach so ausgelutscht, dass ich die Bücher schon immer angeödet aus der Hand lege.Ohne zu viel verraten zu wollen, kann ich sagen, dass es sich hier um Trolle handelt. Wie viele Autoren es auch mit Vampiren gemacht haben, hat Amanda Hocking aber auch hier ihre eigene Vorstellung umgesetzt und bedient sich nur bei wenigen Clichés zu diesen Wesen.

Anfangs fand ich es schwer, Wendy wirklich zu mögen, weil ihre Geschichte einfach so typisch beginnt. Das Außenseiter-Mädchen, still und in sich gekehrt, ernster und verträumter als ihre Altersgenossinnen. Doch das ändert sich relativ schnell, ihr Charakter gewinnt an Tiefe und lässt sich auch besser einschätzen.Stellenweise hätte ich mir zwar gewünscht, dass die Autorin sich mehr Zeit nimmt, um Wendys Motive für ihre Handlungen zu beschreiben, weil so die ein oder andere Stelle schwer nachvollziehbar erscheint. Aber andererseits stört das auch nicht wirklich den Verlauf der Geschichte.

Im Gegenteil liest sich "Switched" sehr flüssig und spannend. Man möchte nicht nur endlich wissen, wie es weitergeht, sondern auch mehr über die Trylle lernen. Die wohnen nämlich zwar auch in einem ganz normal wirkenden Städtchen in den USA, haben aber ihre ganz eigenen Regeln und Traditionen. Gerade weil Trolle für mich komplett neue Wesen sind, war es spannend zu erfahren, was Amanda Hocking sich darunter vorstellt und wie sie es umsetzt.

Natürlich entwickelt sich zwischen Wendy und Finn auch eine kleine Liebesgeschichte. Doch die wirkt nicht zu kitschig und wird auch nicht übertrieben in den Vordergrund gedrängt.Das wäre auch gar nicht nötig, denn was Emotionen angeht, hat Wendy genug Baustellen. Sie vermisst ihre Familie, lernt neue Leute kennen, deren Rollen in ihrem Leben sie verwirren und muss sich dazu auch noch in ihre neue Identität einleben. Da spielt die Liebesgeschichte mit Finn natürlich nur eine von vielen Rollen.

Mich hat "Switched" richtig begeistert. Sicherlich hat der Schreibstil stellenweise Schwächen, was aber, denke ich, einfach auch am Alter und der Erfahrung der jungen Autorin liegt. Man merkt jedoch, dass sie sich wirklich Mühe gegeben hat, eine sehr originelle Geschichte zu erfinden, bei welcher sie auch viel Wert auf Details legt.

Was übrigens gut passt ist, dass ich aktuell die US-Serie "Once Upon a Time" (läuft aktuell auf Super RTL, ich empfehle aber, online die Originalversion zu schauen) liebe. Zwar geht es da um Märchenbuchcharaktere, aber auch die leben in einem kleinen Städtchen in den USA, haben eine strenge Anführerin und erinnern mich einfach an vielen Stellen an die Geschichte aus "Switched". So habe ich viele von ihnen vor Augen gehabt, als ich das Buch gelesen habe.

Bewertung:

Donnerstag, 9. August 2012

"Hello Kitty muss sterben" von Angela S. Choi

Zum Inhalt: Fiona ist Chinesin, geht auf die 30 zu und lebt in San Francisco, genau genommen bei ihren Eltern. Sie ist nie ausgezogen und will das auch gar nicht. Sie hatte auch noch nie eine Beziehung, geschweigedenn Sex mit einem Mann, und auch das will sie gar nicht. Zwischenmenschliche Beziehungen sind ihr zuwider, aber eigentlich sind das auch alle Menschen an sich, besonders andere Asiaten, deren Sitten und Bräuche sie allesamt kennt und verabscheut. Nicht zuletzt deshalb, weil auch sie als asiatisches Mädchen an diese gebunden ist und sich ihnen lieber unterwirft, als deshalb Stress mit ihrem Vater zu bekommen. Doch dann tritt Sean, ein alter Schulfreund, wieder in ihr Leben. Der ist ein ebenso großer Gegner von den ganzen sozialen Zwängen, denen man sich im Leben so unterwirft und ab dem Moment, an dem Fiona ihn wiedertrifft (er ist Arzt und soll ihr ein ihr von der Natur nicht vergönntes Jungfernhäutchen verpassen) beginnt für die beiden eine verrückte Zeit.

Infos zum Buch: "Hello Kitty muss sterben", btb Verlag, Taschenbuch, 288 Seiten, 8,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Was für ein Buch! Bei den ersten 20 oder 30 Seiten wusste ich nicht so recht, was ich damit anstellen soll. Der Schreibstil war witzig und irgendwie krank, aber so richtig wusste ich nicht, worauf die Autorin hinauswollte. Mir war schon bewusst, dass Fiona, und dadurch natürlich auch Frau Choi mit diesem Buch irgendwie mit ihren asiatischen Wurzeln abrechnen wollte, aber sie tut das auf sehr, sehr krasse, stellenweise schockierend respektlose Art. Deshalb war ich als Leser anfangs sogar ein wenig peinlich berührt. Jeder kennt ja solche Situationen: Man sitzt in einem Raum, inmitten einer Gruppe von Leuten, und zwei bekommen sich in die Haare. Man selbst sitzt irgendwie in der Mitte, weiß nicht, ob man vermitteln oder sich auf eine Seite schlagen oder lieber unsichtbar machen soll. So ähnlich fühlt sich das auf den ersten Seiten von "Hello Kitty muss sterben" an.

Aber so komisch es klingt, man gewöhnt sich nicht nur an den Schreibstil - welcher ohnehin knackig, flüssig und leicht zu lesen ist -, sondern auch an die freche, manchmal grausame, manchmal respektlose und häufig kaltherzige Sichtweise Fionas. Ich, die ich an sich nicht zart besaitet bin bei welchen Sachen, fand das Buch sogar richtig witzig, kann mir aber auch vorstellen, dass vielen Leuten bei der Lektüre das Lachen im Hals stecken bleiben wird. In gewisser Weise erinnert es mich an Filme von Quentin Tarantino. Oft grausam und blutrünstig, häufig mit einer tiefgründigen Aussage irgendwo unter all dem Gore, aber auf jeden Fall immer komplett politisch inkorrekt.

Obwohl ich auch jetzt noch keine wirkliche Kernaussage entdecken kann und mir immer noch nicht wirklich bewusst ist, was genau Frau Choi jetzt mit dem Buch bezweckt hat, konnte ich es kaum aus der Hand legen. Es liest sich, wie gesagt, sehr schnell und flüssig und obwohl die Handlung wirklich krank und unrealistisch ist, will man immer erfahren, wie es weiter geht. Daher sind die 288 Seiten natürlich schnell durchgelesen und man hat hinterher das Gefühl, dass sich einem der Kopf dreht. Die Wortwahl und Formulierungen fand ich zumindest immer genau treffend und richtig witzig.

Ein Minuspunkt ist dabei aber trotzdem der mangelnde Durchblick. Dadurch, dass man nicht wirklich weiß, welche Intention dahinter steckt, kann man auch Fiona und ihre Handlungen nicht verstehen. Man weiß z.B. nie wirklich, warum sie ihre Mitmenschen / -asiaten so sehr verabscheut und ob sie das überhaupt tut oder ob sie sich das aus irgendeinem Grund einredet. Sie war zwar so gut beschrieben, dass ich sie fast vor mir sehen, ja, fast ihre Stimme hören konnte, aber wirklich verstanden habe ich ihren Charakter trotzdem nicht. Aber vielleicht ging es der Autorin ja auch gerade darum, einen Charakter zu erschaffen, der irgendwie grundlos verrückt ist.

Trotz meiner anfänglichen Schwierigkeiten, mich mit dem Buch anzufreunden, hat es mir letztendlich doch wahnsinnig gut gefallen und ich fühle mich wie nach einem spontanen verrückten Roadtrip!

Bewertung:

Samstag, 7. Juli 2012

"Babe in Boyland" von Jody Gehrman

Zum Inhalt: Natalie ist 17 und hat noch nicht viele Erfahrungen mit Jungs und der Liebe an sich gemacht. Diese Situation würde wohl die meisten Mädchen in ihrem Alter stören, aber es kommt noch erschwerend dazu, dass ausgerechnet Natalie Dr. Aphrodite ist. Unter diesem Pseudonym gibt sie in der Schülerzeitung Tipps in Sachen Liebe und beantwortet Leserbriefe von Mitschülern mit gebrochenem Herzen. Doch irgendwann muss auch sie einsehen, dass sie eigentlich ja selbst keine Ahnung hat, wie das andere Geschlecht so tickt.

Zusammen mit ihren beiden besten Freundinnen, Chloe und Darcy, entwickelt sie den verrückten Plan, sich in Underwood, einem Internat für die Söhne wohlhabender Eltern einzuschreiben. Doch um dort nicht aufzufallen gibt es nur einen Weg: Aus Natalie muss Nat werden. Eine ganze Woche also schlüpft Natalie in die Rolle ihres männlichen Alter Egos und versucht so, in die Gedanken und das Seelenleben ihrer neuen Mitschüler zu schauen und ein paar brennende Fragen zu klären, auf die sie als Mädchen wohl nie eine ehrliche Antwort bekommen hätte. Natürlich ist alles nicht so einfach, wie sie es sich vorstellt, denn dort muss sie sich nicht nur gegen den überheblichen Josh durchsetzen, sondern findet auch noch ausgerechnet in ihrem Zimmernachbarn Emilio ihren absoluten Traummann.

Infos zum Buch: "Babe in Boyland", Speak, Kindle eBook (auch als Taschenbuch erhältlich), 303 Seiten, 5,12 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Das war sie also, meine erste Leserunde. Wie bereits erwähnt, wäre "Babe in Boyland" vom Thema her wohl niemals ein Buch gewesen, dass ich mir gekauft hätte. Das Cover finde ich zwar ganz witzig gestaltet und nicht so platt, wie man es bei dem Thema hätte machen können, aber  trotzdem brauchte es doch diesen Anstoß durch die Leserunde, um mich zum Kauf zu bewegen.

Es war dann aber doch wesentlich amüsanter, als ich gedacht hätte. Klar, es ist ein Jugendbuch und zielt eindeutig mehr auf die Unterhaltung eben jener Altersgruppe ab, anstatt wirklich das komplexe Thema "Unterschied zwischen Männern und Frauen" halbwegs nüchtern anzugehen. Anfangs war es daher sogar mir, Königin des Flachwitzes, wirklich etwas zu platt und anspruchslos. Am Anfang wirken wirklich ausnahmslos alle Charaktere furchtbar und unsympathisch. Es wird ein Cliché nach dem anderen bedient und gibt eigentlich nur Schwarz oder Weiß. So gesehen hätte das auch ein Script für einen neuen Teil von "High School Musical" sein können. Doch schon nach den ersten Kapiteln fängt man an, mit Natalie warm zu werden. Und spätestens bei der Ankunft in Underwood kommen auch die ersten wirklich sympathischen Charaktere dazu. Natürlich konnte ich bis zum Ende nicht alles nachvollziehen, aber das wäre auch etwas viel verlangt. Wenn ich mit meinen fast 30 Jahren noch zu 100% nachvollziehen könnte, wie das Cliquen-Denken und die Unsicherheiten einer High School-Schülerin so laufen, würde ich mir auch Gedanken machen. Aber zum Glück merkt Natalie ja auch sehr schnell, dass man Menschen nicht über einen Kamm scheren kann.

Überraschenderweise fand ich auch einige Situationen wirklich lustig und richtig clever eingefädelt von der Autorin. Das hätte ich so nach den ersten Kapiteln auf keinen Fall erwartet. Auch gibt es einige Momente, die überraschend tiefsinnig sind.

Zum Ende hin wurde das Buch meiner Meinung nach immer besser. Was mir da nicht gefallen hat, war die Zusammenfassung der Veränderung von Natalies Charakter und Sicht der Dinge. Solche Sachen sollten sich für den Leser auch ganz offensichtlich aus der Handlung selbst ergeben. Da möchte ich nicht vorgekaut bekommen, wie ich die Entwicklung zu sehen und bewerten habe. Und es ist ja auch offensichtlich, dass ein großer Teil der vorher da gewesenen Oberflächlichkeit am Ende nicht mehr da ist, weder von Natalie selbst, noch von der Handlung an sich. Da ist diese mehrseitige Zusammenfassung eigentlich völlig überflüssig. Ausgeglichen wurde das aber wieder durch das Ende, das meiner Meinung nach herrlich unkitschig, aber doch passend war, ohne zuviel verraten zu wollen.

Literaturgeschichte wurde mit "Babe in Boyland" ganz sicher nicht geschrieben, nicht mal, wenn man in Betracht zieht, dass es auf junge Leser zugeschnitten ist. Aber wer auch keine mal ein lockeres Buch zwischendurch liest, das unterhält und so ein kleines bißchen Feel Good-Stimmung verbreitet, ist hier auf jeden Fall richtig.

Bewertung:

Freitag, 11. Mai 2012

Nachricht von dir von Guillaume Musso

Zum Inhalt: Es ist kurz vor Weihnachten, als Madeline und Jonathan sich am Flughafen JFK in New York begegnen. Die Begegnung ist kurz und würde wohl beiden nicht lang im Gedächtnis bleiben, wenn sie nicht ihre Handies vertauscht hätten. Beiden fällt das jedoch erst am jeweiligen Zielort auf, Tausende von Kilometern voneinander entfernt. Denn Madeline wohnt in Paris, Jonathan in San Francisco. Sie beschließen, sich gegenseitig die Telefone zukommen zu lassen. Doch irgendetwas hindert sie daran und lässt sie spüren, dass sie mehr verbindet als nur ein vertauschtes Telefon.

Beide können es nicht lassen und schnüffeln in den privaten Daten des anderen herum. Und so entdecken sie immer mehr, das sie die Vergangenheit verbindet, ohne dass sie etwas davon wussten.

Infos zum Buch: "Nachricht von dir", Pendo Verlag, Taschenbuch, 464 Seiten, 14,99 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: Das Buch war mal eine richtige Überraschung. Es entspricht so gar nicht dem Eindruck, den Cover und Beschreibung vermitteln. Als ich es gekauft habe, habe ich mit einer romantischen, aber ernsthaften und irgendwie "echten" Liebesgeschichte gerechnet. Das Anlesen der ersten paar Seiten ergab zusätzlich einen leicht skurrilen Eindruck für diese Art Buch, irgendwie so, wie man es häufig von französischen Autoren und Filmemachern kennt. Auf jeden Fall war ich auf einiges an Romantik und Emotionen gefasst.

Der Anfang ging auch durchaus in diese Richtung. Ohne dass Guillaume Musso gleich zu Anfang sein Pulver verschießt und die gesamte Vergangenheit aufdeckt, ist unschwer zu erkennen, dass Madeline und Jonathan einiges erlebt und ertragen haben. Beide Leben sind die Konsequenz aus gescheiterten Versuchen und zum Teil auch Existenzen. Ohne zu viel zu verstehen, bekommt der Leser gleich den Eindruck, dass beide krampfhaft versuchen, sich selbst einzureden, dass das Leben, welches sie führen, genau das ist, was sie wollen und brauchen. Glück sieht irgendwie anders aus. Schön finde ich hier, dass man das zwar spürt, aber nie richtig greifen oder erklären kann. Wie im richtigen Leben, ganz ohne Schnörkel und übertrieben emotionale Handlungen.

Mit der Zeit jedoch entwickelt sich das Buch komplett anders als erwartet. Es wird spannend, ja fast schon zu einem Krimi. Eine Art plätschernde Melancholie weicht actiongeladener Spannung. Wo die Geschichte anfangs noch etwas ziellos und mit vielen Beschreibungen langsam verlief, gibt es hier Seite um Seite neue Wendungen. Etwas schade fand ich hier, dass, sobald dieser Sprung vollbracht war, die Geschichte und somit auch das Ende etwas vorhersehbar wurden. Es war, zumindest mir, klar, wer mit wem was zu tun hatte und welchen Einfluss auf den Verlauf der Geschichte hatte. Nur die Details sind lange Zeit unklar. Das Ende fand ich generell etwas schwach auf der Brust.

Außerdem gab es ein paar kleine, eigentlich unbedeutende, Details, die mir negativ aufgefallen bzw. schlecht recherchiert schienen. Die Übersetzung war z.B. sehr holprig. So schaut sich Jonathans Sohn an einer Stelle "Bob, der Schwamm" an, wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass "Spongebob Schwammkopf" gemeint war. Mit ein bißchen Recherche hätte man das korrigieren können. An einer anderen Stelle wird erwähnt, dass man mit einem Smart mit "nur 12 PS" rumfährt. Auch hier hätte ein kurzer Blick auf die Homepage des Herstellers gereicht, dass die Miniautos nun auch wieder nicht SO wenig PS haben. Insgesamt also wirklich Kleinigkeiten, die aber insofern ärgerlich sind, dass sie die notwendige Auseinandersetzung mit dem Produkt an sich vermissen lassen. Auf Neudeutsch würde man hier wohl von mangelnder "dedication" sprechen.

Trotzdem fand ich das Buch insgesamt sehr schön. Es ließ sich flüssig lesen und ist in sich schlüssig. Außerdem gefällt mir die oft blumige Sprache. Ich weiß nicht, ob das wirklich damit zu tun hat, dass wir hier einen französischen Autor haben, da fehlt mir der Vergleich. Aber im Gegensatz zur z.B. recht harten, faktischen Sprache skandinavischer Autoren wirkt hier alles viel weicher, Emotionen werden offener angesprochen, Orte eingehender und "romantischer" beschrieben. Das gefiel mir zumindest sehr. Richtig toll fand ich auch die Einleitung, die zwar so gar nichts mit dem Schreibstil des restlichen Buches gemeinsam hat, aber zumindest mich doch in die richtige Stimmung für die Geschichte gebracht hat.

Bewertung:

Freitag, 23. März 2012

Traumurlaub zu gewinnen

Eigentlich bin ich ja nicht so der Gewinnspielblogger. Seit meiner Zeit als Lesefan / -blogger habe ich insgesamt, glaube ich, bei zwei Gewinnspielen teilgenommen und davon eines hier verlinkt.

Aber das, was Thomas Cook da momentan uns Bloggern bietet, ist dann doch einfach zu toll, um es einfach untergehen zu lassen. Das Gute ist, dass ich hier nicht einfach irgendeinen Link einstelle, den meine Leser stupide für mich anklicken müssen, ohne dass für sie etwas rausspringt. Und man macht sich auch keine Mühe umsonst, nein, denn jeder Blogger hat die Möglichkeit, mit dem, was wir sowieso immer machen, daran teilzunehmen. Wir bloggen einfach. Und zwar über unser Traumreiseziel (aus der zur Verfügung gestellten Liste). Und dafür bekommen wir dann direkt schon einmal einen 10 €-Gutschein von Amazon. Und mit ganz, ganz viel Glück, gewinnen wir auch noch eine Reise im Wert von 1.000 €. Wir lesen also gegenseitig von unseren Traumzielen und haben hoffentlich Spaß dabei. Beim Schreiben dürfen wir auch in Urlaubsträumen schwelgen und werden direkt schon belohnt. Kann es besser kommen? Außer einem Job, bei dem man für's Lesen, Musik hören und Relaxen bezahlt wird, meine ich natürlich. ;)

Das Gewinnspiel findet ihr hier. Aufmerksam geworden auf dieses Gewinnspiel bin ich durch Collection of Bookmarks, welcher, nebenbei bemerkt und um mal in Erinnerungen zu schwelgen, zufällig auch sowieso der erste Buchblog war, den ich damals gefunden, sofort geliebt und abonniert habe.


So, nun aber zu meinem Beitrag für das Gewinnspiel:

Ich habe mich für die wunderbaren und von mir bisher leider noch nicht besuchten USA entschieden. Mein Hauptaugenmerk liegt hier natürlich in Kalifornien / San Francisco, welches sich als Ort leider nicht auswählen lässt. New York reizt mich zwar auch, aber das als Ort zu wählen, wäre nur die halbe Wahrheit gewesen.

Warum die USA?

Wahrscheinlich taucht dieses Reiseziel bei den meisten Bloggern auf. Es ist nunmal ein großartiges Land mit noch großartigeren Legenden und Geschichten, welche ihm einen so großen Reiz für so viele Menschen verleien. Mir geht es aber gar nicht um den "American Dream", die "unbegrenzte Freiheit" oder was Menschen sonst noch so reizt. Bei mir führen einfach so viele Dinge, die ich mag, immer wieder zu den USA.

Zum einen kommt meine absolute Lieblingsband daher, existierte schon etliche Jahre dort, bevor wir hierzulande auch nur den Namen AFI ein einziges Mal gehört haben. Dadurch hat sich dort ein Großteil der Bandgeschichte zugetragen. Es gibt somit so viele Orte, die ich gern besuchen möchte, um mir selbst ein Bild davon zu machen, wie alles angefangen hat. Fast alle diese Orte liegen in Kalifornien in und um San Francisco herum.

Mit New York verbinden mich fast schon oberflächliche Gründe. Hauptsächlich geht es mir hier tatsächlich, ganz Cliché, um Sex and the City (die Serie, nicht die Bücher) und Shopping. Aber auch fasziniert mich einfach dieses Zusammenspiel verschiedener Kulturen, Gesellschaftsklassen und Lebensstile auf so vergleichbar engem Raum. Wir mühen uns in Deutschland seit Jahren ab, um auch nur Menschen mit türkischem Hintergrund zu akzeptieren und da gibt es ganze Stadtteile, die mittlerweile aufgrund ihrer vielen Immigranten einen Kultstatus haben. Das kommt mir einfach wahnsinnig spannend vor und ich will das einfach alles mal für mich selbst sehen.

Der dritte Ort,der mich fasziniert ist New Orleans. Eine meiner Lieblingsautorinnen, Poppy Z. Brite, schreibt eigentlich selten Bücher, die nicht in irgendeiner Weise um und in New Orleans spielen. Seitdem fasziniert mich das einfach. Sie beschreibt es meist als sehr düster und verrucht, natürlich nicht zuletzt auch dank Mardi Gras.

Ihr seht also, es gibt für mich in der Zukunft keinen Weg vorbei an den USA. Auch, wenn ich sicherlich mehrere Urlaube brauche, um die Orte in diesem riesigen Land zu besuchen.

So, jetzt seid ihr dran. Wollt ihr auch die tolle Reise gewinnen? Und natürlich auch einen Amazongutschein? Wo möchtet ihr denn hin?

Dienstag, 6. März 2012

A Walk in the Woods von Bill Bryson

Zum Inhalt: Einige Zeit ist vergangen, seit Bill Bryson wieder mit seiner Familie zurück in die USA gezogen ist. Bevor er nach England zog, hatte er ja bereits sein Heimatland mit dem Auto erkundet, doch nun steht er vor einer neuen selbstauferlegten Aufgabe: Amerikas Natur zu Fuß erkunden! Und so machen er und sein Freund Stephen Katz sich auf, um den 2.100 Meilen langen Appalachian Trail zu bezwingen. Dieser schlängelt sich durch 14 Bundesstaaten und erscheint geradezu endlos, besonders für zwei Männer im "besten Alter", die nun nicht gerade sportlich sind. Was sie alles erleben und zu sehen bekommen, hat Bill Bryson in einem weiteren seiner Reiseromane festgehalten.

Meine Meinung: Da ist er wieder, mein Bill! Viel zu lange war es her, seit ich das letzte Buch von ihm gelesen habe. Doch "Notes From a Small Island" konnte mich ja damals nicht so ganz begeistern und so hatte ich vielleicht auch ein bißchen Angst, dass es mir mit "A Walk in the Woods" so ähnlich gehen würde. Zumal das Thema an sich ja erst einmal nicht so wirklich meins ist. Wandern? Natur? Hm!

Doch genau das wurde dann auch für mich zur Stärke des Buchs. Denn auch Bill Bryson und Stephen Katz sind alles andere als erfahrene Wanderer. Am ersten Tag glauben sie, dass es auch zugleich ihr letzter wird und allein der Anblick ihrer riesigen Rucksäcke lässt sie schon fast das komplette Projekt canceln. So krebsen sie auch gaaanz langsam den Appalachian Trail entlang, streiten sich oft, verfluchen häufig die Natur und freuen sich über jede Nacht, die sie nicht unter freiem Himmel verbringen müssen. Genau so würde es mir auch gehen. Und trotzdem kann ich auch alle Vorteile den Ehrgeiz der beiden verstehen. Mal ganz weg vom eigenen Leben und für alle unerreichbar sein. Keine Pflichten und Aufgaben, nur so gut wie möglich vorwärts kommen und so viel wie möglich von der unglaublichen Natur sehen. Sich grobe Ziele stecken wie "In zwei Tagen wollen wir die Stadt XY erreichen", die man aber je nach Vorankommen, Wetterlage und Stimmung auch wieder verwerfen kann. Das klingt schon toll, zumindest für eine Weile.

Sehr beeindruckend waren auch die Beschreibungen der verschiedenen Nationalparks, Berge und Wälder. Gerade die Staaten in der Mitte sind für uns hier ja oft eher "eine Suppe". Solang es nicht um den Unterschied zwischen Kalifornien und New York geht, machen wir uns selten Gedanken darüber, in welchem Staat es viele Wälder oder große trockene Ebenen gibt. Aber genau diese werden von Bryson beschrieben. Besonders Wälder und Seen gibt es entlang des Trails jede Menge zu sehen.

Wie immer besteht das Buch natürlich auch nicht nur aus einem Step-by-Step Reisetagebuch, sondern es gibt auch jede Menge private Anekdoten aus Brysons Leben. Und dazu auch noch viele Informationen zum Trail, zu den verschiedenen besuchten Staaten, zu Amerikas Tier- und Pflanzenwelt, und, und, und... Das klingt natürlich erstmal wieder sehr trocken und nüchtern, aber durch seine lockere, lustige Art  kommt es überhaupt nicht so rüber. Zugegeben, die ein oder andere Zahl oder mal ein wissenschaftlicher Fakt hier und da weniger hätte es sein dürfen. Dafür hätte ich gern mehr über Stephen Katz gelesen. Der ist nämlich in Brysons Beschreibung eine liebenswerte Nervensäge und ich musste immer wieder schmunzeln, wenn von ihm erzählt wurde. Zum Beispiel rastet er gleich am ersten Tag aus, hat die Nase voll von seinem schweren Rucksack und wirft kurzerhand einiges an Proviant und ein paar vermeintlich wichtige Ausrüstungsgegenstände irgendwo in die Natur. Das erzählt er Bryson natürlich erst Meilen später und fortan ernähren die beiden sich bis zum nächsten Stop von Snickers. Davon hat Katz natürlich jede Menge dabei, ist ja klar.

Der Grund, weshalb es dann nicht ganz für fünf Kitten gereicht hat, ist einfach die Wiederholung. Auch wenn die sie umgebende Natur sich ständig ändert, so bleibt der Ablauf der Wanderung doch gleich und viele Situationen kommen immer und immer wieder vor. Dazu tauchen bei den besuchten Städten auch noch einige auf, welche Bryson bereits in "The Lost Continent" besucht und beschrieben hatte. Da fand ich es dann sehr schade, dass doch noch so viel Fokus darauf gelegt wurde. Aber nunja, das ist bei diesem tollen Buch auch schon Jammern auf ganz hohem Niveau.

Bewertung: