Dienstag, 10. Juli 2012

"The Perks of Being a Wallflower" von Stephen Chbosky

Zum Inhalt: Charlie ist eigentlich ein ganz normaler Teenager. Vielleicht ein bißchen stiller und introvertierter, doch definitiv nicht großartig "anders". Er hat ein paar gute Freunde, keine großen Probleme in der Schule, versteht sich ganz gut mit seinen Eltern und Geschwistern und auch sonst ist sein Leben eher mittelmäßig.

Und doch ist Charlie einzigartig, irgendwie besonders und manchmal auch ganz traurig. In Briefen an einen "Freund" schüttet er diesem sein Herz aus und arbeitet all das auf, was ihn nach außen hin eben ganz normal macht, ihn selbst aber bewegt.

Infos zum Buch: "The Perks of Being a Wallflower", Simon & Schuster UK, Taschenbuch, 240 Seiten, 8,80 € | Bei Amazon kaufen

Meine Meinung: "The Perks of Being a Wallflower" ist ja eigentlich schon ein moderner Klassiker. Ich weiß gar nicht, wie viele Freunde mir im Laufe der Jahre davon vorgeschwärmt und es mir empfohlen haben. Wie es kommt, dass ich es jetzt erst gelesen habe, weiß ich gar nicht mal. Und ein wenig bereue ich das auch. Denn in Charlie sehe ich viele Parallelen zu mir selbst in seinem Alter. Ich glaube, hätte ich dieses Buch damals gelesen, hätte es mir zumindest ein Stückchen weit geholfen, mich weniger allein mit manchen Gedanken zu fühlen.

Zunächst mal mag ich den Schreibstil sehr. Bücher, die in Brief- oder Tagebuchformat geschrieben sind, lese ich sehr gern, weil sie einfach die Handlung nochmal etwas auflockern und zugleich auch eine Tiefe reinbringen, die man eben nur bekommt, wenn alles aus einem so persönlichen Blickwinkel betrachtet wird. Bei "The Perks of Being a Wallflower" ist das sogar nochmal ein Mix von beidem. Einerseits schreibt Charlie natürlich alles in Briefen nieder und spricht damit sein Gegenüber direkt an. Andererseits verlangt er aber auch gar keine Antwort, gibt sogar keine Möglichkeit an, auf seine Briefe zu antworten und möchte so anonym bleiben. Dadurch merkt man einerseits, dass er den gewünschten Leser zwar als offenes Ohr betrachtet und versucht, alles verständlicher aufzuschreiben, als wenn er es nur für sich selbst niedergeschrieben hätte. Aber andererseits wird es durch diese Anonymität und die mangelnde Möglichkeit, positives oder negatives Feedback zu bekommen auch sehr persönlich und offen.

Charlie war mir sofort sympathisch. Er wirkt sehr still, aber nicht unbedingt verschlossen. Ihm fehlt jegliche Sturheit oder Arroganz, die man häufiger bei Protagonisten seiner Altersklasse findet. Stattdessen möchte er einfach nur mit allen zurecht kommen, ist häufig sogar erwachsener als seine Eltern. An vielen Stellen hat man allerdings fast schon das Gefühl, dass er für einen Jungen seines Alters zu verständnisvoll ist. Zum Beispiel in Szenen mit seiner Schwester habe ich mich doch häufiger gefragt, ob er wirklich so viel Geduld hat, dass er selbst nie böse auf sie zu werden oder sich mit ihr zu streiten scheint. Mit der Zeit erzählt er jedoch auch mehr von seiner Familie und vergangenen Ereignissen und man beginnt zu verstehen, dass er eben doch eine größere Last auf den Schultern trägt, als man zu Anfang noch geahnt hat. Und - oder vielleicht gerade deshalb - wirkt er immer noch wie ein ganz normaler Teenager, der eigentlich nur versucht, seinen Platz im Leben zu finden, mit seiner ersten großen Liebe umzugehen und zu verstehen, wer er selbst eigentlich ist.

Einziger Minuspunkt war der ein oder andere "Brief", der mir persönlich einfach zu verwirrend war. Bei manchen konnte ich nicht ganz nachvollziehen, ob es jetzt ein Füller war oder ob es auch ein wichtiger Teil der "Geschichte" war. Jedenfalls schienen sie weder die Handlung voranzutreiben, noch einen Teil der Persönlichkeit einer der Charaktere zu beschreiben oder zu erklären. Dadurch wurde es streckenweise doch etwas langweilig.

Insgesamt kann ich aber sehr gut nachvollziehen, warum so viele Menschen dieses Buch lieben. Und ich bin froh, dass ich Charlie auch endlich kennenlernen durfte.

Bewertung:

Kommentare:

  1. Ich habe auch schon überlegt das Buch zu lesen und dank deiner Rezi ist es jetzt weiter nach oben in meiner Liebäugelliste gerutscht.
    Das Buch wird demnächst verfilmt oder wird sogar atm verfilmt, wirst du dir die Verfilmung anschauen? LG

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  2. Von der Verfilmung habe ich auch gehört und das war mit ein Grund, warum ich das Buch jetzt endlich lesen wollte. Ich werde mir den Film auf jeden Fall anschauen, wollte aber nachher nicht so unmotiviert an das Buch gehen.

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